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Translationswissenschaftliches Kolloquium III

Beiträge zur Übersetzungs- und Dolmetschwissenschaft (Köln/Germersheim)

Series:

Barbara Ahrens, Silvia Hansen-Schirra and Monika Krein-Kühle

Mit diesem Band liegt die dritte Ausgabe der Beiträge zum Translationswissenschaftlichen Kolloquium vor. Diese Einrichtung basiert auf der Zusammenarbeit des Fachbereichs Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft der Universität Mainz in Germersheim und des Instituts für Translation und Mehrsprachige Kommunikation der Fachhochschule Köln. Die insgesamt 15 im Band enthaltenen Beiträge gehen auf Vorträge zurück, die von 2010 bis 2013 an beiden Hochschulen gehalten wurden. Sie beziehen sich auf die folgenden Rahmenthemen: 1. Literarisches Übersetzen, 2. Pragmatik und Translation, 3. Translation und Ideologie, 4. Translation und Sprachkontakt, 5. Gerichtsdolmetschen, 6. Interkulturelle Kommunikation sowie 7. Maschinelle Übersetzung.
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Wo die Empirie zur Theorie wird. Literarisches Übersetzen am Beispiel von Molières Die Schule der Frauen (Rainer Kohlmayer)

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Rainer Kohlmayer

Wo die Empirie zur Theorie wird. Literarisches Übersetzen am Beispiel von Molières Die Schule der Frauen

1 Zum Verhältnis von Theorie und Empirie beim Literaturübersetzen

Dramenübersetzer stecken einerseits in ihren Figuren und stehen andererseits über ihren Figuren; sie müssen sie von innen und von außen sehen können; sie müssen gleichzeitig Schauspieler und Zuschauer sein, Interpreten und Kritiker. Optimales Nachahmen der Figurensprache und kritisches Nachdenken über die Figur gehören zusammen; beides gehört zum Kerngeschäft des Dramenübersetzens. Der Literaturübersetzer dient nicht nur den zwei sprichwörtlichen „Herren“ Original und Übersetzung, sondern auch dem verinnerlichten „Über-Ich“, das als kritisch interpretierendes Bewusstsein das eigene Schaffen begleitet und kommentiert. Die interpretierenden Selbstkommentare des Shakespeare-Übersetzers Frank Günther belegen dieses Nebeneinander von Einfühlung und kritischer Distanz in extenso. Das emotional eindrucksvollste Beispiel eines solchen Selbstkommentars, das ich kenne, ist Hedwig Lachmanns Essay über Oscar Wildes Salomé-Drama, das sie fünf Jahre zuvor übersetzt hatte (Lachmann 1905; Kohlmayer 1996). In solchen praxisnahen Selbstkommentaren und generell in den Vor- und Nachworten der Literaturübersetzer wird das Ideal fassbar, das den Translations-Akteuren vorschwebte, wie sie das Original und den eigenen Text lasen und interpretierten.

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