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Gesundheit – Vom (bio)technologischen, (eigen)verantwortlichen, fairen und realistischen Umgang

Günter Alwin Müller

Dieses Buch untersucht ausgewählte ethische Aspekte im Umgang mit Zivilisationskrankheiten, die während der Erforschung, Prädiktion, Diagnose und Therapie dieser Krankheiten sowohl theoretisch als auch praktisch von großer Bedeutung sind. Die Untersuchung geht davon aus, dass im Laufe der Menschheitsgeschichte die moderne biomedizinische Forschung magische Vorstellungen durch ein exakt zu vermessendes und beschreibbares Weltmodell ersetzt hat, welches den Menschen mit kausal-mechanistischen Erklärungen für seine Gesunderhaltung selbst verantwortlich macht. Die Identifikation von Risikofaktoren wie Zivilisationskrankheiten dämpft diese Verschiebung von Verantwortlichkeit allerdings empfindlich. Die Erfolge und das Leistungsvermögen moderner Biomedizin maskieren Probleme und Misserfolge in der Auseinandersetzung mit diesen Risikofaktoren. Der Autor diskutiert dies anhand einer Gegenüberstellung von Extrempositionen.

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1. Eingangsbetrachtungen – Zuerst die Gesundheit, dann die Moral

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„Wer heute über Leben philosophiert, betreibt Medizin- oder Bioethik, diskutiert die Frage, ob das Hirntodkriterium angemessen ist, um das Lebensende zu bestimmen, oder erörtert, welche Formen der genetischen Manipulation moralisch zu verdammen sind und welche nicht. Kurz, unser Begriff des Lebens ist im festen Griff der modernen Biowissenschaften. Der Lebensphilosophie wäre dies ein Graus gewesen….“

Martin Hartmann2

1.  Eingangsbetrachtungen – Zuerst die Gesundheit, dann die Moral

Zu den Grundphänomenen des menschlichen Lebens gehört zweifellos Gesundheit und Krankheit. Dabei ist offenbar im Laufe der Menschheitsgeschichte die folgenschwere Auffassung entwickelt worden, dass Krankheiten Defekte des Organismus darstellen, die ausschließlich in das Aufgabengebiet der Medizin fallen. So heißt es etwa in einem weit verbreiteten aktuellen Lehrbuch der Pathologie3: „Krankheit ist eine Störung der Lebensvorgänge, die den Organismus oder seine Teile so verändert, dass das betroffene Individuum subjektiv, klinisch oder sozial hilfsbedürftig wird.“ Im Unterschied hierzu war der deutsche Herzphysiologe und Medizinhistoriker Karl E. Rothschuh noch im Jahr 1976 der Meinung, dass Krankheit bis heute4 „ein alltägliches, aber rätselhaftes und oft folgenschweres Ereignis, dem sich ebenso das Denken der Magier, der Priester, der Philosophen wie der Forscher zugewendet hat“ darstellt. Aus der Sehweise der modernen Medizin tragen jedoch die Aussagen und Erkenntnisse der Priester, Heilkundigen, Philosophen und anderen medizinischen „Laien“ nichts wirklich Nutzbringendes zu einem Verständnis oder gar zur Prävention, Diagnose und Therapie von Krankheiten bei. Denn diese seien ja ausschlie...

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