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Transcultural Approaches to the Concept of Imperial Rule in the Middle Ages

Edited By Christian Scholl, Torben R. Gebhardt and Jan Clauß

During the Middle Ages, rulers from different regions aspired to an idea of imperial hegemony. On the other hand, there were rulers who deliberately refused to be «emperors», although their reign showed characteristics of imperial rule. The contributions in this volume ask for the reasons why some rulers such as Charlemagne strove for imperial titles, whereas others voluntarily shrank from them. They also look at the characteristics of and rituals connected to imperial rule as well as to the way Medieval empires saw themselves. Thus, the authors in this volume adopt a transcultural perspective, covering Western, Eastern, Northern and Southern Europe, Byzantium and the Middle East. Furthermore, they go beyond the borders of Christianity by including various caliphates and Islamic «hegemonic» rulers like Saladin.

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Von verlorenen Hufeisen und brennenden Nüssen – Über Konflikte im Rahmen des „diplomatischen“ Zeremoniells des byzantinischen Kaiserhofes (Tobias Hoffmann)

Tobias Hoffmann (Münster)

Von verlorenen Hufeisen und brennenden Nüssen – Über Konflikte im Rahmen des „diplomatischen“ Zeremoniells des byzantinischen Kaiserhofes*

„Für den Lateiner war es sichtlich schwer, die Byzantiner nicht der Arroganz zu bezichtigen, taten diese doch alles, um als die Ersten der Welt aufzutreten.“1 So lautet das Urteil des Byzantinisten Peter Schreiner, dem man auch zahlreiche Stellungnahmen byzantinischer Autoren zur Seite stellen könnte, die die „westliche“ Absage an die byzantinische Auffassung ihrerseits als Ausdruck von Arroganz deuteten, als ein hochmütiges Streben nach etwas, das ihnen nicht zustand.2 Ausdruck fand diese „Arroganz“ der Byzantiner nicht zuletzt in dem Zeremoniell, das anlässlich des Besuches auswärtiger←221 | 222→ Gäste Anwendung fand.3 Es handelte sich um ein ausgesprochen politisches Ereignis, bei welchem Vorstellungen in sinnhaft erlebbare Formen transformiert wurden, um eines der wichtigsten Medien kaiserlicher Repräsentation. Das Hofzeremoniell machte das Selbstverständnis des byzantinischen Reiches und ihres Kaisers sinnlich wahrnehmbar, zugleich traf es Aussagen über die Wahrnehmung des Fremden bzw. machte das Verhältnis des Kaisers zum Besucher oder dessen Auftraggeber auf vielfältige symbolische Weise öffentlich. Hier bestand ein erhebliches Konfliktpotential, das zu zahlreichen Auseinandersetzungen führte, v. a. dann, wenn die Differenz zwischen Selbst- und Fremdverständnis als Diskrepanz empfunden wurde. Viele der überlieferten Konflikte, die häufig als Symptome eines angeblichen Unverständnisses des byzantinischen Zeremoniells oder gar byzantinischer Kultur gedeutet worden sind, lassen sich auf diese problembehaftete, zur Wahrnehmung gebrachte Differenz zwischen Selbst- und Fremdverständnis zurückführen.4←222 | 223→

Im Folgenden möchte ich anhand einiger ausgewählter Quellen des Früh- und Hochmittelalters „westlicher“ Provenienz einige typische Konflikte herausarbeiten, die das byzantinische Hofzeremoniell als ein Medium kaiserlicher Repräsentation bei Besuchen auswärtiger „diplomatischer“ Gäste mit sich brachte. Dabei soll im Speziellen der Frage nachgegangen werden, welche spezifischen Sequenzen des Zeremoniells aus welchen Gründen zu Auseinandersetzungen führten, und wie diese (literarisch) bewältigt wurden.

Beginnen möchte ich mit einer Sammlung von Anekdoten, die bis ins späte Mittelalter hinein über einen Aufenthalt des Normannenherzogs Robert I. in Konstantinopel kursierte.5 Sie erscheint unter anderem im „Roman de Rou“ des Dichters Wace, einer Quelle, welche im ausklingenden 12. Jahrhundert die Geschichte der normannischen Herrscher von Rollo bis ins Jahr 1171 erzählt. Es wird angenommen, dass Heinrich II. von England dieses Werk in Auftrag gab oder es zumindest inspirierte. Es handelt sich um eine Schrift, die in einem höfischen Umfeld gelesen und vorgetragen werden sollte, was für das Folgende nicht unwichtig sein wird.6

Bereits bei seiner Ankunft in Konstantinopel, so beginnt der Dichter Wace, habe der Normannenherzog Eindruck zu schinden versucht, indem er seinem Reittier goldene Hufeisen anbringen ließ und seinen Männern befahl, die Hufeisen nicht aufzuheben, wenn sie abfielen, was Wace offenkundig voraussetzt. Die Quintessenz dieser Anekdote lässt der Autor unausgesprochen. Sie ist allzu offensichtlich: Der Herzog wollte auf diese Weise demonstrieren, wie vermögend er war, so vermögend, dass er es sich leisten konnte, goldene Hufeisen einfach liegen zu lassen.7 Die Anekdote nimmt←223 | 224→ offenkundig Bezug auf eine Sequenz des Zeremoniells beim Empfang hoher auswärtiger Gäste: das feierliche Einreiten durch das Goldene Tor. Es war das erste Ereignis, das Besucher mit dem außergewöhnlichen Reichtum des Kaisers konfrontierte und beeindrucken sollte.8 Robert gelang es mithin in der Darstellung des Dichters die beabsichtigte Wirkung des Zeremoniells umzukehren. Der Herzog täuscht einen Reichtum vor, der nicht gegeben ist, was durch den Befehl, die Hufeisen liegen zu lassen, deutlich wird.

Wace gibt noch weitere Ereignisse wieder, die sich dem Empfang durch den Kaiser anschlossen. Als der Kaiser Robert zu Gesprächen in seinen Palast lud, wurden ihm und seinen Männern keine Sitzplätze zugewiesen. Dies widerspricht nicht dem in Konstantinopel üblichen Zeremoniell. Es war nicht unüblich, dass auswärtigen Besuchern bei der Audienz kein Sitzplatz zugewiesen wurde. Zwar war man am byzantinischen Kaiserhof grundsätzlich zu Konzessionen fähig und bereit, wenn die politische Konstellation dies opportun erscheinen ließ. Jedoch blieb der Anspruch des Vorranges des byzantinischen Kaisers stets wahrnehmbar. So musste selbst der französische König Ludwig VIII. bei einem Besuch der Hauptstadt des Kaiserreiches mit einem niedrigeren Hocker vorliebnehmen, während sein Gastgeber auf seinem Thron saß, um nur ein Beispiel zu nennen.9 Eine Differenz musste sichtbar bleiben.

In der Wahrnehmung Roberts war dessen ungeachtet das Verbot des Sitzens problematisch, denn es gab ein Verhältnis symbolisch wieder, das aus seiner Perspektive herabwürdigend wirkte. Wace zufolge meisterten der Herzog und seine Männer dieses Problem, indem sie sich selbst Sitzmöglichkeiten schufen: Sie nahmen auf ihren Mänteln Platz. Als sie sich erhoben,←224 | 225→ ließen sie ihre Mäntel liegen und als man sie darauf ansprach, warum sie diese nicht aufhöben, reagierte der Herzog schlagfertig: „Ich pflege meinen Sitz nicht mit mir zu tragen.“10 Im Anschluss daran machte Robert seinen Männern noch wertvollere Mäntel zum Geschenk, so Wace, der damit die Tugend der Freigebigkeit des Normannenherzogs hervorhebt.11 Genüsslich führt Wace die Reaktion des Kaisers aus, bewies diese doch, welchen Eindruck die urbane Wendigkeit des Normannen machte. Er habe den Kaiser so sehr beeindruckt, dass dieser die Sitte der Normannen in das Hofzeremoniell inkorporierte: „Aufgrund der Vornehmheit der Normannen, die aus ihren Mänteln Bänke herstellten, ließ der Kaiser überall in seinem Palast Bänke und Sitze aufstellen; zuvor saß jeder, der im Palast sitzen wollte, auf dem Boden.“12 Man könnte an dieser Stelle die Frage aufwerfen, ob Wace an dieser Stelle Staunen, Gelächter oder vielleicht beides hervorzurufen beabsichtigte. Ein größeres Lob für Robert als dieser erdichtete Kulturtransfer lässt sich jedenfalls kaum artikulieren.

