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Kriegstaumel und Pazifismus

Jüdische Intellektuelle im Ersten Weltkrieg

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Edited By Hans Richard Brittnacher and Irmela von der Lühe

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde von der überwiegenden Zahl der deutschen Intellektuellen und Schriftsteller emphatisch begrüßt – auch von den deutschen Juden, die im Kampf fürs Vaterland eine Möglichkeit sahen, ihren Patriotismus und ihre gelungene Assimilation unter Beweis zu stellen. Diese Ansicht hat lange die Forschung dominiert. Die im vorliegenden Band versammelten Beiträge überprüfen aus interdisziplinärer Sicht diese These und gelangen bei der Lektüre und Analyse von Schriften, Briefen, Dichtungen und Dokumenten tonangebender jüdischer Intellektueller zu einem komplexeren Befund, der zwischen Kriegsbegeisterung und -skepsis, Duldung und Protest oszilliert.
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Janusz Golec (Lublin) - Über die Sinnlosigkeit der Existenz zwischen Lublin und Kowel. Ernst Weiß’ Haltung zum Krieg in den Briefen an Rahel Sanzara und im Roman Mensch gegen Mensch.

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Janusz Golec (Lublin)

Über die Sinnlosigkeit der Existenz zwischen Lublin und Kowel. Ernst Weiß’ Haltung zum Krieg in den Briefen an Rahel Sanzara und im Roman Mensch gegen Mensch

Die Protagonisten meines Beitrags sind Ernst Weiß (1882–1940), bekannt vor allem als Kafkas Freund, Arzt und Schriftsteller, Autor von Romanen wie Der arme Verschwender, Der Verführer, Georg Letham. Arzt und Mörder oder Der Augenzeuge sowie Rahel Sanzara (1894–1936), Tänzerin, Schauspielerin, Schriftstellerin und Gefährtin von Ernst Weiß.1 Sie hieß eigentlich Johanna Bleschke, wurde unter ihrem Künstlernamen bekannt und von den Nationalsozialisten, die eine Jüdin in ihr vermuteten, verfolgt. Unter dem Namen Johanna Sanzara veröffentliche sie 1936 den Roman Die glückliche Hand. Ihr Erstlingsroman Das verlorene Kind erschien bereits 1924 und erregte großes Aufsehen, nicht nur dadurch, dass er für den Kleist-Preis kandidierte – wovon ihn Sanzara selbst zurückgezogen hat – sondern vor allem dadurch, dass er einige Zeit Plagiatsvorwürfen ausgesetzt war. Sein wahrer Autor, so der Vorwurf, sollte Ernst Weiß gewesen sein.

Weiß debütierte 1913 mit dem Roman Die Galeere, dessen Hauptfigur Erik Gydendal, ein Strahlenphysiker und Röntgenologe ist, der an den Folgen seiner medizinischen Experimente stirbt. Mit ihm beginnt eine ganze Reihe von Wissenschaftler- und Ärzte-Figuren im Werk von Weiß, die Experimente an sich, anderen Menschen und Tieren durchführen und in mehreren Prosawerken autobiographische Züge ihres Schöpfers tragen. 1914 wurde Weiß in das...

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