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Von Musen und Musik: Zu Oper, Libretto und Singspiel

Hans-Albrecht Koch

Das Buch behandelt literarische Texte, die zur Vertonung für musikalischen Vortrag bestimmt waren. Der erste Hauptteil handelt vom deutschen Singspiel des 18. Jahrhunderts, vor allem in seiner österreichisch-süddeutschen, speziell Wiener, Ausprägung. Das Singspiel wählte höfische und bürgerliche Sujets, aber auch Märchenstoffe, und war für ausgebildete Sänger gedacht. Seinen Höhepunkt fand es in der gemeinsamen Arbeit von Emanuel Schikaneder und Wolfgang Amadeus Mozart an der «Zauberflöte» und in Goethes «Zweiter Zauberflöte». Der zweite Hauptteil behandelt die Operndichtungen, die der Wiener Hugo von Hofmannsthal für den Komponisten Richard Strauss schrieb, besonders die symbolträchtige, vielfach an die «Zauberflöte» anknüpfende Oper «Die Frau ohne Schatten» und «Arabella», das letzte gemeinsame Werk beider Künstler.

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Goethes Singspiele

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Das deutsche Singspiel des 18. Jahrhunderts ist seiner Entstehung nach ein Amalgam aus den lustigen Zwischen- oder Nachspielen zu den Haupt- und Staatsaktionen der Komödiantentruppen und drei fremden musiktheatralischen Formen Europas: der französischen Opéra comique, der italienischen – aus Neapel stammenden, in Venedig aber mit Elementen der Commedia dell’arte angereicherten – Opera buffa und der englischen Ballad opera. Die Opéra comique und die Opera buffa sind von französischen und italienischen Schauspielergesellschaften im deutschen Sprachgebiet eingeführt worden. Alle drei Formen haben gemeinsam, daß sie sich parodistisch gegen die an den Hoftheatern gespielte große Oper richten, nach volkstümlicher Einfachheit streben und das Bedürfnis weiter Kreise nach leichten unterhaltenden Theaterstücken zu erfüllen suchen.

Der Prozeß der Amalgamierung ist regional sehr verschieden verlaufen: In grober Näherung sind wenigstens zwei Entwicklungen voneinander zu unterscheiden, und zwar eine, die etwa 1715 in Wien einsetzt und stark von der Opera buffa abhängt, und eine andere, die knapp dreißig Jahre später in Berlin beginnt und sich zunächst an der Ballad opera, bald aber mehr an der Opéra comique orientiert und deren Zentrum sich dann nach Leipzig verlagert. Die von beiden Entwicklungen hervorgebrachten Bühnenstücke werden als „Singspiele“ bezeichnet – mit einem Ausdruck, der schon im 18. Jahrhundert als Gattungsname, sei es im Untertitel der Stücke selbst, sei es in der theoretischen Literatur, aus der nur die Namen Christoph Martin Wieland und Ernst Christoph Dreßler hervorgehoben seien, wenig einheitlich benutzt...

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