Konfliktpotentiale hielt ebenfalls das Zeremoniell des Schenkens bereit, achtete man am byzantinischen Kaiserhof doch darauf, die Vorrangstellung des Kaisers auch bei diesem Zeremoniell demonstrativ zum Ausdruck zu bringen. Dem byzantinischen Selbstverständnis entsprechend, hebt Treitinger hervor, betrachtete man Geschenke auswärtiger Gäste am Konstantinopolitaner Hof theoretisch nicht als Geschenke, sondern als Tribute, Geschenke des Kaisers dagegen als Gnadenerweise, die ganz dem Belieben des Kaisers oblagen.13 Dies war freilich eine Verzerrung der „Wirklichkeit“ – auch der Kaiser musste schenken –, doch es war eine Vorstellung,←225 | 226→ die auf das Schenkungszeremoniell einwirkte. Dieses sorgte nicht nur dafür, dass sich der Kaiser durch die Qualität der Geschenke als höherrangig auszeichnete, sondern verpflichtete sogar die Gäste, um die Übergabe eines Geschenkes zu bitten, was ein stark hierarchisches Verhältnis zum Ausdruck brachte. Dass dies für auswärtige Besucher problematisch sein konnte, offenbaren zahlreiche Konflikte, die im Kontext des Geschenkaustauschs überliefert sind. Dieser problematische Charakter von Geschenken gibt sich auch im „Roman de Rou“ zu erkennen.

Als der Kaiser befahl, dem Gast eine große Summe Geldes zur Verfügung zu stellen, „um ihn zu ehren“, lehnte der Herzog dies ab. Die Annahme des Geldes hätte signalisiert, dass Robert dessen bedurfte, weshalb er das Geschenk nicht annehmen wollte. Die versuchte „Ehrung“ wäre in Roberts Sicht einer Ehrverletzung gleichgekommen. Er erwiderte daher, er habe genügend Geld, das er ausgeben könne. Während seiner Pilgerreise wolle er lediglich sein eigenes Geld ausgeben, doch wenn er auf seiner Heimreise wieder Station in Konstantinopel machte, wäre er bereit, Vorräte und andere Dinge anzunehmen.14 Robert umschiffte also klug eine weitere Klippe.

Den Abschluss der Anekdotensammlung bildet eine weitere Anekdote, die wohl abermals auf eine im lateinischen Westen als herabwürdigend betrachtete Praxis des „diplomatischen“ Protokolls zurückzuführen ist, nämlich auf die Einschränkung der Bewegungsfreiheit auswärtiger Gäste. Sie sollte offenkundig in erster Linie dem Schutz der Gäste dienen, aber zugleich auch Spionage vorbeugen.15 In „westlichen“ Quellen wird diese←226 | 227→ Praxis mehrfach moniert.16 Die Assoziation eines Gefängnisses drängte sich auf. Liudprand von Cremona ging sogar so weit, seinen Aufenthalt in dem „wasserlose[n], offene[n] Haus“, in dem er als Gesandter Ottos des Großen untergebracht war, mit Worten zu beschreiben, die ihn in die Nähe eines Märtyrers rückten.17

Diese Abschottung auswärtiger Gäste wird ebenfalls im „Roman de Rou“ thematisiert. Wace führt aus, dass Robert verboten worden sei, in der Stadt Einkäufe zu tätigen. Dies habe ihn in eine bedrohliche Lage geführt, da er des Feuerholzes entbehrte, um damit Nahrung zuzubereiten. Jedoch wusste sich der Herzog wiederum aus dieser Situation befreihen. Er umging das Verbot, indem er Nüsse sammeln ließ und diese anstatt des Feuerholzes zum Entfachen des Feuers nutzte. Die Reaktion des Kaisers offenbart resümierend die Darstellungsabsicht des Dichters. Als er von der pfiffigen Umgehung des Verbotes erfuhr, habe der Kaiser huldvoll gelacht, Robert als mult ducs curteis gelobt und ihm all seine Wünsche zu erfüllen versprochen.18 Wace charakterisiert Robert – einen Vorfahren Heinrichs II. – als←227 | 228→ einen idealen Höfling, der sich mittels einer urbanen Wendigkeit sämtlichen Hindernissen ausweichend das Ansehen des Kaisers verdient.

Ein anderer Akzent wird in einer früheren Version der Anekdotensammlung, der sog. Redactio B der „Gesta Normannorum ducum“ des Wilhelm von Jumièges, gesetzt, die in das beginnende 12. Jahrhundert datiert wird.19 Im Vergleich zur Version des Wace zeichnet die der Redactio B ein stärker konfliktiver Charakter aus, der die Konfrontation zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung stärker betont und damit sichtbar macht, was Wace voraussetzt, aber sicher auch voraussetzen kann.

Die Redactio B bringt ebenfalls die Anekdote vom verlorenen Hufeisen, fügt ihr aber einen Aspekt hinzu. Demnach habe Robert das Abfallen der Hufeisen bewusst inszeniert, um damit dem Vorwurf der Habgier der Gallos entgegenzuwirken, ein Vorwurf, den man in Konstantinopel für alle „Barbaren“ gelten ließ.20 Bei Wace ist lediglich angedeutet, dass das Abfallen der Hufeisen beabsichtigt war. Zudem unterlässt es die Redactio B nicht, die bei Wace lediglich unterstellte Wirkung dieser List auszuführen. Die Griechen hätten sich sehr gewundert, wie ein Volk, das früher nach Gold gierte, diesem nun keine Bedeutung, ja sogar Verachtung entgegenbringe.21←228 | 229→ Das Problem des Stehens vor dem Kaiser löst Robert in dieser Version auf eine provokative Weise, indem er sich unaufgefordert neben den Kaiser setzt. Von daraus entstehenden Konflikten mit dem Kaiser, die bei einem solch eklatanten Bruch des Zeremoniells zu erwarten wären, ist freilich nicht die Rede.

Auch die Nuss-Episode besitzt in dieser Quelle einen stärker konfrontativen Charakter. Während Wace keine Gründe für das vom Kaiser erlassene Kaufverbot nennt, stellt dieses nach der Redactio B eine Revanchehandlung des Kaisers für die beleidigende Zurückweisung seiner Geschenke durch Robert dar. Der Kaiser habe auf diese Weise seinen Gast dazu zwingen wollen, bittend an ihn heranzutreten und damit zugleich seine Unterordnung anzuerkennen.22 Dies hatte Robert durch das Ablehnen der kaiserlichen Geschenke noch zuvor vermieden. Hier wird der rang- bzw. vorrangbestimmende, potentiell ehrmindernde Charakter des Geschenkes und des Zeremoniells, das die Übergabe von Geschenken regelte, klar herausgearbeitet. Um den ihn entehrenden Eindruck zu vermeiden, auf diese Geschenke angewiesen zu sein, habe er demütig (humiliter) die Geschenke für seine Person zurückgewiesen und sie stattdessen an seine Männer verteilt.23 Neben Reichtum wird hier zudem die largitas Roberts, die Freigebigkeit des Herzogs, herausgehoben.

Ein weiterer Aspekt, der bei Wace keine Rolle spielt, tritt v. a. bei der Nuss-Episode hervor. Neben aristokratischem Ehrbewusstsein tritt in der Version der Redactio B noch die pietas Roberts hervor, die Bezug auf das Ziel der Reise nimmt, deretwegen Robert in Konstantinopel Station gemacht habe: eine Pilgerreise nach Jerusalem. Die sagacitas Roberts, welche diesen einen Ausweg finden lässt, dient der bevorstehenden Jerusalemreise←229 | 230→ und damit einem frommen Zweck. Die Reaktion des Kaisers macht die gewandelte Perspektive deutlich. Dieser habe das Verbot, Einkäufe zu erledigen, pietate motus aufgehoben.24

Viele der bereits genannten Anekdoten werden auch mit einem Aufenthalt Sigurd I. Magnussons in Konstantinopel in Zusammenhang gebracht.25 Sie stehen der Anekdotensammlung des Dichters Wace näher als jener der Redactio B. Sigurds Aufenthalt in der Hauptstadt des byzantinischen Reiches ist anders als der des Normannenherzogs Robert gut bezeugt. Gleichwohl dürfte es sich bei den in diesem Rahmen geschilderten Anekdoten ebenfalls um Fiktionen handeln, die den Zweck hatten, Aussagen über die Bedeutung Sigurds zu treffen, die diesem zum Ruhm gereichten. Die früheste schriftliche Fixierung zuvor mündlich tradierter Erzählungen findet sich in der „Morkinskinna“, einer Sagasammlung aus dem 13. Jahrhundert.

