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Tier im Text

Exemplarität und Allegorizität literarischer Lebewesen

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Hans Jürgen Scheuer and Ulrike Vedder

Ob Tiere als Begleiter des Menschen oder als seine Gegenspieler die Literatur bevölkern, ob sie als Exempel, Symbole oder Allegorien eingesetzt werden, ob sie sprachlos oder sprechend leiden und agieren, ob sie gänzlich unabhängig in eigenen Lebens- und Zeichenwelten situiert werden oder als monströse und phantastische Kompositwesen selbst solche verkörpern. In literarischen Texten sind Tiere stets mehr und anderes als nur stumme Elemente einer realen oder fiktiven Welt.
Die Vielfalt der Funktionen des «Topos Tier» steht im Zentrum dieses Bandes, dessen Textcorpus von mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Literatur bis ins 21. Jahrhundert reicht und dessen Beiträge der Faszination literarischer Lebewesen aus verschiedenen Blickwinkeln – gattungs- und wissensgeschichtlich, psycho- und diskurshistorisch, gendertheoretisch und poetologisch – nachgehen.
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Fremde Tiere: Begegnungen im Reisebericht

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ULRIKE STAMM

Fremde Tiere

Begegnungen im Reisebericht

Die Begegnung mit Tieren ist häufig Teil der Reiseerfahrung und dementsprechend ein wiederkehrendes Thema von Reiseberichten. Selbst wenn Tiere nur beiläufig erwähnt werden und eher als Kulisse der Reise interessieren, gehören sie doch zu jenem Inventar, aus dem sich die Alterität der fremden Welt bildet. Manche stehen geradezu paradigmatisch für die Fremde. Man denke nur an das Kamel, das auf den Orient verweist, an das Känguru, das Australien symbolisiert, den Bären, der für die nördlichen Weiten Amerikas oder Kanadas steht, oder den Affen, der Afrika impliziert.1 Tiere spielen insofern nicht nur eine große Rolle für die Repräsentation der fremden Welt, sondern ihre Evokation dient zugleich der Demarkation von eigenem und fremdem Land, vertrauter und unbekannter Natur wie Kultur.

Dies bedeutet auch, dass die dargestellten Tiere in ihrer Position zwischen Natur und Kultur changieren, gehören sie doch einerseits als animalische Wesen dem natürlichen Bereich an, verweisen aber andererseits auf die fremde Welt und verbleiben damit im Bannkreis der anderen Kultur.2 Diese Zwischenstellung ist ein Spezifikum der in Reiseberichten auftretenden Tiere.

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