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Business Improvement Districts

Erfolgreicher Politikimport aus den USA?

Annette Vollmer

Business Improvement Districts bieten einen neuartigen Ansatz zur Stärkung gewachsener Geschäftsbereiche, der die spezifschen Schwächen der in Deutschland bislang genutzten Instrumente überwindet. Mittlerweile haben sechs Bundesländer entsprechende BID-Gesetze verabschiedet und es gibt mehr als 25 BIDs in Deutschland.
Die BID-Idee stammt ursprünglich aus Nordamerika und ist ein geradezu idealtypisches Beispiel für die US-amerikanische Grundhaltung, sich selbst zu helfen, statt nach dem Staat zu rufen. Angesichts dieses Gegensatzes im Staatsverständnis sowie weiterer gesellschaftlicher und ökonomischer Unterschiede zwischen den beiden Ländern stellt sich die Frage: Warum konnten BIDs erfolgreich nach Deutschland importiert werden?
Dazu werden im ersten Schritt zunächst die sozioökonomischen Rahmenbedingungen in den USA und Deutschland und die Einbettung von BIDs in ihrem jeweiligen Kontext analysiert. Aus dem «Varieties of Capitalism»-Ansatz wird dazu ein Vergleichsrahmen entwickelt. Im zweiten Schritt wird dieser mit Ansätzen des Politiktransfers verschränkt, um daraus Thesen ableiten zu können, die sich auch zur Erklärung des Transfers anderer Instrumente eignen. Die Arbeit liefert außerdem erstmals einen Überblick über US-amerikanische BIDs und eine ausführliche Darstellung des ersten deutschen BIDs in Hamburg.

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III Business Improvement Districts in den USA 111

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111 III Business Improvement Districts in den USA Nach gängiger Meinung entstanden Business Improvement Districts (BIDs) in den 1970er Jahren in Nordamerika, genau genommen im kanadi- schen Toronto. Das Zustandekommen des entsprechenden Gesetzes hat Legendencharakter: Das BIA24 Konzept startete in den sechziger Jahren als Antwort der Einkaufsstraßen und der traditionellen Geschäftsviertel auf den Druck der Einkaufszentren, die sich in Nordamerika entwickelten. … Die Erkenntnis, dass dieser Wandel einen bleibenden Einfluss auf die Geschäfte und ihr Umfeld haben könne, veranlasste die Geschäftsleute in West Torontos Einzelhan- del, etwas dagegen zu unternehmen. Die Einzelhändler erkannten, dass sie, ähnlich wie ein Einkaufszentrum, im Verbund handeln müssen, und nicht einzeln und ohne Be- rücksichtigung der in der Nähe liegenden Geschäfte. Sie entschlossen sich, einen Ver- band zu gründen. … Das Problem war, dass soviel Zeit damit vergeudet wurde, Gelder einzusammeln, dass kaum Zeit übrig blieb, sich Konstruktiverem zu widmen. … Eine Lösung musste her, die sich von dem Bisherigen unterschied. … Zukunftsorientiert wie sie waren, und bespickt mit einem guten Verständnis über poli- tische Werdegänge, stellten sie einen Antrag an die Provinzialverwaltung zur Entwick- lung eines Gesetzes, das ihnen erlauben würde, Geld durch ein Abgabenerhebungsver- fahren der Kommune von jedem Grundeigner/Geschäft in einem designierten Quar- tier einzusammeln. (John Kiru, Executive Director der Toronto Association of Busi- ness Improvement Areas (TABIA), in: BCSD 2003: 16) Fast zeitgleich – ebenfalls in den 1970er Jahren – entstanden auch die ers- ten BIDs in den USA. Nicht...

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