Show Less

Wegsperren oder einschließen?

Die Praxis der Freiheitsstrafe zwischen Inklusion und Exklusion

Series:

Edited By Edeltraud Koller, Ferdinand Reisinger and Michael Rosenberger

«Schwerstkriminelle gehören für immer weggesperrt!» Diese Aussage kann man immer wieder und, wie es scheint, immer öfter hören – in Zeitungen, an Stammtischen, ja sogar in Reden von PolitikerInnen. Eine derartige Forderung sieht den Sinn der Freiheitsstrafe offenkundig in der gesellschaftlichen Exklusion von Menschen. Dieser Position stehen aber seit den 1970er Jahren eine Straftheorie und -praxis entgegen, die das Ziel von Strafe in der Reintegration der TäterInnen sehen: Menschen werden aus der Gesellschaft ausgeschlossen, um ihnen schrittweise die soziale Integration bzw. Inklusion zu ermöglichen. Inwiefern kann aber die Praxis des Strafvollzugs das Einschließen in die Gesellschaft überhaupt fördern? Welche Inklusions- und Exklusionsprozesse laufen im Mikrosystem Gefängnis selbst ab? Und was ist daraus für die Straftheorie und Strafpraxis zu folgern?

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Schlussdiskussion 169

Extract

Schlussdiskussion Transkribiert von Ferdinand Reisinger, gekürzt und stilistisch bearbeitet von Edeltraud Koller Statement Huber (Präsident des Landesgerichtes Steyr a. D.): In den Kom- mentaren zu unserem Strafgesetzbuch findet sich neben den klassischen Straftheorien, die wir gehört haben, auch das Schuldprinzip. Weit ausgebrei- tet werden generalprävention und Spezialprävention, daneben auch Prin- zipien des Sicherheitsbedürfnisses (objektive und subjektive Sicherheit). Dazu gehört eine entsprechende aufklärungsquote, die in Österreich (auch in der öffentlichen Diskussion) eine große Bedeutung hat. Eine große Rol- le spielen die Beachtung der Menschenwürde, die Rechtsstaatlichkeit, das Verhältnismäßigkeitsprinzip und die Humanität. Sie werden ausdrücklich in den Kommentaren erwähnt und sollten natürlich bei der auslegung der einzelnen Bestimmungen auslegungshilfe sein. – Die Realität zeigt, dass von den angezeigten Delikten nur etwa 20 Prozent tatsächlich beim gericht lan- den. Viele Vorgänge können somit schon in einem Vorstadium durch Maß- nahmen erledigt werden, die bereits angesprochen wurden (außergericht- licher Tatausgleich, Diversion u.ä.). Daher glaube ich, dass man für diese art der Erledigung, die ja andere Prinzipien als die klassischen Straftheorien he- ranziehen, eigentlich neue Begriffe finden sollte oder eine neue Straftheorie, die diese Maßnahmen abdeckt. Wenn nur 20 Prozent zum gericht kommen, ist es auch wert, sich die anderen 80 Prozent anzuschauen. Was mir auffällt, ist, dass häufig Theorie und Praxis auseinanderklaffen. Besonders bei der Justiz oder im Strafvollzug ist diese Spanne manchmal groß. Ich erwähne eine...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.