Auch hier wird die Hufeisenepisode erzählt. Die Quelle stilisiert den Moment des Einreitens Sigurds geradezu zu einem Wettbewerb beider Herrscher, den natürlich Sigurd für sich entscheidet. Der List Sigurds werden Vorbereitungen des Kaisers gegenübergestellt, die dem Zweck dienen sollen, den Gast zu beeindrucken. Der Kaiser habe befohlen, die von Sigurd zurückzulegende Strecke prächtig auszustatten, während Sigurd seinen Männern aufgetragen habe, sich von den Dingen, denen sie begegnen würden, nicht beeindrucken zu lassen. Dem Pferd Sigurds wurden ebenfalls goldene Hufeisen angepasst, eines aber so lose, dass es abfallen musste.26←230 | 231→

Da es Kaiser Alexios nicht gelang, Sigurd durch den feierlichen Empfang zu beeindrucken, versuchte er es ein weiteres Mal, indem er den König im Vorfeld eines Mahles mit dessen Männern mit Geschenken konfrontierte. Wiederum handelt es sich um eine bereits bekannte Anekdote. Sie erscheint allerdings in einer deutlich gesteigerten Form. Die Konfrontation mit Geschenken geschah nämlich plötzlich, wie die „Morkinskinna“ berichtet, damit Sigurd dieses Mal keine Vorbereitungsmaßnahmen treffen konnte. Es war eine List, mittels derer der Gast zum Staunen, zur Anerkennung des Vorrangs des byzantinischen Kaisers gezwungen werden sollte. Doch der Überrumpelungsversuch misslang. Sigurd sah die Geschenke nicht einmal an, verteilte sie vielmehr, seine eigene Freigebigkeit bezeugend, umgehend unter seinen Männern.27 Ausdrücklich wird hervorgehoben, dass das Verhalten den Kaiser, der durch einen Boten davon erfuhr, überaus beeindruckt habe. Doch nicht nur die Tatsache, dass Sigurd die Geschenke nahezu ignorierte, habe den Kaiser beeindruckt, sondern auch der Umstand, dass er es nicht einmal für notwendig gehalten habe, sich dafür zu bedanken. Hier könnte man vielleicht eine Anspielung auf das byzantinische Zeremoniell erkennen, welches die Eminenz des Kaisers auch dadurch betonte, dass die Interaktion mit ihm hauptsächlich durch hohe Beamte erfolgte, der Kaiser möglichst passiv blieb. Sigurd müsse so reich sein, dass er derartige Geschenke nicht nur als gewöhnlich, sondern lediglich als obligatorisch empfand und sie eines Dankes nicht bedurften – so die Logik der Geschichte.28←231 | 232→

Von Sigurds Verhalten herausgefordert schickte der Kaiser ein weiteres Mal einen Diener mit Geschenken an den König ab, nun mit Gold gefüllten Truhen. Doch fiel die Reaktion Sigurds abermals nicht anders aus als zuvor. Sigurd befahl seinen Männern, den Schatz unter sich aufzuteilen.29 Die Verwunderung des Kaisers, den sein Bote wiederum über die Reaktion Sigurds in Kenntnis setzte, war nun so groß, behauptet die „Morkinskinna“, dass er verwundert das Verhalten des Königs zu deuten versuchte und an der Wirksamkeit seines splendor zweifelte. Ein drittes Mal steigerte Alexios den Wert seiner Geschenke und schickte den Boten damit zu Sigurd. Das dritte Arsenal an Geschenken beinhaltete neben Truhen mit Gold auch zwei goldene Ringe.30 Nun erst habe Sigurd sich dazu bereitgefunden, einen Teil des Schatzes an sich zu nehmen. Die Art, wie er es tat, legt dem Leser nahe, dass die Ablehnungen der Geschenke zuvor für die byzantinische Seite nicht nur durch das Nicht-Anblicken und das Fehlen von Dankesworten herausfordernd wirkte, sondern auch dadurch, dass Sigurd bei der versuchten Geschenkübergabe sitzen blieb. Nun, bei dem dritten Versuch des Kaisers, stand er auf und nahm die beiden Goldringe und bedankte sich in einer Weise, die dem vermeintlich immensen Reichtum Sigurds eine für den Kaiser verblüffende Tugend hinzufügte: Er bedankte sich nämlich auf Griechisch und demonstrierte damit ein Maß an Bildung, das man „Barbaren“ gemeinhin nicht zutraute. Die Truhe voller Gold überließ er wiederum seinen Männern.31←232 | 233→

Noch ein weiteres Mal blieb Sigurd in Anbetracht des ihm angebotenen Reichtums versteinert: Als ihn der Kaiser vor die Wahl stellte, entweder zu Zirkusspielen im Hippodrom eingeladen zu werden oder eine solche Menge an Gold zu erhalten, wie die Ausrichtung der Spiele kostete, wählte Sigurd den Besuch des Hippodroms.32 Der Kaiser musste einsehen, dass seine Vorurteile nicht zutrafen. Sigurd erwies sich als ihm ebenbürtig. Sigurds Ansehen wird – ebenso wie das Roberts – abschließend kommentierend durch die Reaktion des Kaisers vor Augen geführt. Die Aufhebung der Differenz zwischen Kaiser und Gast wird in der „Morkinskinna“ durch eine Sigurd zukommende Ehrung dokumentiert: Er durfte auf demselben erhöhten Sitz Platz nehmen, auf dem der Kaiser saß.33

Insbesondere im Zuge des sog. Zweikaiserproblems trat die Differenz zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung provozierend deutlich zutage. Die byzantinischen Kaiser ließen keine Zweifel daran gelten, dass sie die einzig legitimen Nachfolger der antiken römischen Kaiser waren, während ihren westlichen Pendants allenfalls ein Kaisertitel zweiten Ranges zugestanden wurde.34 Diese Auffassung verlieh solchen Situationen Brisanz, in denen sich das das Verhältnis von Selbst- und Fremdwahrnehmung symbolisch artikulierte, also insbesondere im Rahmen des „diplomatischen“ Zeremoniells. Eindrücklich veranschaulicht wird dies in einer Anekdote der „Historia Mediolanensum“ des Mailänders Landulf. Dieser berichtet, dass auch Arnulf von Mailand, der als Gesandter nach Konstantinopel gereist war, um eine Ehe zwischen Otto III. und einer byzantinischen Prinzessin zustande zu bringen, sein Pferd mit goldenen Hufeisen versehen habe,←233 | 234→ bevor er feierlich in die Stadt einritt.35 Bezeichnenderweise ist in diesem Zusammenhang nicht von einer Täuschung die Rede. Nachdem Arnulf ehrenvoll empfangen worden war und er sich in einem Quartier außerhalb der Palastanlage erholt hatte, habe er sein Pferd mit einer Decke belegen und mit silbernen Nägeln goldene Hufeisen anlegen lassen und damit für großes Aufsehen und Bewunderung gesorgt.36 Es handelte sich nicht um irgendein Pferd, sondern um ein Geschenk seines Kaisers, wie Landulf vielsagend hinzufügt. Was hier noch angedeutet ist, führt Landulf anschließend aus. Er hebt hervor, Arnulf habe ad honorem Romani imperii, excellentiae atque magnificentiae regis Ottonis, totiusque Italiae gehandelt. Nicht nur Arnulfs Ansehen, auch das seines Kaisers steht auf dem Spiel, weshalb die Bewunderung, welche Arnulf widerfährt, auch auf Otto zurückfällt.

Nicht allein der prunkvolle Einritt Arnulfs habe für Aufsehen gesorgt, behauptet Landulf. Auch die prunkvolle Ausstattung seiner Begleiter durch Otto habe Eindruck gemacht. Dies zeigte sich darin, dass Arnulf von nun an eine privilegierte Behandlung genoss. So sei ihm als Einzigem die Auszeichnung zuteil geworden, während einer Audienz beim Kaiser Platz zu nehmen und dies, obwohl, wie es ausdrücklich heißt: ante praesentiam←234 | 235→ imperatore sedere non licet.37 Er durfte sich überdies lange mit dem Kaiser mittels eines Dolmetschers unterhalten. Der Umgang mit Arnulf und das Staunen des byzantinischen Hofes sollen das Ansehen des Mailänders und auch Ottos belegen. Beides ist miteinander verbunden.

Abgesehen vom Reichtum war auch die griechische sapientia im „Westen“ geradezu sprichwörtlich. Griechische Bildung stellte eine Zierde dar, mit der man sich zu schmücken strebte, und mit der die Byzantiner etwa im Kontext des bereits angesprochenen Zweikaiserproblems zu wuchern verstanden. Notker von St. Gallen bringt in seiner „Gesta Karoli Magni“ eine Episode, die genau in diesen Kontext zu stellen ist. Als eine Bühne der Bewältigung fungierte dabei wiederum das byzantinische Hofzeremoniell. Die Episode handelt von einem Eklat, der sich während eines Gastmahles ereignete, dessen Ursache ein Gesandter Karls des Großen war.38 Als der Gesandte während des Mahles einen Fisch auf seinem Teller umdrehte, so Notker, verstieß er gegen eine Vorschrift, die für ihn das Todesurteil bedeutete. Es habe nämlich die Vorschrift gegolten: „dass niemand am Tisch des Königs (regis), kein Einheimischer und kein Fremder, ein Tier oder ein Stück eines solchen auf die andere Seite drehen, sondern nur so wie es ihm vorgelegt worden war, von oben herab essen dürfe.“39 Der Gesandte, der das Verbot nicht kannte, drehte den Fisch um und provozierte damit einen←235 | 236→ Eklat.40 Mit Bedauern stellte der Kaiser den Bruch des Zeremoniells fest, erklärte jedoch, sich nicht darüber hinwegsetzen zu können. Lediglich eine Bitte werde er ihm noch gewähren, so diese nicht das Geschenk des Lebens beinhalte.41 Der fränkische Gesandte ersann daraufhin folgende List: „Dies eine fordere ich vor meinem Tode, dass jeder, der mich den Fisch umdrehen sah, sein Augenlicht verlieren soll.“42 Niemand wollte nun das Vergehen des Gesandten gesehen haben und da es keine Zeugen gab, entkam er schließlich seinem Schicksal:

