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«Futura contingentia, necessitas per accidens» und Prädestination in Byzanz und in der Scholastik

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Stamatios Gerogiorgakis

Die Studie stellt einen direkten Vergleich zwischen der Scholastik und der byzantinischen Philosophie und Theologie dar. Sie stellt Lehren der Philosophie und Theologie des Hoch- und Spätmittelalters einander gegenüber und bespricht diese in kritischer, jedenfalls nicht in doxographischer Hinsicht.

Die Zeitlogik hat ihren Ursprung in der Antike. In der Spätantike und insbesondere im Mittelalter erlangten ihre Resultate auch eine theologische und politische Brisanz. Das Studium der Semantik von Sätzen über Zukunftsereignisse, die eintreten oder auch ausbleiben können, sowie das Studium der Semantik von Sätzen über Vergangenheitsereignisse lehren uns Einiges über Zukunftserwartungen. Zusätzlich ist der Vergleich lateinischer und griechischer mittelalterlicher Quellen zur Zeitlogik bezeichnend für die Reichweite der philosophischen Reflektion in der mittelalterlichen Weltanschauung.

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7. Schlussfolgerungen aus den Lehren über die Vergangenheit

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Obwohl nicht explizit, scheinen die meisten byzantinischen Theologen davon auszugegangen zu sein, dass Gottes Macht sich über die Vergangenheit erstreckt. Die Lehre der Aufhebung der Sünde („ἁμαρτιῶν ἀναίρεσις“) ist für diese implizite These bezeichnend.

Wie eine Übersetzung des griechischen Ausdrucks „ἁμαρτιῶν ἀναίρεσις“ klingt der nicht selten in lateinischen Quellen anzutreffende Ausdruck „peccatorum infectio“. Der jeweilige Kontext, in dem der griechische und der lateinische Ausdruck vorkommen, zeugt allerdings davon, dass der Unterschied zwischen den Bedeutungen beider Ausdrücke in Wirklichkeit sehr groß ist. Während im griechischen Ausdruck das Wort: „ἁμαρτιῶν“ ein genitivus objectivus ist, ist das Wort: „peccatorum“ im lateinischen Ausdruck ein genitivus subjectivus. Mit dem griechischen Ausdruck ist mit anderen Worten gemeint, dass die Sünden aufgehoben werden, mit dem lateinischen Ausdruck ist jedoch gemeint, dass die Sünden etwas anderes (die Liebe, das Leben usw.) aufheben.

Die Aufhebung der Sünden und die dieser zugrunde liegende Reversibilität der Vergangenheit werfen ein paar Fragen auf, die mit der Logik zusammenhängen. Wie ist es z.B. möglich, dass Gott einerseits unfehlbar ist, andererseits aber Petrus sündigen lässt und diese Sünde zum Schluss nachträglich doch noch aus der Vergangenheit streicht? Diese von der byzantinischen Theologie bevorzugte Lehre verstößt gegen den Widerspruchssatz und zwar gleich aus mehreren Gründen. Die logischen Paradoxien, die aus dieser resultieren, wurden in Byzanz nicht diskutiert. Die byzantinischen Philosophen waren allerdings generell tolerant gegenüber logischen Paradoxien. Es gibt logische Paradoxien, die sich aus Gottes Verweilen in...

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