Show Less
Restricted access

Raumbegehren

Zum Flaneur bei W.G. Sebald und Walter Benjamin

Series:

Eva Riedl

Trotz der Aufmerksamkeit, die den gehenden Protagonisten im Prosawerk W.G. Sebalds in der theoretischen Beschäftigung zugekommen ist, hat die Forschung diese bislang nur selten unter der Perspektive «Flaneur» untersucht. Die Autorin widmet sich Sebalds sorgsamen Inszenierungen dieser Fußreisen und verfolgt sie kritisch vor W.G. Sebalds Benjamin-Lektüre. Sie zeigt, dass die als widersprüchlich aufgefasste Aneignung der Figur durch Walter Benjamin eine Chance ist, das Zugleich von intensiven, im Übergang befindlichen und zerstörerischen Formen der Flanerie in Sebalds Texten aufzuzeigen. Der Flaneur ist ein auffälliger Körper: Wie dessen epiphanische, intensive und vernichtende Gesten in Sebalds theoretisches und literarisches Schreiben eingehen, verfolgt dieses Buch.

Show Summary Details
Restricted access

V. Intensitäten

Extract

← 264 | 265 →

V.  Intensitäten

Wie bereits in den Bemerkungen über die Zuwendung zur Flanerie und ihre Anbindung an die nach dem spatial, topographical bzw. topological turn anschwellende Beschäftigung mit Raum angedeutet, sind aus diesem breiten Diskurs einige theoretische Kartierungen und Konzepte hervorgegangen, die ihrerseits für die Entzifferung des Phänomen der Flanerie in der Gegenwart bedeutend werden. Zudem erlauben diese die Rückbindung an Benjamins Schriften, die außerhalb seiner stark kritisierten Flaneurskonstruktionen der Baudelaire-Schriften stehen und ermöglichen die Figur des Flaneurs aus eingeschliffenen Kontexten zu lösen.

Den Anfang, koinzident mit Benjamins frühen Schriften, macht ein Denken um Intensität, das, im Verbund mit Immersion und Materialität, sich dringend im Forschungsbegehren anmeldet hat, wie es zuletzt der Sammelband Vor der Theorie vorlegt. Intensität, Epiphanie, Präsenz und Schmerz als Figuren des „Defigurierte[n], Bild- und Formlose[n]“ entziehen sich nicht nur Diskursivität und Theorie, sie leisten regelrecht Widerstand, wie Theorie angesichts des ‚monströsen‘ Begehrens vor Theorie denken zu wollen, zurückschrecken muss. Entgegen einer „Selbstimmunisierung der Theorie“, formuliert die Einleitung Begehren:

Das Undenkbare und Unbeobachtbare, das Unsagbare und Inkommunikable, das Bild- und Formlose sind als vor- und atheoretische Momente monströs, weil sie unverfügbar und undarstellbar sind. Es sind defigurierte atopische Momente ohne Körper, ohne Raum, und es stellt sich die Frage, ob und wie eine ‚Versinnlichung eines Unsinnlichen‘ denkbar ist. Kann es ein ‚Bild des Bildlosen geben‘? ‚[D]enn...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.