Entsetzt über eine solche Forderung schwor der König bei Christus, er habe es selbst nicht gesehen, sondern sich auf die Erzählenden verlassen. Hierauf begann sich die Königin also zu entschuldigen […] Dann kamen die übrigen Großen, jeder bestrebt, vor dem andern seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen, und versuchten, der eine beim Schlüsselträger des Himmels, der andere bei dem Lehrer der Heiden, die übrigen bei der Macht der Engel und bei den Scharen aller Heiligen sich durch schreckliche Eide von dieser Schuld zu lösen.43←236 | 237→

Auf diese Weise habe der „kluge Spross des Frankenlandes“ (sapiens ille Francigena) das eitle und kluge Hellas überwunden und sei siegreich in die Heimat zurückgekehrt.44 Die sprichwörtliche Klugheit der Griechen wird hier ausdrücklich erwähnt und anekdotisch bewältigt. Diese Erzählung nimmt noch weitere Aspekte aufs Korn, wie die Bereitschaft allzu leichten Schwörens, die von mehreren „westlichen“ Autoren moniert und beklagt wurde.45 Der Gastgeber scheint in Notkers Darstellung zudem gefangen in einer „übersteigerten Courtoisie“46, in einem ins Lächerliche verzerrten Zeremoniell, dessen Gegenbild das schlichtere, authentischere Leben am karolingischen Hof darstellt. Eine allzu starke Rolle der byzantinischen Großen, d. h. umgekehrt eine schwache Position des Kaisers, wird in dieser Anekdote ebenfalls angesprochen: Die Großen sind es nach Notker, die das Verbot des Umdrehens der Speisen festlegen, nicht der Kaiser! Zu dieser Karrikatur gesellt sich schließlich die Feststellung eines trügerischen, hier buchstäblich oberflächigen Reichtums. Auch Speisen und Getränken bei öffentlichen Mählern kam eine repräsentative Bedeutung zu, weshalb die Kritik an den bei öffentlichen Gastmählern aufgetischten Speisen und Getränken eine politische Dimension besaß.47←237 | 238→

Notker lässt dieser Anekdote eine weitere Folgen, deren Absicht es offenkundig war, eine als beleidigend empfundene Behandlung karolingischer Gesandter, Heito von Basel und Hugo von Tours, zu rächen. Man habe sie lange hingehalten, unwürdig behandelt und auf sehr abgelegene Orte verteilt, echauffiert sich Notker. Schließlich seien sie mit großem Schaden an ihrem Schiff und ihrer Habe zurückgekehrt.48 Dieser Umgang mit den Gesandten wird von Notker als Beleidigung Karls gewertet und diesem Umstand verdankt sich das Bedürfnis, die Beleidigung mit gleicher Münze heimzuzahlen.49

Als aus Konstantinopel eine Gegengesandtschaft eintraf, befahl Karl auf Ratschlag Heitos und Hugos, dass man die Gesandten quer durch die Alpen und wegloses Gelände führte, sodass sie erschöpft und ausgezehrt bei ihm erschienen. So erzählt es Notker. Dann ließ man sie nacheinander den Hofbeamten vorführen. Immer wieder warfen sich die Gesandten den Hofbeamten zu Füßen, in der Annahme, es handele sich um Karl selbst, immer wieder wurden sie rüde zurückgewiesen, ehe sie schließlich auf den Kaiser trafen, der in einer pittoresk beschriebenen Szene sich buchstäblich und damit auch im übertragenen Sinne auf Bischof Heito stützte, also genau dem, dem man, so die fränkische Lesart, in Konstantinopel so beleidigend begegnet war:50←238 | 239→

Da stand nun der ruhmreiche Karl an einem hellen Fenster, strahlend wie die Sonne beim Aufgang, geschmückt mit Gold und Edelsteinen, gestützt auf Heito […]. Rings um ihn standen wie eine Heerschar des Himmels seine drei jungen Söhne, die schon Mitherrscher geworden waren, die Töchter mit ihrer Mutter, ebenso durch Klugheit und Schönheit geziert wie durch Geschmeide, die Bischöfe unvergleichlich an Gestalt und Tugend, und die Äbte, ausgezeichnet durch Adel und Ehrwürdigkeit. Dazu die Herzöge, so wie einst Josua im Lager von Gilgal erschien, und die Kriegsleute gleich denen, welche die Syrer und Assyrer aus Samaria verjagten, sodass David, wenn er unter ihnen gewesen wäre, mit Recht gesungen hätte: „Die Könige der Erde und alle Völker, die Fürsten und alle Richter der Welt, Jünglinge und Jungfrauen, Alte und Junge, sollen den Namen des Herrn preisen (Ps. 148,11 f.).51

Von diesen Eindrücken überwältigt, fielen die Gesandten zu Boden. Nachdem der Kaiser ihnen tröstenden Zuspruch gebend aufhalf, sanken sie abermals zu Boden, als sie den „einst verachteten und verstoßenen Heito in solchen Ehren sahen“, ehe Karl versicherte, ihnen kein Leid zuzufügen.52←239 | 240→

Die Byzantiner werden in dieser Darstellung mit ihren eigenen Waffen geschlagen, um Karls Größe anzuerkennen, die man in der Art, wie man dessen Gesandte empfing, vermissen ließ. Der Schilderung lässt sich wohl entnehmen, dass abgesehen von der Verzögerung des Empfanges und der räumlichen Trennung der Gesandten eine Sequenz des Gesandtschaftszeremoniells als anmaßend betrachtet wurde, nämlich der Fußfall, die Proskynese, welche auswärtige Besucher zu leisten hatten. Diese war es, welche den Hochmut des byzantinischen Kaisers aus „westlicher“ Perspektive besonders stark artikulierte, da sie den Kaiser in eine unziemliche Nähe zu Gott brachte.53

Die Differenz zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung gibt sich nicht weniger deutlich in der abschließend zu behandelnden Quelle, dem sog. Gesandtschaftsbericht des Cremoneser Bischofs Liudprand zu erkennen. Liudprand, der in Konstantinopel mit Kaiser Nikephoros II. Phokas vergeblich um eine Ehe Ottos II. mit einer byzantinischen Prinzessin verhandelt hatte, schildert in seinem Werk eine Reihe an Konflikten, die sich an dem von Nikephoros bestrittenen kaiserlichen Anspruch Ottos entzündeten.54 Bereits ein ranghoher byzantinischer Beamter soll ihm bei einer ersten Begegnung deutlich gemacht haben, dass man in seinem Herrn und Auftraggeber lediglich einen König und keinen Kaiser erkenne.55 Damit begann ein←240 | 241→ Spießroutenlauf, den der Gesandte nach eigener Aussage monatelang zu erdulden hatte. Immer wieder versuchten der Kaiser und seine Großen dem Gesandten kundzutun, wie lächerlich doch der Anspruch Ottos sei, und immer wieder tritt Liudprand den Gegenbeweis an, unter anderen auch, indem er dem Leser vor Augen führt, wie wenig das Bild vom sagenhaften splendor des byzantinischen Reiches den „tatsächlichen“ Begebenheiten entsprach.

Er gibt dabei Eindrücke von jenen Ereignissen wieder, die nicht zuletzt einem repräsentativen Zweck dienten. Dazu zählten etwa die zahlreichen Gastmähler, zu denen man ihn lud. Hatte Liudprand noch rückblickend auf einen früheren Besuch Konstantinopels, damals noch im Auftrag Berengars, den außerordentlichen splendor bestaunt,56 führte er nun Klage gegen das vermeintlich ekelhafte, von widerlicher Sauce übergossene Essen und den angeblich ungenießbaren Wein.57 Ähnliches gilt für seine Bemerkungen über den Besuch eines Tierparks – ebenfalls ein Ereignis, das zu dem Arsenal an Mitteln zählte, mit denen man in Konstantinopel Gästen den Glanz des Reiches vor Augen führen sollte.58 Er sei zwar recht groß, gestand Liudprand ein, dafür jedoch keineswegs anmutig.59 Die Geschenke, die man ihm im Falle eines Einlenkens zu geben versprach – Wildesel – bezeichnet er als wertlos.60 Auch die←241 | 242→ Prozessionen, die er miterlebte, dürfte man sich wesentlich prachtvoller vorzustellen haben, als es Liudprands Karikatur zu entnehmen ist.61 Dass die Gewänder Ottos und seiner Großen viel prächtiger waren als die der Griechen, wie er an einer Stelle behauptet, darf man bezweifeln, selbst wenn man konzedierte, dass es sich dabei um Gewänder handelte, deren Alter sinntragend war.62

