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Schuldlose Verantwortung

Vorgaben der Hirnforschung für Ethik und Strafrecht

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Michel Julien Friedman

Das Buch nimmt den von Hirnforschern vorgeschlagenen naturalistischen Standpunkt ein. Es fragt nach dessen Plausibilität hinsichtlich der Begründung unseres Schuldstrafrechts und den damit verbundenen Grundlagen philosophischer Ethik. Dabei erinnert sein Autor daran, dass unsere herrschenden Ethiken ein moralisierendes Werturteil unkritisch voraussetzen. Der Grund der Ethik scheint jenseits der Naturerklärungen zu liegen und sie erklären sich jeweils a priori für gut. Diese Zirkelhaftigkeit der Begründung von Ethik in den Konzepten einer Vernunftethik ist in den biologischen Begründungen von Ethik und Moral überwunden. Ethik und Moral fügen sich vollständig in den Nutzen der Lebensfunktionen menschlicher Individuen und ihrer sozialen Gemeinschaft ein. Der Autor spricht sich dafür aus, den Sinn juristischer Konzepte von Schuld und Strafe als eine Herausforderung anzunehmen, statt sie als eine Bedrohung für herrschende Systeme abzuwehren.

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Vorwort von Klaus-Jürgen Grün 9

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9 Vorwort Michel Friedmans philosophische Dissertation erinnert daran, dass unsere herr- schenden Ethiken einen dogmatischen Grundzug enthalten, den sie jedoch selbst nicht zum Thema ihrer Forschungen machen. Das Dogma beruht auf der These, dass Ethik stets durch Vernunft begründet und ausschließlich etwas Gutes sein müsse, dass sie niemals der Bestätigung oder Widerlegung ihrer Grundlagen durch Empirie bedürfe. Durch dieses Dogma ist eine unnötige Debatte über die Bedeutung der Hirnforschung für unsere Begriffe der Schuld, der Verantwor- tung und der Strafe entstanden. Es führt vor allem aber ein wertendes Urteil in die Theorie der Ethik ein, wodurch, wie Friedman zu Recht mit Luhmann her- vorhebt, aus unseren Ethiken „moralisierende Ethiken“ werden. Entgegen dieser verbreiteten Zirkelhaftigkeit der Begründung von Ethik nimmt Friedman zunächst den von Hirnforschern wie Gerhard Roth, Hans Markowitsch sowie anderen vorgeschlagenen naturalistischen Standpunkt ein, um nach dessen Plausibilität hinsichtlich der Begründung unseres Schuldstrafrechts und der da- mit verbundenen Grundlagen philosophischer Ethik zu fragen. Indem er für den für philosophische Dissertationen nach wie vor unüblichen Standpunkt der Bio- logie nicht ausblendet, kann er zeigen, wie sich Ethik und Moral vollständig in den Nutzen der Lebensfunktionen menschlicher Individuen und ihrer sozialen Gemeinschaft einfügen. Die Annahme, dass wir mit Ethik und Moral sowie mit der Zuschreibung von Schuld und Verantwortung den Rahmen der natürlichen Lebensgrundlagen verlassen hätten und eine eigenständige Sphäre des Geistes gegenüber der Natur postulieren müssten, erweist...

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