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Sicherheit Denken

Entspannungspolitik auf der Zweiten Ebene 1969-1990

Sabine Loewe-Hannatzsch

Gerade wegen der Abkühlung des sowjetisch-amerikanischen Verhältnisses entwickelten sich die Beziehungen zwischen ost- und westdeutschen Instituten für Außen- und Sicherheitspolitik in den 1970er und 1980er Jahren beträchtlich weiter. Beide deutsche Staaten blieben sowohl an einem bi- wie multilateralen Entspannungsprozess über die Blockgrenzen hinweg interessiert und führten diesen teils auch gegen die explizit formulierten Erwartungen der jeweiligen Hegemonialmacht fort. Die Analyse greift sowohl den Perzeptionswandel einer deutsch-deutschen epistemic community als auch die sicherheits- und militärpolitischen Aspekte der Beziehungen zwischen Bonn und Ostberlin auf. Die Autorin holt somit die Bedeutung multilateraler Sicherheitspolitik in die Geschichte der Wiedervereinigung zurück und präsentiert eine neue Dimension der gegenseitigen Beeinflussung nicht nur der Institute sondern auch der Politikelite allgemein.

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5 Neue sicherheits- und militärpolitische Konzepte für Europa und die deutsche Wiedervereinigung 1988–1990

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Mit dem Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 wurde eine Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten zum zentralen Thema der internationalen Politik. Auch in den ostdeutschen Instituten wandelte sich das Thema der Wiedervereinigung im Laufe des Jahres 1989 von einer kaum diskutierten theoretischen Vorstellung zu einer realistischen Möglichkeit und warf gleichzeitig Fragen über die interne Struktur eines wiedervereinigten Deutschlands auf. Plötzlich standen die Fragen des staatlichen Status und der zukünftigen Bündniszugehörigkeit sowie die Frage, ob eine Wiedervereinigung und die Überwindung des Status quo die Stabilität des gesamten internationalen Systems gefährden könnten, im Mittelpunkt der Diskussionen in Ost und West.

Die Öffnung der Berliner Mauer und der nachfolgende Zusammenbruch der „alten Ordnung“ geschahen aber nicht in einem Sicherheitsvakuum. Bereits vor dem 9. November hatten Wissenschaftler und Analysten der ost- und westdeutschen Institute darüber nachgedacht, wie eine neue Struktur und Stabilität in Europa aufgrund des dynamischen Wandels in den internationalen Rahmenbedingungen und im Falle der Veränderung des bündnispolitischen Status quo geschaffen werden könnten. Zahlreiche Modelle und Varianten über die Lösung der deutschen Frage, über eine gesamteuropäische Sicherheitsstruktur und über Abrüstungsprozesse wurden mit besonderem Blick auf die Wandlungsprozesse in den sozialistischen Staaten vorgeschlagen, ausgewertet, diskutiert, erweitert und wieder verworfen.1

Aber auch während der dramatischen Veränderungsprozesse zwischen November 1989 und Ende 1990 wurden immer wieder neue Modelle eines zukünftigen Europas, die alle die Lösung der deutschen Frage...

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