Die unterschiedlichen Positionen bezüglich des Kaisertums Ottos drückten sich Liudprand zufolge auch der Sitzordnung aus. Dabei soll es zu Konflikten zwischen ihm und seinem Gastgeber gekommen sein. Bereits den 14. Sitzplatz nach dem Kaiser beim feierlichen Pfingstmahl empfand der Gesandte als eine Zurücksetzung, ohne dies explizit zu begründen. Augenscheinlich ist der Grund jedoch in der differierenden Wahrnehmung Ottos zu sehen, die bei einem weiteren Gastmahl Liudprand zum Handeln zwang. Anlass war die Bevorzugung eines bulgarischen Emissärs, der aufgrund der großen Bedeutung des Bulgarenherrschers eine besondere Privilegierung erfuhr.63 Er stand zudem im Range eines Patricius, was diesen, so belehrte man den ottonischen Bischof, zusätzlich gegenüber Liudprand hervorhob. Dennoch verließ Liudprand aus Protest die Tafel, da seine Zurücksetzung eine Beleidigung Ottos darstellte, wie er ausdrücklich hervorhebt.64 Liudprands Überlieferungsinteresse liegt allerdings nicht darin, die Differenzen in der Wahrnehmung darzulegen, sondern die Auffassung der Byzantiner zugleich als falsch zu erweisen. Dies gilt nicht zuletzt auch←242 | 243→ für die Bevorzugung des Bulgaren, dessen Äußeres – er trug eine Eisenkette um den Hals, war auf ungarische Weise geschoren und überdies nur ein Katechumene – den von Liudprand konstatierten Absturz des Reiches von früherer Größe hinlänglich dokumentierte. Der ottonische Gesandte lässt seine Gegner zu Wort kommen, die seine Eindrücke bestätigen: Gewiss sei der Bulgare „geschoren“ und „ungewaschen“ und trage eine Eisenkette, dennoch sei eine Bevorzugung Liudprands in Anbetracht der höheren Würde des bulgarischen Gesandten und der hohen Wertschätzung des Bulgarenherrschers – er trug in dieser Zeit den Titel eines Kaisers (βασιλεύς Βουλγαρίας) – nicht statthaft.65

Diese letzte Auseinandersetzung Liudprands mit den byzantinischen Hofbeamten macht den Kern der Konflikte, die in dieser Studie behandelt wurden, noch einmal sehr deutlich. Das byzantinische Hofzeremoniell machte als Medium kaiserlicher Repräsentation Selbst- und Fremdwahrnehmung auf vielfältige Weise wahrnehmbar und hielt auswärtigen Besuchern somit den Spiegel vor. Dies bereitete den Boden für zahlreiche Anekdoten, deren Absicht es war, (konkurrierende) Aussagen über Selbst- und Fremdwahrnehmung zu treffen, Differenzen der Wahrnehmungen mit List und Humor zu bewältigen, argumentativ als irrig zu erweisen oder auch nur Zuhörer oder Leser zu unterhalten. Sie lassen ihre Protagonisten vor allem in jenen Eigenschaften glänzen, für die die byzantinischen Kaiser bzw. die Byzantiner als vorbildlich galten (Reichtum, Bildung, Klugheit, List). Es handelt sich um Eigenschaften, über die man im „Westen“ nicht in gleichem Maße verfügte oder zu verfügen schien, wie sie in Byzanz gegeben waren, ein Umstand, der den oftmals bewältigenden Charakter der Anekdoten hervorhebt. Dass diese Anekdoten, wie aufgezeigt werden sollte, in konkreten, als problematisch betrachteten Praktiken des „diplomatischen“ Zeremoniells wurzelten oder sich auf sie bezogen, wurde offenbar schnell vergessen. Doch war dies für ihre Überlieferung nicht←243 | 244→ hinderlich. Die Anekdoten waren auch ohne dieses Wissen verständlich und dies erst war eine Voraussetzung dafür, weshalb diese durch die Zeit wandern und immer wieder verwendet werden konnten. Sie bezeugen damit zugleich die Langlebigkeit einer komplexen, aber pointierten Sprache, die transkulturell verständlich war.←244 | 245→


* Ich möchte mich hiermit herzlich bei den Herausgebern dieses Bandes für die Möglichkeit bedanken, in diesem Rahmen beitragen zu dürfen.

1 Schreiner, Peter: „Byzanz und der Westen: Die gegenseitige Betrachtungsweise in der Literatur des 12. Jahrhunderts“. In: Haverkamp, Alfred (Hrsg.): Friedrich Barbarossa. Handlungsspielräume und Wirkungsweisen des staufischen Kaisers. (Vorträge und Forschungen / Konstanzer Arbeitskreis für Mittelalterliche Geschichte 40). Jan Thorbecke: Sigmaringen 1992, S. 551–580, hier S. 559.

2 Vgl. z. B. Rentschler, Michael: „Griechische Kultur und Byzanz im Urteil westlicher Autoren des 10. Jahrhunderts“. Saeculum 29, 1978, S. 324–355; Id.: „Griechische Kultur und Byzanz im Urteil westlicher Autoren des 11. Jahrhunderts“. Saeculum 31, 1980, S. 112–156; Luchterhandt, Manfred: „Stolz und Vorurteil. Der Westen und die byzantinische Hofkultur im Frühmittelalter“. In: Bauer, Franz Alto (Hrsg.): Visualisierungen von Herrschaft. Frühmittelalterliche Residenzen, Gestalt und Zeremoniell. (Byzas 5). Ege Yayınları: Istanbul 2006, S. 171–211; Staubach, Nikolaus: „Graecae Gloriae. Die Rezeption des Griechischen als Element spätkarolingisch-frühottonischer Hofkultur“. In: Euw, Anton von / Schreiner, Peter (Hrsg.): Kaiserin Theophanu. Begegnung des Ostens und Westens um die Wende des ersten Jahrtausends. Gedenkschrift des Kölner Schnütgen-Museums zum 1000. Todesjahr der Kaiserin. 2 Bde. Das Museum: Köln 1991, Bd. 1, S. 343–368; Schreiner 1992, S. 559–560.

3 Zum „diplomatischen“ Zeremoniell Tinnefeld, Franz: „Ceremonies for Foreign Ambassadors at the Court of Byzantium and their Political Background“. Byzantinische Forschungen 19, 1993, S. 193–213; Nerlich, Daniel: Diplomatische Gesandtschaften zwischen Ost- und Westkaisern 756–1002. (Geist und Werk der Zeiten 62). Peter Lang: Frankfurt a. M. et al. 1999, S. 150–160; Treitinger, Otto: Die oströmische Kaiser- und Reichsidee nach ihrer Gestaltung im höfischen Zeremoniell. Vom oströmischen Staats- und Reichsgedanken. Wissenschaftliche Buchgesellschaft: Darmstadt 1956, S. 197–202; Bauer, Franz Alto: „Potentieller Besitz. Geschenke im Rahmen des byzantinischen Kaiserzeremoniells“. In: Id. (Hrsg.): Visualisierungen von Herrschaft. Frühmittelalterliche Residenzen, Gestalt und Zeremoniell. (Byzas 5). Ege Yayınları: Istanbul 2006, S. 135–169; Anca, Alexandru Ştefan: Herrschaftliche Repräsentation und kaiserliches Selbstverständnis. Berührung der westlichen mit der byzantinischen Welt in der Zeit der ersten Kreuzzüge. (Symbolische Kommunikation und gesellschaftliche Wertesysteme. Schriftenreihe des Sonderforschungsbereichs 496, 31). Rhema: Münster 2010, S. 94–114; Lee, Douglas / Shepard, Jonathan: „A Double Life: Placing the Peri Presbeon“. Byzantinoslavica. Revue internationale des Études Byzantines 52, 1991, S. 15–39.

4 Vgl. am Beispiel Liudprands von Cremona Hoffmann, Tobias: „Diplomatie in der Krise. Liutprand von Cremona am Hofe Nikephoros II. Phokas“. Frühmittelalterliche Studien 43, 2009, S. 113–178; vgl. dagegen v. a. Rentschler, Michael: Liudprand von Cremona. Eine Studie zum ost-westlichen Kulturgefälle im Mittelalter. Klostermann: Frankfurt a. M. 1981; Menzel, Viktor: Deutsches Gesandtschaftswesen im Mittelalter. Hahnsche Buchhandlung: Hannover 1892, S. 122 bezeichnet Liudprand als einen der „unfähigsten Diplomaten der deutschen Geschichte, wo nicht den schlechtesten Diplomaten von allen“.

5 Dass diese Anekdoten auf einem nur fingierten Zusammentreffen basierten, ist für diese Untersuchung unerheblich. Wie Elisabeth von Hout gezeigt hat, ist Robert wahrscheinlich nie in Konstantinopel gewesen; vgl. Hout, Elisabeth van: „Normandy and Byzantium in the Eleventh Century“. Byzantion. Revue Internationale des Études Byzantines 55, 1985, S. 544–559.

6 Vgl. The History of the Norman People. Wace’ Roman de Rou, hrsg. und übers. Burgess, Glyn S. The Boydell Press: Woodbridge 2004, S. xi–xxvi.

7 Le Roman de Rou de Wace, hrsg. von Holden, A.J. 3 Bde. (Société des anciens textes français). A.& J. Picard: Paris 1970, Bd. 1, S. 275, vv. 3059–3068: Par la terre l’empereür / se fist conduire a grant honur; / a la mule ke il chevauchout, / a la plus chiere ke il menout, / fist d’or les quatre piez ferrer, / puis fist a ses baruns veer / ke quant il ors des piez charreit / que mar nul d’els le reprendreit. / Par Constentinoble passa / ed ad l’enpereür turna.

