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Soziale Sicherheit im globalen Dorf

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Edited By Roland Sigg and Christina Behrendt

Es ist weitgehend anerkannt, dass mit Globalisierungsprozessen erhebliche Zwänge für die Entwicklung von Sozialleistungssystemen einhergehen. Die Internationalisierung der Wirtschaft hat einschneidende Konsequenzen für Arbeitsmärkte, die sich in vielen Ländern in der Zunahme unsicherer Arbeitsverhältnisse sowie der Verschärfung von Einkommensungleichheit und sozialer Ausgrenzung manifestieren. Dieser Prozess wird begleitet von grundlegenden soziodemographischen Wandlungsprozessen, wie beispielsweise die Veränderung von Familienstrukturen, die Alterung der Bevölkerung und Migration. Während die Zunahme von Unsicherheit und sozialer Ausgrenzung den Bedarf nach sozialer Sicherheit erhöht, sehen Regierungen und Sozialversicherungsinstitutionen ihren finanziellen Handlungsspielraum in einer internationalisierten Wirtschaft eingeschränkt. Sowohl der öffentliche als auch der private Sektor bemühen sich, ihre Rollen neu zu definieren und dazu beizutragen, die Verantwortlichkeiten zwischen Staat, Markt, Familien und Individuen neu zu verteilen.
Dieses Buch untersucht die in einer globalisierten Welt wachsenden Herausforderungen für die soziale Sicherheit und analysiert nationale Anpassungsstrategien. Welche Auswirkungen hat die Globalisierung auf Programme der sozialen Sicherheit? Welche Strategien wählen Länder, um mit diesen Herausforderungen umzugehen und sich an die Zwänge einer globalen Umwelt anzupassen? Welche Rolle spielen nationale Institutionen in der Gestaltung dieses Anpassungsprozesses? Entstehen in diesem Kontext neue Risiken, und wie kann mit diesen am besten umgegangen werden? Welchen Beitrag kann schließlich die Forschung leisten, um die politische Debatte über die Legitimität der sozialen Sicherheit im Kontext einer sich globalisierenden Welt zu erhellen?

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Einführung

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1 Für einen Überblick über die jüngsten Debatten über Globalisierungsprozesse siehe zum Beispiel M. F. Guillén (2001). Kapitel 1 Die soziale Sicherheit im globalen Dorf: Problemstellungen und Perspektiven ROLAND SIGG UND CHRISTINA BEHRENDT In den letzten Jahrzehnten begegnete die soziale Sicherheit einer Reihe von neuen Herausforderungen. Die 1980er Jahre wurden Zeuge eines nachlassenden Wirtschaftswachstums, das einst in den „goldenen Jahren“ so großzügig ausgefallen war, von Veränderun- gen in der Familienstruktur und der Transformation der Arbeits- welt. Nach Verkündung der „Krise des Wohlfahrtsstaates“ durch einige Beobachter und der Neuauflage der neoliberalen Theorien in den 1990er Jahren gerieten die Programme der sozialen Sicher- heit in der gesamten industrialisierten Welt unter stärkeren Druck und wurden häufig gekürzt, während die Konzepte der Zielgrupp- penorientierung und einer Stärkung der Arbeitsanreize viel Unter- stützung fanden (IVSS, 1995). In jüngerer Zeit wird eine Reihe neuer Entwicklungen innerhalb einer sehr kurzen Zeitspanne in dem Begriff „Globalisierung“ zusammengefasst. Dieser Ausdruck ist in den letzten Jahren fester Bestandteil der Diskussionen über Politik und Wirtschaft geworden. Und wie bei solchen Schlagwör- tern häufig der Fall ist, werden den damit beschriebenen Themen unterschiedliche Bedeutungen beigemessen. Die Auswirkungen von Globalisierungsprozessen auf die soziale Sicherheit werden oft in drei ineinander greifenden Entwicklungen gesehen.1 Erstens beschränken die Internationalisierung der Kapi- talmärkte, die vermehrte Mobilität des Kapitals und die Integration der Wirtschaft die Steuereinnahmen der nationalen Regierungen und verringern somit ihren sozialpolitischen Handlungsspielraum. Zweitens kam es zu...

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