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Hans-Georg Gadamer als Platon-Interpret: Die Musik

Aus dem Italienischen übersetzt von Leonie Schröder

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Mariannina Failla

«Fangen die Engel/wirklich nur Ihriges auf/ihnen Entströmtes,/oder ist manchmal, wie aus Versehen, ein wenig/unseres Wesens dabei? Sind wir in ihre/Züge soviel nur gemischt wie das Vage in die Gesichter/schwangerer Frauen?» Diese Verse aus der zweiten Elegie von Rainer Maria Rilke benennen den philosophischen Kern dieses Buches: die Beziehung zwischen Endlichkeit und Unendlichkeit in Hans-Georg Gadamers Denken. Die Musik erscheint als ungewöhnlicher, aber unverzichtbarer Führer, um die Wege der Dialektik von Logos/Sprache und der Beziehung zwischen dem Schönen und Guten nachzuvollziehen, die für Gadamers Humanismus kennzeichnend sind.

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Einleitung 11

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11 Einleitung Die vorliegende Arbeit zur Musik kreist um ein zentrales Problem der gadamerschen Philosophie, nämlich die Beziehung zwischen Endlichkeit und Unendlichkeit als Ausdruck einer unüberwindlichen Dualität.1 Die Untersuchung zu Gadamers Musikauffassung, die hauptsächlich in seinen Platon-Studien ausgedrückt ist, hat in Wirklichkeit immer weiter reichen- de Fragen aufkommen lassen, die uns gleich konzentrischen Kreisen schließlich zur Frage der Fragen geführt haben: zu Gadamers Position gegenüber der Metaphysik. Es handelt sich dabei um einen vieldiskutier- ten Aspekt, über den die Forschungsmeinungen oft auseinandergingen.2 1 Es wäre interessant, die Problematik der offenen, dualen Beziehung zwi- schen Endlichkeit und Unendlichkeit mit einer physiognomischen Reflexion über Gadamer zu verknüpfen, unter Berücksichtigung der schweren Krank- heit, die ihn als junger Mann traf. Hans-Georg Gadamer musste im Alter von 22 Jahren mit tiefem Bedauern auf den Besuch des Aristoteles-Seminars verzichten, das Heidegger in Freiburg abhielt, weil er an Kinderlähmung er- krankt war. Diese Krankheit hat sein Leben begleitet und seine philosophi- schen Bestrebungen zum Teil schwer überlagert. Wie jede Jugendkrankheit, von der man sich nicht mehr befreit, scheint sie Gadamers geistige Bildung so stark beeinflusst zu haben, dass man sich fragt, ob das zweifache sichere Besitzergreifen von dem Boden, auf dem man geht, wie es für den hinken- den Gang typisch ist, nicht das für seine Philosophie prägende duale Denken gefördert hat. Zu der Zeit, in der Gadamer an Kinderlähmung erkrankte, vgl. den noch unveröffentlichten Briefwechsel zwischen M....

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