8 Constantini Porphyrogeniti imperatoris de ceremoniis aulae Byzantinae libri duo, hrsg. von Reiske, Johann J. 2 Bde. (Corpus scriptorum historiae Byzantinae 7). Weber: Bonn 1830, Bd. 1, 89, S. 402.

9 Ioannis Cinnami Epitome Rerum ab Ioanne et Alexio Comnenis gestarum, hrsg. von Meineke, August. (Corpus Scriptorum Historiae Byzantinae). Weber: Bonn 1836, S. 82–83. Auf einem niedrigen Sitz nahm ebenfalls Balduin III. von Jerusalem Platz; Willelmi Tyrensis Archiepiscopi Chronicon, hrsg. von Huygens, Robert B.C. (Corpus Christianorum, Continuatio Mediaevalis 63 A). Brepols: Turnhout 1986, 18, 24, S. 846. Vgl. Treitinger 1956, S. 95–96, 201.

10 Roman de Rou, 3, S. 275, vv. 3069–3080: Endementres ke a lui parla, / a la guise ki esteit la / sun mantel jus a terre mist, / tut desfublez desus s’asist; / al partir, quant, ne deigna. / Un des Grieus le vit defublé, / sun mantel li ad relevé, / dist li que sun mantel preïst / e a sun col le rependist; / e il respundi par noblei: / “Je ne port pas mun banc od mei.”

11 Ibid., S. 276, vv. 3081–3086: Chascun des Normanz autresi / sun mantel a terre guerpi, / si cum li ducs l’out fait si firent, / lur manteals el paleis guerpirent; / e li ducs lur duna manteals / asez plus riches e plus beals.

12 Ibid., vv. 3115–3120: Pur la noblece des Normanz, / qui de lur manteals firent bancz, / fist l’enpere el paleis faire / bancs e sieges envirun l’eire; / ainz cel tens a terre seeient / ki el paleis seeir voleient.

13 Treitinger 1956, S. 202; vgl. zum Ritual des Schenkens am Konstantinopolitaner Hof Bauer 2006; Anca 2010, S. 94–114.

14 Roman de Rou, 3, S. 276, vv. 3088–3098: e l’emperere ad cumandé, / tant cum il iert en la cité / ke il ait del suen a grant plenté, / kar il le voleit honurer. / Mais li ducs ne volt graanter, / ne volt mie sun cunrei prendre, / asez a, ceo dist, a despendre; / tant cum propre vivre voleit, / mais al retur, se il veniet, / mais al retur, se il veneit, / cunrei e el del suen prendreit. Bei den hier genannten Geschenken könnte es sich um eine Art Apanage handeln, die an auswärtige Besucher zwecks Versorgung gezahlt wurde. Liudprand von Cremona erwähnt stipendia, die ihm vorenthalten wurden, angeblich, um ihm zuzusetzen; Liudprandi Relatio de legatione Constantinopolitana. In: Liudprandus Cremonensis opera omnia, hrsg. von Chiesa, Paolo. (Corpus Christianorum, Continuatio Mediaevalis 156). Brepols: Turnhout 2001, S. 187–218, 34, S. 201.

15 Die Gewährung eines freien Zugangs zur Stadt wurde umgekehrt als ein besonderes Privileg verliehen; vgl. Lee / Shepard 1991, S. 32.

16 Notker von St. Gallen, Gesta Karoli Magni imperatoris, hrsg. von Haefele, Hans. (MGH rer. Germ. NS. 12). Weidmannsche Buchhandlung: Berlin 1959, 2, 6, S. 53; Amalarii Versus marini, hrsg. von Dümmler, Ernst. (MGH Poetae Latini aevi Carolini 1). Weidmannsche Buchhandlung: Berlin 1881, S. 426–428, S. 427, vv. 37–47.

17 Liudprandi Relatio, 2, S. 187; 46, S. 207.

18 Roman de Rou, 3, S. 276, vv. 3099–3112: E l’enperere fist crier / e partut as marchiez veer, / ke il ne truvast busche ne fust / dunc sun mangier quire peüst; / e li ducs ad fait achater / tutes les nuiz ke il pot truver, / tut en fist quire sun mangier, / e sil fist quire sun mangier, / e sil fist faire plus plenier / e plus riche ke il ne soleit, / pur busche qui li faileit. / Li enperiere asez s’en rist / e a ses genz en riant dist, / si cum il parlout en gregeis, / ke mult esteit li ducs curteis […]. Burgess, Glyn S.: Mockery, Insults and Humour in Wace’ Roman de Rou. In: Billy, Dominique / Buckley, Ann (Hrsg.): Études de langue et de littérature médiévales, offertes à Peter T. Ricketts à l’occasion de son 70ème anniversaire. Brepols: Turnhout 2005, S. 17–26, hier S. 23. Zum huldvollen Lachen sowie anderen Formen des Lachens in vergleichbaren Zusammenhängen Althoff, Gerd: „Vom Lächeln zum Verlachen“. In: Röcke, Werner / Velten, Hans Rudolf (Hrsg.): Lachgemeinschaften. Kulturelle Inszenierungen und soziale Wirkungen von Gelächter im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit. (Trends in Medieval Philology 4). De Gruyter: Berlin / New York 2005, S. 3–16.

19 William of Jumièges, Gesta Normannorum ducum. In: The Gesta Normannorum ducum of William of Jumièges, Orderic Vitalis, and Robert of Torigni, hrsg. von Hout, Elisabeth van. 2 Bde. (Oxford Medieval Texts). Clarendon Press / Oxford University Press: Oxford / New York 1992–1995, Bd. 1, lxi–lxv.

20 Reinsch, Diether R.: „Ausländer und Byzantiner im Werk der Anna Komnene“. Rechtshistorisches Journal 8, 1989, S. 257–274, hier S. 270; Lechner, Kilian: „Byzanz und die Barbaren“. Saeculum 6, 1955, S. 292–306, hier S. 294; Schmitt, Oliver J.: „Das Normannenbild im Geschichtswerk des Niketas Choniates“. Jahrbuch der Österreichischen Byzantinistik 47, 1997, S. 157–177, bes. S. 168.

21 William of Jumièges, Gesta Normannorum ducum, Bd. 2, 6, 11, S. 83: Appropinquans autem urbi Constantinopolitane, constituit ut mula, cui insidebat, pro ferramentis pedum, quibus antea uti solita erat, tunc aureis uteretur, neque quisquam suorum coligere presumeret, quando eadem mula ipsa eadem ferramenta aurea suis pedibus excuteret, ut Greci, qui prius Gallos cupidos auri vocare soliti erant, nullam in suis avaritie occasionem penitus invenire possent. Mirabantur quippe Greci et valde mutuo inter se loquebantur, quomodo gens, que prius rapere et furari consueta erat alius seu alterius gentis aurum, tunc ita sponte desereret et despiceret proprium. Weitere Varianten dieser Anekdote sind aufgelistet bei Paris, Gaston: „Sur un épisode d’Aimeri de Narbonne“. Romania 9, 1880, S. 515–546.

22 William of Jumièges, Gesta Normannorum ducum, Bd. 2, 6, 11, S. 83: […] imperator iussit ministris ut tamdiu sibi se suis necessaria ministrarentur, quamdiu in civitate illa manere voluisset. Sed sullimitas tanti ducis, mendicitatis et et inopie notam precavens, concupiscibilia quoque vasa noluit. Hoc ab imperatore audito, in sui contemptum retorsit, et hac de causa illis emptiones et vendiciones civitatis prohibuit, ut sic, penuria coacti, suum tandem viderentur expetere suffragium.

23 Ibid., S. 82: […] imperator iussit ministris ut tamdiu sibi de suis necessaria ministrarentur, quamdiu in civitate illa manere voluisset. Sed sullimitas tanti ducis, mendicitatis et inopie notam precavens, sibi suisque oblata humiliter susxipere renuit; aurem vestes preciosas, concupiscibilia quoque vasa noluit.

24 Ibid., S. 84: Quod postquam imperator comperit, pietate motus, illis copiam venendi et emendi concessit, dicens Francos omni industria esse peritos, nec sagacitati eorum quemlibet posse debere obviare.

25 Vgl. zu Folgendem Hill, Joyce: „Burning Walnuts: An International Motif in the Kings’ Sagas“. In: Anlezark, Daniel (Hrsg.): Myths, Legends, and Heroes: Essays on Old Norse and Old English Literature in Honour of John McKinnell. (Toronto Old Norse and Icelandic Studies). University of Toronto Press: Toronto / Buffalo 2011, S. 188–205; Kalinke, Marianne E.: „Sigurðar saga Jórsalafara: The Fictionalization of Fact in Morkinskinna“. Scandinavian Studies 56 (2), 1984, S. 152–167, bes. S. 157–159.

