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Sprachmythen – Fiktion oder Wirklichkeit?

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Lieselotte Anderwald

Die Beiträge in diesem Band untersuchen Mythen und Mythenbildung im Reiche der Sprache: Hat Englisch wirklich keine Grammatik, ist Latein logischer als andere Sprachen, verdirbt das Internet die Sprache, und werden Fragen immer mit ansteigender Intonation gesprochen? Die Beiträge kommen aus der Germanistik, Anglistik, Romanistik, Latinistik, Frisistik sowie der experimentellen Phonetik. Sie beschäftigen sich mit historischen und gegenwärtigen Sprachen, mit Teilbereichen der Grammatik sowie der Aussprache und untersuchen Dialekte, Dialektwahrnehmung, gesprochene und geschriebene Sprache sowie Sprache im Internet.

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Christina A. Anders (Kiel): „Platt is nich uncool“ – Zu den „coolsten“ und „uncoolsten“ Dialekten des Deutschen und ob das schon immer so war

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„Platt is nich uncool“1 – Zu den „coolsten“ und „uncoolsten“ Dialekten des Deutschen und ob das schon immer so war Christina A. Anders (Kiel) 1. Einleitung Kaum jemand kann von sich behaupten, dass er trotz seiner grundsätzlichen Of- fenheit, Toleranz oder seines Interesses den zahlreichen Dialekten des Deut- schen gegenüber nicht doch den einen Dialekt lieber hört als den anderen. Ob Bairisch, Obersächsisch, Schwäbisch, Berlinisch oder niederdeutsches Platt – oftmals reicht bereits die einfache Benennung von Dialekten für die Aktivierung von mehr oder weniger stark ausgeprägter Sympathie aus. Dabei kann häufig das Phänomen beobachtet werden, dass dieses Sympathieempfinden den Dia- lektsprechern gegenüber unmittelbar auf den Dialekt übertragen wird. Der fol- gende Beitrag widmet sich diesem Phänomen, das – zugespitzt formuliert – auch als Mythos „sympathischer“ und „unsympathischer“ Dialekte bezeichnet werden kann. Begründungen für die Beliebtheit von Dialekten bieten die sprachwissen- schaftlichen Disziplinen „Sozio-Dialektologie“ (vgl. LÖFFLER 2010: 127ff.) und „Wahrnehmungsdialektologie“ (ANDERS 2010) an. Wenn es um die Vorlieben, um Sympathien oder Vorurteile gegenüber Dialekten und ihren Sprechern geht, wird innerhalb dieser Disziplinen nicht mehr vom „Dialekt“, sondern vom „Dia- lektkonzept“ gesprochen, das sich zu großen Teilen aus den Assoziationen, die bereits bei einem minimalen Stimulusreiz, wie bspw. der Erwähnung einer Dia- lektbezeichnung, gebildet werden, zusammensetzen. Während Fragen zur Aktivierung, zur Funktion und zum Vorkommen von Dialektkonzepten weitgehend beantwortet werden können, bleibt die Frage nach dem Beginn einer solchen Konzeptualisierung offen. Am ehesten ließe sich...

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