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Das lateinische Tierlobgedicht in Spätantike, Mittelalter und Früher Neuzeit

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Franziska Schnoor

Das lateinische Tierlobgedicht, eine poetische Untergattung des Enkomiums, ist in der Forschung bislang kaum beachtet worden. Die vorliegende Arbeit will diese Forschungslücke schließen. Sie schlägt einen weiten Bogen von den einflussreichen antiken Vorbildern aus der Feder von Catull und Ovid bis zur neulateinischen Dichtung im 17. Jahrhundert und präsentiert damit ein Textkorpus, das so vielgestaltig ist wie die Tierwelt selbst.

Im Mittelpunkt der Arbeit stehen die am häufigsten gepriesenen Tiere: die Nachtigall sowie Vögel im Allgemeinen, der Hund und das Pferd. Als Vertreter für Exoten wird der Elefant vorgestellt, und mit dem Floh kommt ein Tier zur Sprache, das vor allem Gegenstand von ironischem Lob ist. Neben den typischen Eigenschaften der Tiere werden die poetischen Mittel des Tierlobs und das intertextuelle Beziehungsnetz der Gedichte analysiert.

Die zahlreichen Berührungspunkte des Tierlobgedichts mit anderen poetischen Gattungen sowie seine sozio-funktionalen Aspekte werden ebenfalls betrachtet. Insgesamt zeigt sich, dass unter der Oberflächenschicht des Tierlobs meist eine Tiefenschicht verborgen ist, in der es um das menschliche Miteinander geht.

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2. Antike Vorbilder

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2.  Antike Vorbilder

2.1  Catull

Keine andere antike Dichtung hat einen derart starken Einfluss auf das Tierlob ausgeübt wie Catulls Gedichte über den Sperling seiner Geliebten Lesbia (carm. 2 und 3).1 Diese Aussage gilt allerdings nicht fürs Mittelalter, in dem Catull so gut wie unbekannt war,2 sondern nach der augusteischen Zeit erst wieder für die Renaissance und die Frühe ← 51 | 52 → Neuzeit.3 Ab dem 14. Jahrhundert mehren sich die Hinweise auf eine Catull-Rezeption. Gegen Ende des 13. oder zu Beginn des 14. Jahrhunderts brachte ein Veroneser Notar eine Handschrift mit den Gedichten Catulls aus Frankreich nach Italien.4 Unklar ist, ob es sich dabei um das Exemplar handelte, das Rather von Verona gesehen hatte.5 Dieser Codex bot die Grundlage für die Auseinandersetzung mit Catull in der Folgezeit; zwar ging die Handschrift im Laufe des 14. Jahrhunderts wieder verloren, aber zu dem Zeitpunkt waren schon mehrere Abschriften angefertigt worden, so dass sich die Gedichte rasch weit verbreiteten. Bereits zu Beginn des 14. Jahrhunderts gibt es neben dem Gedicht des Benvenuto einige Hinweise auf Catull-Rezeption: Benzo von Alessandria und Hieremias von Montagnone zitieren Catull um 1310; eine Anthologie, die im Jahr 1329 in Verona nach Codices der dortigen Kapitelbibliothek hergestellt wurde, zitiert aus einem seiner Gedichte.6 Zu den ersten Catull-Rezipienten unter den italienischen Frühhumanisten ← 52 | 53 → zählen außerdem Albertino Mussato und Francesco Petrarca.7 Die Editio princeps der Catull-Gedichte (zusammen mit Werken von Tibull, Properz und...

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