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Die Gründungsgeschichte des PEN-Clubs in der Schweiz

Geleitwort von Dominik Riedo- Nachwort von Kristin T. Schnider

Helen Münch

Diese Studie befasst sich mit der Entstehung von PEN-Zentren in der Schweiz und zeigt die Haltung ihrer Präsidenten als Schweizer Delegierte an den jährlich stattfindenden Kongressen des Internationalen PEN-Clubs, der sich in den Dreissiger- und Vierzigerjahren vor allem mit deutschen Themen beschäftigen musste, da die hohen Ideale der PEN-Charta vom Nationalsozialismus mit Füssen getreten wurden. Dabei kam es zu unschönen Sympathiekundgebungen der Schweizer mit dem deutschen PEN-Club, der sich ganz dem neuen Regime verschrieben hatte und die Hauptprinzipien des PEN verletzte: dass er sich von Politik fernhält, dass er an den freien Austausch von Literatur glaubt, dass die einzige Voraussetzung für die Mitgliedschaft Auszeichnung im Literarischen ist, ungeachtet von Nationalität, Rasse oder Glaubensbekenntnis. Er hatte anders denkende Schriftsteller aus seinen Reihen ausgeschlossen und sich weder von deren Verfolgung durch den Staat noch von den Bücherverbrennungen distanziert. Als die deutsche PEN-Gruppe den Internationalen PEN-Club verlassen musste, war dies für die Schweizer eine unberechtigte Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines Staates und ein Verstoss gegen den Leitspruch des PEN, sich politisch nicht zu betätigen. Nach dem Krieg hatten die Schweizer nichts mehr gegen das Politisieren und verlangten den Ausschluss der PEN-Zentren der Ostblockstaaten – insbesondere der von der Sowjetunion beherrschten Ostzone Deutschlands – aus dem Internationalen PEN, da sie als Satelliten der UdSSR dem kommunistischen System angehörten, in dem die Meinungs- und Pressefreiheit unterdrückt wurde, was den Prinzipien des PEN-Clubs widersprach.

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Die Gründung des Westschweizer PEN-Zentrums 157

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157 Die Gründung des Westschweizer PEN-Zentrums Der erste Versuch, ein Westschweizer PEN-Zentrum zu gründen, wurde – genau wie in Zürich – im Jahre 1926 unternommen. August Bouvier aus Genf teilte Robert Faesi in einem Schreiben mit, dass man ein Initiativ- komitee gebildet habe, dass aber noch keine Werbearbeit vorgenommen worden war und man auf eine günstige Gelegenheit warte, den westschwei- zerischen PEN-Club wirklich ins Leben zu rufen.1 Diese „Existenz auf dem Papier“, wie Bouvier es nannte, hatte wenigstens zur Folge, dass man ein Jahr später, am 5. Internationalen PEN-Kongress in Brüssel von 1927, davon Kenntnis nahm und das Genfer Sekretariat (August Bouvier, 5 Ave- nue Léon Gaud, Geneva) in die Datei aufnahm. Seither war Genf auf jedem Briefpapier des Internationalen PEN-Clubs vertreten, obwohl sich in Genf keine PEN-Aktivitäten abspielten. Der zweite Versuch im Jahre 1947 war effizienter und führte schnel- ler zum Ziel. Initiant war diesmal Henri de Ziégler, der sich durch Faesis Vorbereitungen zum Zürcher Kongress animieren liess, auch aktiv zu wer- den. Faesi schickte ihm die Zürcher Statuten und instruierte ihn über das weitere Vorgehen und die internationalen Bestimmungen: Unsre Statuten informieren Sie am raschesten über die Organisation. Ich kann Ih- nen raten, die Ihren ähnlich zu halten. Zu überlegen bliebe, ob der Vorstand das alleinige Recht hat, über [!] Aufnahme von Mitgliedern zu entscheiden. Die Wahl derselben ist überhaupt wohl die wichtigste Frage. Sie müssen 20 Mitglieder haben, um vom Internat. Vorstand anerkannt zu sein. Mitgliedern anderer...

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