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Legitimationsmechanismen des Biographischen

Kontexte – Akteure – Techniken – Grenzen

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Edited By Christian Klein and Falko Schnicke

Warum und unter welchen Umständen werden Biographien als sinnhafte und überzeugende Darstellungen anderer Leben anerkannt? Diese Frage nach der Legitimität adressiert ein Kernproblem der Biographik, das ungeachtet seiner fundamentalen Bedeutung bislang in der Biographieforschung nur am Rande reflektiert wurde. Welche Beglaubigungsstrategien werden wann und von wem in welchen Kontexten als gültig akzeptiert? Wer gilt als legitime Biographin, wer als legitimer Biograph und wessen Lebensgeschichte als angemessener Stoff für eine Biographie? Mithilfe welcher Techniken evozieren Biographinnen und Biographen die Glaubwürdigkeit ihrer Darstellung? Der vorliegende Band diskutiert diese und ähnliche Fragen im Rahmen ganz unterschiedlicher Fallstudien und nimmt damit erstmals die Legitimationsmechanismen des Biographischen in den Blick, ihre historischen und kulturellen Kontexte, die Akteure, die Techniken der Legitimation und ihre Grenzen. Er präsentiert die Ergebnisse der internationalen Tagung «Legitimationsmechanismen des Biographischen», die im September 2012 an der Universität Wuppertal stattfand.
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Fragmentierung und Nekromantie. Strategien und Mechanismen der Legitimation biographischer Darstellung um 1800

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Daniel Ehrmann

Biographien gehören, so Rüdiger Zymner, keiner „in normativen Poetiken definierte[n] Gattung“ an, weshalb auch „ihre Gattungsgestalt […] anhaltend schwankend [bleibt]“.1 Die damit einhergehende Erweiterung des generischen Freiheitsraums ist indes eine nur scheinbare, wirft sie doch die Biographie wiederum auf eine wesentliche Frage zurück, die in dem durch ihre Veröffentlichung hergestellten kommunikativen Kontext stets neu gestellt wird: Wie kann ein Text sich als biographischer zu erkennen geben, und zwar auf eine Art und Weise, die auch seinen Leser davon überzeugt, ihn als solchen anzuerkennen? Anders gefragt: Was macht innerhalb dieses brüchigen Gattungsrahmens eine Biographie überhaupt zur Biographie? Man könnte im Anschluss an Philippe ← 57 | 58 → Lejeunes Konzept des ‚autobiographischen Pakts‘2 davon ausgehen, dass auch Biographien nicht in erster Linie durch die Einhaltung bestimmter normativer Gattungsvorgaben gewissermaßen objektiv entstehen, sondern dass sie vor allem das Produkt eines von ihnen und der Person ihres Autors selbst in Gang gesetzten, historisch wie kontextuell differierenden Lektüremodus sind. Die Vermutung ist dabei, dass Biographien sich im Unterschied zu Autobiographien nicht allein über die persönlich verbürgte Authentizität des Erzählten legitimieren können, sondern darüber hinaus versuchen müssen, durch Rückgriffe auf bestimmte Texttraditionen sowie durch narrative und paratextuelle Strategien Einfluss darauf zu nehmen, wie sie von ihren Zeitgenossen wahrgenommen werden. Denn diesen bleibt es letztlich vorbehalten, ob sie einen Text als legitime Lebensbeschreibung anerkennen oder ihn aufgrund von Verstößen gegen die von ihnen erhobenen,...

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