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denken, schreiben, tun

Politische Handlungsfähigkeit in Theorie, Literatur und Medien

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Edited By Amália Kerekes, Marion Löffler, Georg Spitaler and Sabine Zelger

Die Leitfrage des Bandes bezieht sich auf das interpretatorische Potenzial des Begriffs agency, verstanden als individuelle und kollektive Handlungsfähigkeit, wie sie in der politischen Theorie zentral ist. Möglichkeit und Effektivität demokratischer Praxis wurde im Zuge politischer Krisendiagnosen westlicher Gesellschaften infrage gestellt, so zum Beispiel in der Debatte um »Postdemokratie«. Vor dem Hintergrund dieser gegenwärtigen Problematik, nehmen die Beiträge des Bandes auch historische Tiefenbohrungen vor und erkunden, wie im Lauf des 20. Jahrhunderts und aktuell politische Denk- und Handlungsräume an den Schnittstellen von Theorie, Literatur und Medien bearbeitet und erschlossen wurden und werden.

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»In jeder Kritik […] ein Martialisches«: Wendungen der literaturkritischen Theorie bei Walter Benjamin

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Anna Zsellér

Meine leitende Frage bei der Beschäftigung mit dem Werk Walter Benjamins war, wie der Doppelcharakter1 seiner Werke, die theoretischen und zugleich politischen Entscheidungen, die der Kunstphilosoph, Kritiker, Übersetzer und Schriftsteller Walter Benjamin seinen Schriften zufolge trifft, zu begreifen und zu begründen wären. Wie können wir den theoretischen Sprung des interpretierenden Benjamins von einer immanenten und kommentierenden Interpretationspraxis2 zur marxistisch-materialistischen Literaturkritik nachvollziehen?3 Obwohl die Benjamin’sche Literaturkritik im Sinn der politischen Agitation niemals »engagierte Kritik« war, wie es Helmut Salzinger mit Recht bemerkt,4 ist ←41 | 42→ein markanter theoretischer Sprung in den Schriften Benjamins ab dem Anfang der 1930er Jahre wahrzunehmen, der ebenso historisch bedingt ist, wie er einer immanenten Logik seines Denkens folgt.

Es wird hier die These entwickelt, dass die kritische Praxeologie Benjamins die »Theorie als Element ihrer Praxis«5 enthält. Seine Konzeption der literarischen Kritik ändert sich während und in Folge seiner publizistischen Praxis: Er erarbeitet in den Wirrnissen der großen politischen und gesellschaftlichen Veränderungen seiner Zeit eine eigene Praxeologie, die aber weitgehend auf den antinomischen bis widersprüchlichen Grundlagen seiner bis zur Mitte der 1920er Jahre entfalteten Theorie beruht: Die Praxis absorbiert demnach die Theorie, macht sie aber nicht obsolet. Es wird zu zeigen sein, dass Benjamins vorerst auf frühromantischen Grundlagen konstruierter Kritikbegriff, der nach neukantianischen Erkenntnismaßstäben und auf der Basis einer platonistisch grundierten Sprachphilosophie entworfen wurde, die Möglichkeit der Textproduktion dennoch offenlässt, die ein aktives...

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