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Philologia sanat

Studien für Hans-Albrecht Koch zum 70. Geburtstag

Edited By Gabriella Rovagnati and Peter Sprengel

Medizin und Literatur stehen in einem so wechselvollen wie spannenden Dialog, der in zahlreichen Studien des dem Philologen und Bibliothekar Hans-Albrecht Koch gewidmeten Bandes beleuchtet wird – von der altgriechischen Komödie über das Volksbuch von Till Eulenspiegel zur Volksmedizin und Erfahrungsseelenkunde der Aufklärung und weiter über Klassik und Romantik bis hin zu Autoren und Diskursen des 20./21. Jahrhunderts. Andere Essays umspielen den roten Faden mit Seitenblicken auf Fellinis Antike-Rezeption, mittelalterliche Buchkunst und Sakralskulptur, Beethovens «Fidelio», Chamissos Langzeitwirkung und einen vergessenen Züricher Zeichner. Die Linie setzt sich fort mit neuem Material zum «Netzwerker» Rudolf Alexander Schröder und Einblicken in die aktuelle Architektur und Hochschulpolitik.

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Über das Genesen. Versuch über ein molto adagio und sein hölderlinsches Umfeld (Rüdiger Görner)

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Rüdiger Görner

Über das Genesen. Versuch über ein molto adagio und sein hölderlinsches Umfeld

„Jede Kranckheit ist ein musicalisches Problem – die Heilung eine musicalische Auflösung“, notiert Novalis.1 Unschwer ließe sich mit diesem aphoristischen Notat der dritte Satz von Beethovens Streichquartett in a-moll op. 132 überschreiben, stünde da nicht schon „Heiliger Danksgesang eines Genesenden an die Gottheit, in der lydischen Tonart.“ Adorno, der bemerkt hat, dass sich Beethovens Spätwerk jeglicher Bildlichkeit verweigerte oder zumindest entzog, nannte diese Musik treffend ein „innerweltliche[s] Gebet“, und ihre Rhetorik die „Säkularisierung der christlich-liturgischen“.2 Beethoven setzte seinen „Danksgesang“ in lydischer Tonart, wobei damit weniger an ihre antike Entsprechung zu denken ist als vielmehr an den nach Guido von Arezzo als fünften der acht Kirchentöne bezeichneten tritus autenticus.

Den Bildschlüssel für die symbolische Bedeutung der mittelalterlichen Kirchentonarten liefern die Säulenkapitelle von Cluny.3 Der fünfte lydische Kirchenton, er gehört zur dritten Kirchentonart, dem Tritus, schreibt das zweite Kapitell demütige Freude und Hoffnung zu. Der sie charakterisierende Hexameter lautet: „Ostendit quintus quam sit quisquis tumet imus.“ [Der Fünfte zeigt, wie derjenige sich erniedrigt, der sich erhöht.] Wortspielerisch bezieht sich dieser ← 237 | 238 → Vers auf den erniedrigten Ton b molle und den erhöhten Ton b durum. Am darüber liegenden, fünften Ton c erkennt man die Erniedrigung beziehungsweise Erhöhung des Tones b. Das wiederum spielt auf die Maxime an: „Denn wer...

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