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Philologia sanat

Studien für Hans-Albrecht Koch zum 70. Geburtstag

Edited By Gabriella Rovagnati and Peter Sprengel

Medizin und Literatur stehen in einem so wechselvollen wie spannenden Dialog, der in zahlreichen Studien des dem Philologen und Bibliothekar Hans-Albrecht Koch gewidmeten Bandes beleuchtet wird – von der altgriechischen Komödie über das Volksbuch von Till Eulenspiegel zur Volksmedizin und Erfahrungsseelenkunde der Aufklärung und weiter über Klassik und Romantik bis hin zu Autoren und Diskursen des 20./21. Jahrhunderts. Andere Essays umspielen den roten Faden mit Seitenblicken auf Fellinis Antike-Rezeption, mittelalterliche Buchkunst und Sakralskulptur, Beethovens «Fidelio», Chamissos Langzeitwirkung und einen vergessenen Züricher Zeichner. Die Linie setzt sich fort mit neuem Material zum «Netzwerker» Rudolf Alexander Schröder und Einblicken in die aktuelle Architektur und Hochschulpolitik.

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Till Eulenspiegel als Arzt oder: Ein Mediziner als Mitautor des Eulenspiegelbuchs? (Bernd Ulrich Hucker)

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Bernd Ulrich Hucker

Till Eulenspiegel als Arzt oder: Ein Mediziner als Mitautor des Eulenspiegelbuchs?

Der Schalksnarr Till Eulenspiegel (†1350) ist dafür bekannt, dass er vorwiegend Handwerksmeistern Streiche spielte. Indes würde es so gar nicht zu den neuerdings erkannten humanistischen Ursprüngen des Buches von Thyl Vlenspiegel1 passen, käme der medizinische Bereich in einer literarischen Satire solch hohen Ranges nicht vor; arbeiteten zahlreiche Humanisten doch aus Gründen des Broterwerbs als Ärzte; und nicht wenige hatten auch Medizin studiert.2 Diese Nähe ← 85 | 86 → wird auch an einem bibliophilen Unikat deutlich: Der neuaufgefundene Augsburger Eulenspiegeldruck von 1540 ist mit drei medizinischen Schriften aus dem Besitz eines Humanisten zusammengebunden.3

1.    Das Eulenspiegelbuch

Der grandiose Entwurf des Eulenspiegelbuches besteht darin, die Gesellschaft der vorreformatorischen Zeit insgesamt satirisch aufs Korn zu nehmen, und nicht nur Segmente, wie heute das Kabarett die Politik. Deshalb reicht die große Zahl der Gefoppten, die das Werk des unbekannten Autors (bzw. der Autoren) Revue passieren läßt, von Papst und Kaiser über Fürsten, Professoren, Ratsherren und Zunftmeistern bis hin zu Bauern, Priestern, Mönchen und Landfahrern. Ärzte und Heilkundige fehlen – eigentümlich genug – in dieser Galerie. Nur der Ratsapotheker zu Mölln wird ganz am Schluß des Buches mit Kot – Eulenspiegels hauptsächlichstem Produkt – bedacht (H. 90). Am Rande sei erwähnt, dass der Held des Buches etwas gegen Apotheker hat; er „segnete sich alle Morgen vor gesunder Speise“, denn

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