Show Less
Restricted access

Kulturbegegnung und Kulturkonflikt im (post-)kolonialen Kriminalroman

Series:

Michaela Holdenried, Barbara Korte and Carlotta von Maltzan

Kriminalliteratur bietet seit längerem ein Forum für die Behandlung schon ‚klassischer‘ postkolonialer Themen. So lassen sich die ProtagonistInnen vielfach als hybride Subjekte beschreiben, und die Suche nach ‚historischer Wahrheit‘ bedarf einer anderen Substruktion als der einfachen Antithetik von Gut und Böse. Darüber hinaus sind die im Verschwinden begriffenen ehemals klar getrennten kolonialen Räume in postkolonialer Kriminalliteratur zwar solche des Kulturkonflikts; die ‚liminalen‘ Räume, die Kontaktzonen, mutieren aber keineswegs ersatzweise zu idyllischen Orten: Vielmehr sind sie gegen Konflikte ebenso wenig gefeit. Kriminalliteratur ist daher ein ideales Labor für postkoloniale Narrative, die Elemente postmoderner Ästhetik mit einem starken Interesse an sozialen Ungleichgewichten verbinden.
Der Band versammelt zwölf auf Deutsch und Englisch verfasste wissenschaftliche Beiträge zum postkolonialen Kriminalroman sowie ein Interview mit dem südafrikanischen Krimiautor Deon Meyer.

Show Summary Details
Restricted access

„Die Sehnsucht nach den fernen Ländern und ihrer Buntheit“. Zur Ambivalenz des Orientalismus in Friedrich Glausers Kriminalroman Die Fieberkurve (1937/38) (Stefan Hermes)

Extract

← 202 | 203 →

STEFAN HERMES

„Die Sehnsucht nach den fernen Ländern und ihrer Buntheit“. Zur Ambivalenz des Orientalismus in Friedrich Glausers Kriminalroman Die Fieberkurve (1937/38)

Abstract

Dass der Schweizer ,Kultautor‘ Friedrich Glauser einen bedeutsamen Beitrag zur Geschichte des modernen Kriminalromans geleistet hat, steht außer Zweifel. Indes sind jene Elemente seines Werks, die an die Tradition des literarischen Orientalismus anschließen, bislang nur ausnahmsweise untersucht worden. Daher geht der Aufsatz der Frage nach, inwiefern Glauser die Spielräume des Krimi-Genres in der Fieberkurve erweitert, indem er seinen Wachtmeister Studer von Bern aus nach Algerien und Marokko reisen lässt. Entscheidend ist dabei, dass die Thematisierung kultureller Fremdheitserfahrungen mit der spezifischen Erzählweise des Romans korrespondiert. Denn während die maghrebinischen Erlebnisse des Protagonisten dessen Welt- und Selbstverständnis massiv erschüttern, sehen sich Glausers Leser(innen) mit der Nicht-Erfüllung gängiger kriminalliterarischer Schemata konfrontiert. Außerdem wird gezeigt, dass die Fieberkurve zwar durchaus eine Kritik orientalistischer Projektionen befördert, die ihnen zugrunde liegenden Bedürfnisstrukturen aber keineswegs denunziert.

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.