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Peer-Gespräche in der Schule

Beobachtungen zum mündlichen Sprachgebrauch im Spannungsfeld zwischen Institution und Identitätsentwicklung im Jugendalter

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Benjamin Könning

Peer-Gesprächen in der Schule wird von Erwachsenen gemeinhin wenig Beachtung geschenkt. Was aus Perspektive mancher Erwachsener wie belangloser Small-Talk unter Jugendlichen erscheint, erweist sich aus Sicht der Gesprächsforschung als hoch funktional im Schulalltag. Der Band präsentiert analytische Einblicke in Gesprächsaufnahmen von Schülerinnen und Schülern im Schulalltag verschiedener Schulformen und Altersstufen. Das Buch liefert neue Erkenntnisse über das Gesprächsverhalten, Positionierungsaktivitäten, Themenfelder sowie jugend- und institutionstypische Ausdrucksweisen der untersuchten Gespräche.

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9. Fazit und Ausblick

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Die Untersuchung von außerunterrichtlichen Peergruppengesprächen in der Schule hat aktuelle Einblicke in sprachliche Ausdrucksformen von Jugendlichen erbracht. Die theoretischen Vorannahmen von Peergesprächen in der Schule als stark informeller Gesprächstyp, der zugleich institutionelle Prägungen aufweist (vgl. Kap. 2), haben sich weitgehend bestätigt. Institutionelle Prägungen äußern sich in den schulischen Peergesprächen in der durch die Situation bedingten Gesprächsorganisation, die auf die Entlastungsfunktion im Schulalltag verweist. Vor allem die Themenwahlen im Rahmen von Positionierungspraktiken sind institutionsspezifisch, während ein spezifischer Schulwortschatz nicht auftritt. Größere soziale Disparitäten, die an die soziolinguistischen Variablen geknüpft sein könnten, äußern sich nicht in den Gesprächen.

Das Gesprächsverhalten (s. Kap. 5) ist durch einen hohen Grad an sozialer Vertrautheit und räumlicher Nähe geprägt. Spezifisches Teilnehmerwissen wird z.T. als selbstverständlich (common ground) vorausgesetzt. Dasselbe gilt für den Bereich der Sprachstilbastelei und der Scherzkommunikation im Allgemeinen, die gemeinsam geteiltes Weltwissen voraussetzen. Konditionelle Relevanzen erscheinen für Außenstehende bisweilen als verletzt, während die Jugendlichen selbst keinerlei gegenseitige Verständnisprobleme haben. Dies stellt unter gesprächs-bzw. textlinguistischen Gesichtspunkten der Kohärenzbildung einen wichtigen Befund dar, der durch die soziale Rahmung, als Orientierungskontext für die Handelnden, erklärbar ist. Das Gesprächsverhalten erweist sich zudem als außerordentlich störungsresistent gegenüber Lautstärke, vielen Sprecherwechseln und hoher Dynamik. Mit dem Ausdruck von Emotionalität sind Entlastungs- und Erholungsfunktionen innerhalb des institutionellen Kontextes verknüpft, die im...

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