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Der Psalter als ein Weg des Aufstiegs in Gregor von Nyssas «In inscriptiones Psalmorum»

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Augustinus Friedbert Weber

Das Buch untersucht Gregor von Nyssas Traktat «In inscriptiones Psalmorum». Dieser legt den Psalter als einen Meditationstext aus, der Gott suchende Menschen begleiten und über einen stufenweisen Aufstieg bis zur vollendeten Seligkeit führen will. Die Reihenfolge der Psalmen und ihre Gruppierung in fünf Bücher spiegeln einzelne Schritte und Etappen dieses Weges. Der Autor analysiert Gregors exegetische Arbeitsweise und legt eine Übersetzung des Traktats ins Deutsche vor. Eine hermeneutische Bilanz deutet den Kappadokier als einen Denker, der den christlichen Glauben im Kontext seiner Zeit in einer der philosophischen Vernunft gemäßen Weise erschließt.

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5.1.3.3 Die Musik als Heilmittel für die Seele (8,1–26)

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5.1.3.2.3 Das Zusammenfallen von Stehen und Bewegung (7,1–17)

5.1.3.2.3.1 Die „Mischung“ von Gegensätzen

Noch einem weiteren Aspekt des himmlischen Gesangs widmet Gregor seine Aufmerksamkeit: der Koinzidenz von Statik und Dynamik. Wenn er diesen Abschnitt mit Ἀληθῶς beginnt, macht er zugleich klar, dass es hier nicht nur um das Referat einer fremden Meinung geht, sondern um die eigenständige Weiterführung der übernommenen Gedanken. Zunächst nimmt er die mit Ps 18 gegebene Thematik des „Lobgesangs“ (6,28) auf die „Herrlichkeit Gottes“ (6,30) auf. Diese biblische Aussage bringt er nun in Zusammenhang mit der antiken Kosmologie. Ja, er identifiziert den von Ps 18 bezeugten Lobgesang der Himmel mit jenem „Zusammenklang“ (συνῳδία 7,3), welcher von der einem bestimmten Rhythmus folgenden „Mischung des Alls“ (6,21) hervorgebracht wird. Dabei ist der „Rhythmus“ wiederum im Sinne einer geregelten Zeitenfolge zu verstehen.1726 Das Wort συνῳδία bedeutet grundlegend „das Zusammensingen od. Zusammenspielen“,1727 es weckt also die Vorstellung eines himmlischen Konzerts, in das die einzelnen Elemente des Alls einstimmen.1728 Auf diese Weise erhält die Vorstellung eines himmlischen Lobgesangs einen konkreteren Gehalt. Umgekehrt wird die in einer physikalischen Perspektive wahrgenommene „Melodie“ nun als Hymnus auf die Herrlichkeit Gottes interpretiert und so auf den biblischen Gottesgedanken bezogen. Gregor führt hier also die antike und die biblische Weltdeutung zusammen, indem er den oft pantheistisch getönten Gedanken der Philosophen eine entschiedene Wendung auf den christlichen Theismus hin gibt, der die Welt als „Schöpfung“ versteht (7,2). Damit gibt er zugleich...

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