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Psychologie der Lebendorganspende

Eine qualitative Studie zu Spendemotivationen, Spendeimperativ und der Relevanz von Geschlecht im Vorfeld einer Lebendorganspende

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Merve Winter

Das vorliegende Buch untersucht die psychische Situation von OrganspenderInnen und -empfängerInnen vor einer Lebendnierentransplantation. Ausgangspunkt für diese empirische Studie war der in den vergangenen Jahren häufig diskutierte Geschlechterunterschied in der Lebendorganspende, wonach Frauen häufiger zum Spenden bereit sind als Männer. Daher wurden Spendemotivationen und Entscheidungsprozesse im Hinblick auf eine Geschlechtsspezifik in den Blick genommen. Zentrales Ergebnis ist die Existenz eines so genannten «Imperativs zur Spende», der zwar für alle Angehörigen gilt, der aber in einer geschlechtsspezifischen Weise wirksam wird. Frauen vernehmen die «Anrufungen zur Spende» in anderer Weise als Männer und kommen diesen Anrufungen an sie häufig zuvor, während Männer vermehrt dann zu spenden scheinen, wenn außer ihnen niemand anderes in Frage kommt. Welche Herausforderung, Zumutung, aber auch Chance diese spezielle Situation im Vorfeld einer Lebendorganspende darstellt und wie sie psychisch verarbeitet wird, davon handelt dieses Buch.
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7. Diskussion

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7.Diskussion

Die vorliegende Arbeit untersuchte die psychische Situation von potentiellen LebendnierenspenderInnen und -empfängerInnen kurz vor der Transplantation. Ein Fokus lag dabei auf den Spendemotivationen der potentiellen OrganspenderInnen sowie den Entscheidungsprozessen, die die SpenderInnen – in einigen Fällen auch die EmpfängerInnen – durchlaufen. Außerdem interessierte die Frage, welchen Stellenwert Geschlecht beziehungsweise eine bestimmte Geschlechtsrolle oder Identitätsposition im Spendeprozess einnimmt. In einem umfangreichen empirischen Teil gelangten die einzelnen Interviews im Hinblick auf die Forschungsfragen in den Mittelpunkt der Untersuchung und zwar sowohl bezüglich der vorgenommenen Selbst- und Fremdpositionierungen als auch bezüglich der Wunsch- und Katastrophenimaginationen. Die Einzelfälle wurden deshalb ausführlicher vorgestellt, weil in einem reinen Quervergleich die Spezifik des jeweiligen Falles zwangsläufig verloren gegangen wäre, die Dynamiken und die jeweiligen Konstellationen aber zu interessant erschienen, um sie zu übergehen. Für die vorliegende Veröffentlichung wurde eine gekürzte Version des 4. Kapitels verfasst, welches hauptsächlich die Selbstpositionierungen der SpenderInnen und EmpfängerInnen in den Blick nimmt. Die Typenbildung und schließlich die psychoanalytische Betrachtung von Wunsch- und Angstphantasien im Rahmen einer Lebendnierenspende wurden im 5. und 6. Kapitel vorgenommen.

Das siebte Kapitel nun fasst die wichtigsten Ergebnisse der vorliegenden Studie noch einmal zusammen und versucht eine Synthese. Zu erläutern ist, wieso sich der Fokus der ursprünglichen Forschungsfrage im Laufe der Forschungsarbeiten ein Stück weit verschoben hat, welche neuen Erkenntnisse die Arbeit aufzeigen konnte und wo ggf. noch weiterer Forschungsbedarf besteht. Dafür bietet es...

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