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Schuldlose Verantwortung

Vorgaben der Hirnforschung für Ethik und Strafrecht

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Michel Julien Friedman

Das Buch nimmt den von Hirnforschern vorgeschlagenen naturalistischen Standpunkt ein. Es fragt nach dessen Plausibilität hinsichtlich der Begründung unseres Schuldstrafrechts und den damit verbundenen Grundlagen philosophischer Ethik. Dabei erinnert sein Autor daran, dass unsere herrschenden Ethiken ein moralisierendes Werturteil unkritisch voraussetzen. Der Grund der Ethik scheint jenseits der Naturerklärungen zu liegen und sie erklären sich jeweils a priori für gut. Diese Zirkelhaftigkeit der Begründung von Ethik in den Konzepten einer Vernunftethik ist in den biologischen Begründungen von Ethik und Moral überwunden. Ethik und Moral fügen sich vollständig in den Nutzen der Lebensfunktionen menschlicher Individuen und ihrer sozialen Gemeinschaft ein. Der Autor spricht sich dafür aus, den Sinn juristischer Konzepte von Schuld und Strafe als eine Herausforderung anzunehmen, statt sie als eine Bedrohung für herrschende Systeme abzuwehren.

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7. Fazit 223

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223 7. Fazit Die in dieser Studie vorgestellten Argumente weisen darauf hin, dass die Selbst- verständlichkeit der Annahme, es müsse ein freier Wille jeder moralischen Handlung vorausgesetzt werden, keineswegs unproblematisch ist. Die mit dieser Annahme verbundenen Probleme werden derzeit im Rahmen der Diskussion um eine Reform des Schuldstrafrechts am deutlichsten offenkundig. Dabei verhärtet sich der Verdacht, dass die Autoren, die das auf Willensfreiheit gegründete Schuldstrafrecht verteidigen, die Bedeutung eines von ihnen angenommenen freien Willens nicht verstanden haben. Ihre Annahmen führen in den zur Diskus- sion gestellten Untersuchungen zu Aporien, die ihnen selbst nicht bewusst ge- worden sind. Die Beschäftigung mit der Rechtspraxis im Strafrecht hat uns auf innere Widersprüche in der Annahme eines freien Willens geführt. Dadurch er- fährt die Annahme der Notwendigkeit eines freien Willens nahezu dieselben Vorwürfe aus der Rechtspraxis des Strafrechts wie von Seiten der Hirnfor- schung. Die gegen die Interpretation der Forschungsergebnisse der neueren Hirnforschung hervorgebrachte Verteidigung der Willensfreiheit stützt sich auf die Vermutung, dass Straftäter nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden könnten, wenn wir nicht am freien Willen festhalten würden. Sowohl aus Sicht der Neurobiologie als auch aus Sicht eines leistungsfähigen und widerspruchs- frei begründeten Strafrechts erweist diese Vermutung sich beim genaueren Hin- schauen als unbegründet. Der Verfasser dieser Arbeit hält es für geboten, dass beispielsweise die Vor- schläge des Strafrechtlers Reinhard Merkel zur Reform des Strafrechts Eingang in die philosophische Diskussion der Begründung...

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