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Repräsentationsweisen des Anthropozän in Literatur und Medien

Representations of the Anthropocene in Literature and Media

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Edited By Gabriele Dürbeck and Jonas Nesselhauf

Das Anthropozän mit der Idee der systemischen Zusammenhänge von Mensch, Technologie und Umwelt ist durch Komplexität und disproportionale Skalierungseffekte von planetarischem und tiefenzeitlichem Ausmaß gekennzeichnet. Der Band geht der Frage nach, mit welchen Rhetoriken und Strategien Literatur und Kunst die Komplexität des Anthropozän auf menschliches Maß beziehen. Vor dem Hintergrund der Environmental Humanities untersuchen die 11 Beiträge das interdependente Beziehungsgeflecht von Mensch und agentieller ‹Natur› wie auch die Interaktion von unterschiedlichen zeitlichen, räumlichen und thematischen Skalen in Komposition, Figurendarstellung und Metaphorik (Raumschiff, Gaia, Weltgärtner) mit Bezug auf lokale Umweltprobleme und globale Zukunftsfragen. Mediale Austragsorte sind Erzählung, Epos, Climate und Science Fiction, Heimatroman, Ecodiegesis, Umweltlyrik, Hörspiel, Fotographie, Film und bildende Kunst.

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„A new political body yet to emerge“: Zur Darstellbarkeit des anthropos in Bruno Latours Kosmokoloss. Eine Tragikomödie über das Klima und den Erdball (2011)

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Philip Hüpkes

Abstract: The Anthropocene concept seems to drastically challenge our ways of representing and interpreting the human implication within ‘nature.’ Focussing on Bruno Latour’s (radio-)play Cosmocoloss, this article intends to identify ‘anthropocenic’ strategies of representing anthropos, the subject of the Anthropocene.

In der Einleitung“ zu seiner Monographie Existenzweisen1 schlägt der französische Philosoph Bruno Latour in Anbetracht des Anthropozän vor, man müsse sich „[z]‌wischen Modernisieren und Ökologisieren […] entscheiden“2. Latour verweist damit implizit auf eine dem Anthropozän-Begriff inhärente Ambivalenz einer am rationalistischen Fortschrittsbegriff ausgerichteten und sich zugleich als Teil eines Netzwerkes ihrer planetarischen Umwelt begreifenden Menschheit. Christophe Bonneuil und Jean-Baptiste Fressoz greifen diese Ambivalenz im Vorwort zu The Shock of The Anthropocene3 im Sinne eines Oszillierens der Menschheit zwischen Macht und Ohnmacht auf: „The Anthropocene is the sign of our power, but also of our impotence.“4

Als Zeichen für die Macht des Menschen affirmiert das Anthropozän-Konzept die dem modernen Fortschrittsdenken zugrunde liegende These Immanuel Kants, der menschliche Verstand sei als „Gesetzgebung für die Natur“5 zu verstehen, und naturalisiert ebendieses Fortschrittsdenken durch die semantische Fokussierung auf die ‚menschliche Spezies‘. Indem es die ‚Menschheit‘ zum ←167 | 168→Subjekt eines ganzen geologischen Zeitalters, zu einem „agent of geostory“6 werden lässt, fokussiert das Anthropozän-Konzept vordergründig die anthropozentrische Einschreibung ‚modernisierender‘ Zivilisationstätigkeit in die „deep history“7 des Planeten und lässt die durch Galileo konstatierte Eigenaktivität des Planeten (eppur...

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