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Das Lügenproblem bei Kant

Eine praktische Anwendung der Kantischen Ethik auf die Frage nach der moralischen Bedeutung von Falschaussagen

Yasutaka Akimoto

Dieses Buch prüft die allgemeine Forschungsmeinung, dass Kant ein Vertreter des absoluten Lügenverbots sei. Dabei verteidigt der Königsberger Philosoph aber ebenso den Standpunkt, dass die Moralität einer Handlung von der Maxime des Willens abhängt. Wenn Kant nun gleichzeitig behaupten würde, dass bestimmte Handlungen in jedem Fall verboten sind, würde er sich widersprechen. Indem das Buch die begriffliche Unterscheidung von «Lügen» als pflichtwidrige Falschaussagen und «Unwahrheiten» als nicht pflichtwidrige Falschaussagen trifft, bietet es für dieses Paradox der Kant-Forschung als erste Monografie zum Lügenproblem einen Lösungsansatz. So wird man mit Kant sogar sagen können: «Manchmal musst du die Unwahrheit sagen.»

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9. Kant und die Wahrhaftigkeit

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9.  Kant und die Wahrhaftigkeit

In diesem Kapitel soll Kants persönliche Beziehung zum Lügenproblem untersucht werden, d. h. dessen Bedeutung für sein Leben. Wie handelt er selbst in Situationen, die das Lügenproblem betreffen? Warum hat es einen so hohen Stellenwert für ihn und aus welchem Grund ist es auch heute noch sinnvoll, sich mit Kants Standpunkt zum Lügenproblem auseinanderzusetzen?

9.1  Als Kant die Unwahrheit äußerte

Wie bereits dargelegt, billigt Kant das Recht zur Unwahrheit, ja er äußert sie sogar selbst, wie an verschiedenen Stellen belegt ist.

Berühmt geworden ist etwa ein politischer Skandal, in den Kant ab 1792 verwickelt ist: ein Religionsstreit mit Preußens König Friedrich Wilhelm II. Nach dem Tod von dessen Onkel Friedrich II. (Friedrich der Große) besteigt dieser den Thron der preußischen Monarchie und erlässt am 9. Juli 1788 das Wöllnersche Religionsedikt, das eine kritische Auseinandersetzung mit der christlichen Religion nahezu unmöglich macht.665

Die Anweisungen und Regelungen dieses Erlasses haben auch Auswirkungen auf Kant. Das erste Stück der Religionsschrift wird 1792 in der Berlinischen Monatschrift abgedruckt. Zwei Monate später jedoch weist die königliche Examinations-Commission das zweite Stück wegen Verstoßes gegen die christliche Lehre ab.

Dennoch wird die Religionsschrift 1793 publiziert und enthält alle vier von Kant verfassten Stücke. Um die Zensur der Regierung zu umgehen, schickt er sie...

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