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Die Darstellung von Musik im zeitgenössischen englischen und amerikanischen Bildungsroman

Peter Ackroyd, Vikram Seth, Richard Powers, Frank Conroy, Paul Auster

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Meike Reher

Die Studie untersucht musikalische Thematisierungen und strukturelle Affinitäten in zeitgenössischen englischen und amerikanischen Bildungsromanen. Im Gegensatz zu bisher vorliegenden Arbeiten zielt sie auf eine gattungsspezifische Perspektive. Die Autorin untersucht, wie der Bildungs- und Identitätsprozess des männlichen Protagonisten durch die Musik unterstützt wird und weist einen grundlegenden Funktionswandel des Genres nach. Im zeitgenössischen Bildungsroman wird Musik zu einem dystopisch eingefärbten Symbol für Isolation und Eskapismus bis hin zu einem Substitut personaler wie sozialer Identität.

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4.4.2 Probleme der Identitätsfindung des Protagonisten 94

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94 ebenso diffizil geworden wie Sprechen im Alltag. Der Mensch dringt zum Kern der Wahrheit nicht mehr vor, er existiert nur mehr in Rolle, die ihm von der Ge- sellschaft zugeschrieben worden ist.419 4.4.2 Probleme der Identitätsfindung des Protagonisten Die Identitätsbildung der Romanfiguren wird gerade im zeitgenössischen Bil- dungsroman stark problematisiert. Konnten die Empfindungen des Helden in der Romantik noch als Symptome einer Gesellschaft generalisiert werden und sich in relativem Einklang mit seiner Umgebung wähnen, so wird das Ich im moder- nen Romanen mehr und mehr zum Spiegel des modernen Bewusstseins. Der Abgrund zwischen dem Ich-Bewusstsein und der Welt-Realität scheint unüberwind- lich, die späteren Versuche eines rationalen Ausgleichs von Ich und Welt [...] sind des- halb zum Scheitern verurteilt. [...] Als fundamentale Einsicht bleibt die unumgängliche Erfahrung einer endgültigen Entfremdung zwischen dem Ich und der Umwelt, die hinfort fester Bestandteil des Selbstverständnisses sein wird.420 Befand sich der Protagonist früher im Konflikt mit der Moral und der Gesell- schaft, dessen Lösung aber potentiell möglich schien, so wird jetzt die Fähigkeit des Einzelnen zur Selbstverwirklichung grundsätzlich in Frage gestellt. Damit werden aber auch gleichzeitig traditionelle Handlungsoptionen des Menschen im Bildungsroman obsolet. Themen wie Auflehnung, Konflikte oder der jugendli- che Wunsch nach Erfüllung der Lebensträume durch die eigene Anstrengung er- scheinen sinnlos. Selbst der erste Schritt, die Erfassung des eigenen Bewusst- seins um anschließend Ziele formulieren zu können, erscheint nur noch einge- schränkt durchführbar....

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