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Der Holocaust in deutschsprachigen publizistischen Diskursen

Eine sprachwissenschaftliche Analyse am Beispiel der Diskussion um den Roman «Die Wohlgesinnten» von Jonathan Littell

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Britta Gries

Thema dieses Buchs sind die öffentlichen Diskurse um den Holocaust, die einen integralen Bestandteil der Vergangenheitsbewältigung in der Bundesrepublik seit den 1960er Jahren darstellen. Viele Konflikte, Brüche und Diskontinuitäten kennzeichnen diesen Zeitraum und auch im 21. Jahrhundert sorgen literarisch-ästhetische Annäherungsversuche an den Genozid für mediale Skandale.

Die Autorin fragt, von welchen Intentionen, Haltungen und Wissensbeständen diese publizistischen Kontroversen geleitet werden. Um die vielschichtige Thematik zu beleuchten, analysiert sie die Debatte über Jonathan Littells Roman «Die Wohlgesinnten» Anfang 2008 in deutschen Qualitätsmedien mit einem eigens konzipierten Diskurslinguistischen Vier-Ebenen-Modell, das Foucaults diskurstheoretische Überlegungen in Analysekategorien übersetzt und so die Dynamik zwischen Gesellschaft und Sprache erfasst.

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5.6.1.2.6 Fünfter thematischer Abschnitt: Die Sprache als Indikator der literarischen Schwäche

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Während im Rahmen des dritten und vierten thematischen Abschnitts von Radischs Rezension der Inhalt der „Wohlgesinnten“ sowie die zugrundeliegende Intention des Autors und die sich daraus ergebenden Wirkungen thematisiert wurden, widmet sich die Literaturredakteurin der Zeit im fünften Textabschnitt der sprachlich-stilistischen Gestaltung von Littells Roman. Zu Beginn ihrer Ausführungen zitiert sie mithilfe eines direkten interdiskursiven deiktisch-intertextuellen ← 376 | 377 → Verweises die Aussage des jüdisch-französischen Historikers Pierre Nora, nach der jener behauptet hat, dass es in den „Wohlgesinnten“ „keinen einzigen falschen Ton“955 gegeben habe. Ohne die Quelle des Zitats von Nora anzugeben, relativiert Radisch diese Aussage des Historikers und Mitarbeiters im Verlag Gallimard, wobei Littells Roman „Les Bienveillantes“ 2006 in diesem Verlagshaus in französischer Sprache publiziert worden ist. Zu diesem Zweck legt Radisch dar, dass das Werk Littells in der französischen Ausgabe mit deutschen Begriffen aus der Militärsprache und dem nationalsozialistischen Vokabular durchzogen sei und Verwirrung bei den Lesern evoziert habe, wobei sie diesen Effekt mithilfe eines direkten deiktisch-intertextuellen Verweises anhand von Satzausschnitten und einzelnen Begriffen aus „Les Bienveillantes“ belegt. Dass diese Beispiele nur einen kleinen, ausgewählten Ausschnitt aus der Vielfalt der verwirrenden sprachlichen Ausführungen in Littells Roman bilden, verdeutlicht Radisch mit der erneuten Verwendung des Ausdrucks und so weiter.

Um die sprachlich-stilistischen Schwächen der französischen Originalausgabe von Littells Roman zu betonen, führt Radisch in pointierender Manier mithilfe eines direkten interdiskursiven deiktisch-intertextuellen Verweises den sprachlichen Missgriff eines nicht namentlich genannten französischen Kritikers an,...

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