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Philologia sanat

Studien für Hans-Albrecht Koch zum 70. Geburtstag

Gabriella Rovagnati and Peter Sprengel

Medizin und Literatur stehen in einem so wechselvollen wie spannenden Dialog, der in zahlreichen Studien des dem Philologen und Bibliothekar Hans-Albrecht Koch gewidmeten Bandes beleuchtet wird – von der altgriechischen Komödie über das Volksbuch von Till Eulenspiegel zur Volksmedizin und Erfahrungsseelenkunde der Aufklärung und weiter über Klassik und Romantik bis hin zu Autoren und Diskursen des 20./21. Jahrhunderts. Andere Essays umspielen den roten Faden mit Seitenblicken auf Fellinis Antike-Rezeption, mittelalterliche Buchkunst und Sakralskulptur, Beethovens «Fidelio», Chamissos Langzeitwirkung und einen vergessenen Züricher Zeichner. Die Linie setzt sich fort mit neuem Material zum «Netzwerker» Rudolf Alexander Schröder und Einblicken in die aktuelle Architektur und Hochschulpolitik.

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Das ausgesprochen Nichtssagende und das unausgesprochen Vielsagende. Notizen zur Paradoxie des Expliziten, auch auf dem Gebiet der Erfahrungsseelenkunde (Klaus Becker)

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Klaus Becker

Das ausgesprochen Nichtssagende und das unausgesprochen Vielsagende. Notizen zur Paradoxie des Expliziten, auch auf dem Gebiet der Erfahrungsseelenkunde

1.

Dem Versuch, etwas über das Nichtssagende von Ausgesprochenem aufzuschreiben, stellen sich mancherlei Fragen und Zweifel entgegen. Ist nicht auch das schriftlich Ausgesprochene in jeder seiner Perioden vom Risiko der leeren Phrase bedroht? Könnten nicht schon kurze Hinweise auf das, was eben noch in einer beliebigen Nachrichtensendung zu hören war, zum Nichtssagenden mehr als genug andeuten? – ganz zu schweigen von den Verlautbarungen all der Pressesprecher, die mit geschmeidigen Formulierungskünsten ihre Aufträge auf Rechnung von kommerziellen, politischen oder kulturellen Instituten erledigen. Man möchte meinen, dass hierzu kaum etwas Treffenderes zu sagen ist als die wenigen Worte, mit denen Matthias Claudius derlei eitle und arme Künste in seinem „Abendlied“ besang – und uns zudem den Trost brachte, ob solcher Künste traurig sein zu können.

Doch wer wollte das Ausgesprochene an sich schmähen? Wer würde sich nicht wünschen, dass in Ausgesprochenem hier und dort auch ungekünstelte Kunst sich zeigt? Und wer möchte darauf verzichten, dass ausgesprochen Vielsagendes für anregendes Gespräch und ansprechende Lektüre sorgt, dass es zutreffende und angemessene Benennungen von Wirklichem hervorbringt? Ausgesprochenes vermag recht viel zu sagen, dann dient es der Orientierung. Dagegen ist Ausgesprochenes, in dem sich das Nichtssagen wortreich verbirgt, ein Instrument der Desorientierung, oft wirkungsvoller als das Schweigen, das zwar auch keine Fragen beantwortet, aber...

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