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Die Grande Armée in Deutschland 1805 bis 1814

Wahrnehmungen und Erfahrungen von Militärpersonen und Zivilbevölkerung

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Stephanie Poßelt

Die Napoleonischen Kriege von 1805 bis 1814 stellten die Menschen in Deutschland nicht nur aufgrund von Kriegsbelastungen, sondern auch hinsichtlich gesellschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Veränderungen vor neue Herausforderungen. Das Buch untersucht diese Umbruchszeit aus kultur- und sozialgeschichtlicher Perspektive. Im Fokus stehen die Kriegserfahrungen sowohl der deutschen Bevölkerung als auch der Soldaten der Grande Armée und deren gegenseitige Wechselwirkung im zivilen und militärischen Alltag einer ständig dem Wandel unterlegenen Lebenswelt. Die Studie gewährt zudem Einblicke in Wahrnehmungen, Sinnstiftungen und Umdeutungen, die auf zeitgenössischen und retrospektiv verfassten Quellen basieren.

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1 Einleitung

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1.1 Thematische Einführung Die Ära der Napoleonischen Kriege von 1805 bis 1815 fällt in eine Umbruchs- phase vom 18. zum 19. Jahrhundert, die als der unumkehrbare Aufbruch in die Moderne angesehen wird. Schließlich war die Phase zwischen Ancien Régime und dem Wiener Kongress von weit reichenden strukturellen Umwälzungen in den Bereichen Herrschaft, Kirche, Militär, Wirtschaft und Gesellschaft betrof- fen, die tief greifende Veränderungen in der Lebenswelt der Menschen hinter- ließen. Großen Teilen der Bevölkerung, überwiegend dem Bildungsbürgertum, war durchaus bewusst, dass die deutsche Staatenwelt an einem Wendepunkt an- gekommen war, was sich nicht zuletzt am Niedergang des Alten Reichs 1806 zeigte.1 Dieses Bewusstsein variierte jedoch stark, abhängig von sozialer Stel- lung und Herkunft, Beruf, Konfession und der Zugehörigkeit zur städtischen oder ländlichen Bevölkerung. Im 18. Jahrhundert hatten Zivilpersonen nur we- nig Kontakt mit dem Militär. Von Feldzügen und militärischen Auseinanderset- zungen war die unmittelbare Umgebung der Gefechte betroffen. Der Großteil der Bevölkerung erfuhr von Kriegen und dem Ausgang von Gefechten jedoch erst durch Proklamationen. Mobilisierung und Kriegsverlauf beeinträchtigten den Alltag der zivilen Bevölkerung zu meist regional begrenzt. Doch die Revo- lutions- und Napoleonischen Kriege nahmen bisher unbekannte Ausmaße an. Zivilisten waren, verglichen mit den Kriegen im 18. Jahrhundert, weit stärker Opfer des Krieges, sei es während der Bombardierung von Dörfern und Städten, aus Hunger oder aufgrund von Epidemien, die durch die Soldaten...

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