26 Morkinskinna, the earliest Icelandic chronicle of the Norwegian kings (1030–1157), hrsg. von Andersson, Theodore / Gade, Kari Ellen. (Islandica 51). Cornell University Press: Ithaca, New York et al. 2000, 61, S. 323: „Emperor Kirjalax [Alexios] had heard of King Sigurdr and he had the gate of Constantinople that is called Gullvarta opened. That is the gate through which the emperor rides when he has been away on campaign for a long time and has won a victory. The emperor had precious fabrics spread on the streets from Gullvarta to Laktjanir [Blachernenpalast], the emperor’s grandest residence. King Sigurdr told his men to ride boldly into the city and pay no attention to all the novelties […] they saw. They acted accordingly. […] We are told that King Sigurdr had his horse shod with gold before riding into the city and arranged that one shoe would come off on the street and that none of his men should take any notice.“

27 Ibid., 61, S. 323: „King Sigurdr’s men were now seated in the hall, and the drinking was about to begin. At the moment two of Emperor Kirjalax’s messengers entered the hall carrying between them great bags of gold and silver. They said that the emperor had sent this to King Sigurdr. He did not deign to look at the treasure but told his men to divide it among themselves.“

28 Ibid., 62, S. 323: „The messengers returned and reported to the emperor. He said: ,This king must be immensly rich and powerful since he finds no need to take an interest in such gifts or to convey words of acknowledgement.‘ “

29 Ibid.: „He then told them to go with large tubs full of gold. They went and came before King Sigurdr again, announcing that the emperor had sent him this money. He replied: ,This is a large amount of money. You should divide it among yourselves, men.‘ “

30 Ibid.: „The messengers returned and told the emperor. He said: ,There are two possible interpretations of this king. Either he is wealthier and more powerful than other kings, or he is not as wise as it becomes a king to be. Go now a third time and take him the reddest gold and fill these tubs to overflowing.‘ And the emperor laid two great golden rings on top.“

31 Ibid.: „The messengers set out and came before King Sigurdr. They told him that the emperor had sent him this treasure. King Sigurdr stood up, took the rings, and drew them on his arms. Then he made a speech in Greek and thanked the emperor with fair words for his generosity. He courteously distributed the treasure among his men and was greatly honored for this by the emperor.“

32 Ibid., S. 324: „King Sigurdr remained there for a time, and once Emperor Kirjalax sent men to ask whether he would rather have six skippund of red gold or whether he preferred to have the emperor organize the games that he was accustomed to stage at the hippodrome. King Sigudr chose the games. The emperor’s messengers told King Sigurdr that the games cost the emperor no less than the gold.“

33 Ibid., 62, S. 324: „After that it was customary for the emperor and King Sigurdr to occupy the same elevated seating.“

34 Grundlegend Ohnsorge, Werner: Das Zweikaiserproblem im früheren Mittelalter. Die Bedeutung des byzantinischen Reiches für die Entwicklung der Staatsidee in Europa. A. Lax: Hildesheim 1947.

35 Vgl. Ciggaar, Krijnie E.: Western Travellers to Constantinople. The West and Byzantium, 962–1204: Cultural and Political Relations. (The Medieval Mediterranean Peoples, Economies and Cultures, 400–1453, 10). E.J. Brill: Leiden et al. 1996, S. 214–215; Eickhoff, Ekkehard: Kaiser Otto III. Die erste Jahrtausendwende und die Entfaltung Europas. Klett-Cotta: Stuttgart 1999, S. 350–351; Mystakides, Basileios A.: Byzantinisch-deutsche Beziehungen zur Zeit der Ottonen. A. Müller: Stuttgart 1891, S. 68–69; Schramm, Percy Ernst: „Kaiser, Basileus und Papst in der Zeit der Ottonen“. Historische Zeitschrift 129, 1924, S. 424–475, hier S. 474.

36 Landulfi Historia Mediolanensis, hrsg. von Bethmann, Ludwig C. / Wattenbach, Wilhelm. (MGH SS 10). Hahnsche Buchhandlung: Hannover 1848, 2, 18, S. 55–56: At Arnulfus omnibus affluens divitiis, cum in curiam Constantinopolitanam receptus tamen honorifice ab imperatore admirabilique militum ac clericorum exercitu stipatus venisset, per aliquos dies moratus, et cum suis omnibus ex longo itinere ac labore fatigatis recreatus, equum imperialem, quem Otto imperator Romanus sibi ad huius laboris solamen donaverat, substrato pallio admirabili, ferris aureis et clavis argenteis pedum ungulis abrasis curiose aptari fecit. Igitur huius rei fama per palatia regis incunctanter volante, rem milites palatini inauditam audientes, universi coram imperatore more solito astantes, vehementer admirati sunt.

37 Ibid., S. 56: Tandem cum Arnulfus archiepiscopus a magno ducatu militum stipatus, quos pellibus martulinis aut cibelinis, aut renonibus variis et hermelinis ornaverat, quibus imperator mirifice eum imbuerat , ab imperatore de filia eius esset securus, et ipse ante faciem eius solus, astantibus multis episcopis et aliis summae magnaeque dignitatis, quibus ante praesentiam imperatoris sedere non licet, super cicotergitronum sederet, multis per interpretem rebus sermocinatis, quod intus Arnulfus erat foris apparuit.

38 Zur Nachwirkung dieser Anekdote Schneider, Johannes: „Die Geschichte vom gewendeten Fisch. Beobachtungen zur mittellateinischen Tradition eines literarischen Motivs“. In: Authenrieth, Johanne / Brunhölzl, Franz (Hrsg.): Festschrift Bernhard Bischoff zu seinem 65. Geburtstag dargebracht von Freunden, Kollegen und Schülern. Hiersemann: Stuttgart 1971, S. 218–225.

39 Notker von St. Gallen, Gesta Karoli, 2, 5, S. 54: […] ut nullus in mensa regis indigena sive advena aliquod animal vel corpus animalis in partem aliam converteret, sed ita tantum, ut positum erat, de superiori parte menducaret. Übersetzung zitiert nach Notker von St. Gallen, Taten Karls, übers. von Haefele, Hans. (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters 7, 3). Wissenschaftliche Buchgesellschaft: Darmstadt 1960, S. 321–427, hier S. 381.

40 Notker von St. Gallen, Gesta Karoli, 2, 5, S. 54: Allatus est autem piscis fluvialis et pigmentis infusus, in disco positus. Cumque hospes idem, consuetudinis illius ignarus, piscem illum in partem alteram giraret, exurgentes omnes dixerunt ad regem: ,Domine, ita estis inhonorati sicut numquam anteriores vestri‘.

41 Ibid.: At ille ingemiscens dixit ad legatum illum: ,Obstare non possum istis, quin morti continuo tradaris. Aliud pete, quodcumque volueris, et complebo‘. Tunc parumper deliberans cunctis audientibus in hęc verba prorupit: ,Obsecro, domine imperator, ut secundum promissionem vestram concedatis mihi unam peticionem parvulam‘. Et rex ait: ,Postula quodcumque volueris, et impetrabis, praeter quod contra legem Grecorum vitam tibi concedere non possum‘.

42 Ibid.: ‘Hoc’, inquit, ‘unum moriturus flagito: ut quicumque me piscem illum girare conspexit, oculorum lumine privetur’. Übersetzung zitiert nach Notker von St. Gallen, Taten Karls, S. 383.

43 Notker von St. Gallen, Gesta Karoli, 2, 5, S. 54–55: Obstupefactus rex ad talem conditionem iuravit per Christum, quod ipse hoc non videret, sed tantum narrantibus crederet. Deinde regina ita se cępit excusare: ,Per lętificam theotocon sanctam Mariam, ego illud non adverti’. Post reliqui proceres, alius ante alium, tali se periculo exuere cupientes, hic per clavigerum cęli, ille per doctorem gentium, reliqui per virtutes angelicas sanctorumque omnium turbas ab hac se noxa terribilibus sacramentis absolvere conabantur. Übersetzung zitiert nach Notker von St. Gallen, Taten Karls, S. 383. Zum Motiv der listigen (letzten) Bitte etwa Hattenhauer, Hans: „Der gefälschte Eid“. In: Fälschungen im Mittelalter. Internationaler Kongreß der Monumenta Germaniae Historica, München 16.-19. September 1986. (MGH Schriften 33, 1–5). Hahnsche Buchhandlung 1988–1990, Bd. 2, S. 661–689; Garnier, Claudia: Die Kultur der Bitte: Herrschaft und Kommunikation im mittelalterlichen Reich. (Symbolische Kommunikation in der Vormoderne). Wissenschaftliche Buchgesellschaft: Darmstadt 2008, S. 84–88; Althoff, Gerd: „Zur Bedeutung symbolischer Kommunikation für das Verständnis des Mittelalters“. Frühmittelalterliche Studien 31, 1997, S. 370–389, hier S. 375–378.

44 Notker von St. Gallen, Gesta Karoli, 2, 6, S. 53, 55. Übersetzung zitiert nach Notker von St. Gallen, Taten Karls, S. 381.

45 Liudprandi Relatio, 30–35, S. 200–202; Odo of Deuil: De profectione Ludovici VII in orientem, hrsg. von Berry, Virginia Gingerick. (Records of Civilization, Sources and Studies 42). Columbia University Press: New York 1948, 3, S. 56.

46 Schneider 1971, S. 219.

47 Hoffmann 2009, S. 175–177. Ein von Schneider 1971, S. 219 Anm. 7, vorsichtig ins Spiel gebrachter Zusammenhang mit persischer Fischsymbolik, nach der der Fisch ein Symbol legitimer Herrschaft darstellte, ist in Anbetracht der von ihm vermuteten orientalischen Herkunft der Anekdote reizvoll, wenngleich spekulativ. Denn es ist fraglich, ob man bei Notker die Kenntnis der Bedeutung der Fischsymbolik voraussetzen kann und auch ob dieser dieses Wissen bei seinen Lesern voraussetzen konnte. Zu repräsentativen Gastmählern in Konstantinopel Tinnefeld 1993, S. 204–207; Leuven, Karl-Heinz: „Festmähler beim Basileus“. In: Altenburg, Detlev et al. (Hrsg.): Feste und Feiern im Mittelalter. Paderborner Symposion des Mediävistenverbandes. Jan Thorbecke: Sigmaringen 1991, S. 87–94.

48 Notker von St. Gallen, Gesta Karoli, 2, 6, S. 55: Post annos autem aliquot direxit illuc indefessus Karolis quendam episcopum praecellentissimum mente et corpore virum, adiucto ei comite nobilissimo duce Hugone. Qui diutissimi protracti tandem ad praesentiam regis perducti et indigne cum magno navis et rerum dispendio redierunt.

49 Dazu zuletzt Althoff, Gerd / Meier, Christel: Ironie im Mittelalter. Hermeneutik – Dichtung – Politik. Wissenschaftliche Buchgesellschaft: Darmstadt 2011, S. 128–129; Bauer 2006, S. 146.

50 Notker von St. Gallen, Gesta Karoli, 2, 6, S. 55–56: Non post multum autem direxit idem rex legatarios suos ad gloriosissimum Karolum. Forte vero contigit, ut tunc idem episcopus cum duce praefato apud imperatorem fuissent. Nuntiatis igitur legatis venturis dederunt consilium sapientissimo Karolo, ut circum ducerentur per Alpes et invia, donec attritis omnibus et consumptis, ingenti penuria confecti ad conspectum illius venire cogerentur. Cumque venissent, fecit idem episcopus vel socius eius comitem stabuli in medio subiectorum throno suorum sublimi considere, ut nequaquam alius quam imperator credi potuisset. Quem ut legati viderunt, corruentes in terras adorare voluerunt. Sed a ministris repulsi ad anteriora progredi sunt compulsi. Quo cum venirent, videntes comitem palatii in medio procerum concionantem, imperatorem suspicati, terratenus sunt prostrati. Cumque et inde colaphis propellerentur dicentibus qui aderant: ,Non hic est imperator‘, in ulteriora progressi et invenientes magistrum mensę regię cum ministris ornatissimis, putantes imperatorem devoluti sunt in humum. Indeque repulsi reppererunt in consistorio cubicularios imperatoris circa magistrum suum, de quo non videretur dubium, quin ille princeps posset esse mortalium. Qui cum se, quod non erat, abnegaret, pollicebatur tamen, quod cum primoribus palatii moliretur, quatenus, si fieri potuisset, in praesentiam imperatoris augustissimi pervenire deberent. Tunc ex latere cesaris directi sunt, qui eos honorifice introducerent.

51 Ibid., S. 56–57: Stabat autem gloriosissimus regum Karolus iuxta fenestram lucidissimam, radians sicut sol in ortu suo, gemmis et auro conspicuus, innixus super Heittonem; hoc quippe nomen erat episcopi ad Constantinopolim quondam destinati. In cuius undique circuitu consistebat instar militię celestis, tres videlicet iuvenes filii eius, iam regni participes effecti, filięque cum matre non minus sapientia vel pulchritudine quam monilibus ornatę, pontifices forma et virtutibus incomparabiles, praestantissimique nobilitate simul et sanctitate abbates, duces vero tales, qualis quondam apparuit Iosue in castris Galgalę, exercitus vero talis, qualis de Samaria Siros cum Assiriis effugavit; ut si David medius esset, hęc non inmerito praecinuisset: Reges terrę et omnes populi, principes et omnes iudices terrę, iuvenes et virgines, senes cum iunioribus laudent nomen Domini! Übersetzung zitiert nach Notker von St. Gallen, Taten Karls, S. 385.

52 Notker von St. Gallen, Gesta Karoli, 2, 6, S. 57: Tunc consternati missi Grecorum deficiente spiritu et consilio perdito muti et exanimes in pavimentum deciderunt. Quos benignissimus imperator elevatos consolatoriis allocutionibus animare conatus est. Tandem itaque recreato spiritu cum exosum quondam et abiectum a se Heittonem in tali gloria vidissent, iterum pavefacti tamdiu volutabantur humi, donec eis rex per regem celorum iuraret nihil se illis mali in nullo aliquo facturum. Übersetzung zitiert nach Notker von St. Gallen, Taten Karls, S. 385.

53 Vgl. Magdalino, Paul: „Wie das Bild des Basileus in Westeuropa genutzt wurde: um 1147“. In: Jussen, Bernhard (Hrsg.): Die Macht des Königs. Herrschaft in Europa vom Frühmittelalter bis in die Neuzeit. Beck: München 2005, S. 179–189, hier S. 184; zu kirchlicher Kritik an diesem Ritual Alföldi, Andreas: Die monarchische Repräsentation im römischen Kaiserreiche. Wissenschaftliche Buchgesellschaft: Darmstadt 1970, S. 74–79; Treitinger 1956, S. 89. Zu Formen und Anwendungsbereichen der Proskynese im byzantinischen Hofzeremoniell ibid., S. 84–90.

54 Vgl. Hoffmann 2009.

55 Liudprandi Relatio, 2, S. 187–188: Octavo autem Idus, sabbatho primo dierum pentecostes, antre fratris eius Leonis coropalati et logothetae praesentiam sum deductus, ubi de imperiali vestro nomine magnus sumus contentione fatigati. Ipse enim vos non imperatorem, id est βασιλέα, sua lingua, sed ob indignationem ῥῆγα, id est regem, nostra vocabat.

56 Liudprandi Antapodosis. In: Liudprandus Cremonensis opera omnia, hrsg. von Chiesa, Paolo. (Corpus Christianorum, Continuatio Mediaevalis 156). Brepols: Turnhout 2001, S. 3–150, 6, 7–9, S. 148–149.

57 Liudprandi Relatio, 11, S. 192: […] coena, turpi satis et obscena, ebroirum more oleo delibuta alioque quodam deterrimo piscium liquore […]. Vgl. ibid., 1, S. 187; 20, S. 196.

58 Ševčenko, Nancy P.: „Wild Animals in the Byzantine Park“. In: Littlewood, Antony R. et al. (Hrsg.): Byzantine Garden Culture. Dumbarton Oaks Research Library and Collection: Washington D.C. 2002, S. 69–86.

59 Liudprandi Relatio, 37, S. 203: Ductus itaque in perivolium satis magnum, montuosum, fruticosum, minime amoenum […].

60 Ibid., 38, S. 203: Sed, mihi credite, domini mei augusti, confrater et coepiscopus meus dominus Antonius potest non inferiores dare, ut commercia testantur quae fiunt Cremonae, atque ipsi non onagri, sed domestici, non vacui, sed onerati procedunt. Vgl. dazu Hoffmann 2009, S. 168–169.

61 Ibid., 9–10, S. 191; 23, S. 197.

62 Ibid., 9, S. 191.

63 Es wird auf Schriftstücke Bezug genommen, in welchen die privilegierte Stellung bulgarischer Gesandter festgehalten wurde, ibid., 19, S. 195: Cum Christophori filiam Petrus Bulgarorum vasileus coniugem duceret, symphona, id est consonantia, scripta iuramento firmata sunt, ut omnium gentium apostolis, id est nuntiis, penes nos Bulgarorum apostoli praeponantur, honorentur, diligantur.

64 Ibid.: Cumque post naeniarum garrulitatem et missarum celebrationem ad mensam invitaremur, in citeriori mensae margine, quae erat sine latitudine longa, Bulgarorum nuntium, Ungarico more tonsum, aenea catena cinctum et – ut mens mihi suggerit – catechumenum, mihi praeponit, ad vestram plane, domini mei augusti, contumeliam. In vobis contemptus, in vobis spretus, in vobis abiectus; sed gratias ago domino Iesu Christo, cui vos servitis omni spiritu vestro, quod habitus sum pro nomine vestro dignus contumeliam pati. Verum, domini mei, meam considerans, sed vestram iniuriam, mensam reliqui.

65 Ibid., S. 195–196: Bulgarorum ille apostolus, quamquam (ut dicis et verum est) tonsus, illotus et catena aenea cinctis sit, patricius tamen est, cui episcopum praeponere, Francorum praesertim, nefas decernimus, iudicamus […]. Vgl. zum bulgarischen Kaisertum Dölger, Franz: „Der Bulgarenherrscher als geistlicher Sohn des byzantinischen Kaisers“. In: Id. (Hrsg.): Byzanz und die europäische Staatenwelt. Ausgewählte Vorträge und Aufsätze. Wissenschaftliche Buchgesellschaft: Darmstadt 1964, S. 183–196.