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Eine an sich mittelmäßige Frage

Der deutsch-dänische Konflikt 1864

Karl-Otto Hagelstein

Der deutsch-dänische Konflikt des Jahres 1864 spielt in der deutschen Geschichtswissenschaft eine eher untergeordnete Rolle. Vornehmlich wird er nur als Auftaktveranstaltung und militärischer Probelauf zur deutschen Einigung gesehen. Bismarcks im Titel aufgegriffene Einschätzung ist auch hierin wirkmächtig geblieben. Die politischen und rechtlichen Positionen der kleineren deutschen Staaten wurden ebenso häufig ignoriert wie die des Prätendenten Friedrich von Augustenburg. Ein noch geringerer Stellenwert wird der dänischen Seite mit ihrem Konfliktpotential zwischen Nationalliberalen und Gesamtstaatlern eingeräumt. Diese Haltung übersieht die Nachwirkung, die der Konflikt auf die dänische Mentalität im Grunde bis heute hat. Die Darstellung versucht, die diversen politischen Interessenlagen, ihre Einbindung in den Rechtsrahmen der Verfassung des Deutschen Bundes sowie auf internationaler Ebene in die politischen Konstellationen zwischen den europäischen Großmächten zu einer Gesamtperspektive zu verbinden. Damit strebt sie eine Würdigung dieser Auseinandersetzung an, die über die nationalpolitische Begrenzung der preußisch-kleindeutschen Lösung hinausweist.

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Resümee

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Der Verlust Norwegens 1814 war ein Aderlaß für den dänischen Staat, aber noch war das Reich ein multinationaler Gesamtstaat und im gesamteuropäischen Rahmen ein Mittelstaat mit einer gewissen politischen Bedeutung aufgrund seiner geostrategischen Lage. Mit dem Verlust der Elbherzogtümer war beides vorbei, und die Dänen mußten sich in einem Kleinstaat einrichten. Ihr preußischer Gegner hatte am Ende nicht nur über sie, sondern auch über den Deutschen Bund und seinen zeitweiligen Alliierten Österreich triumphiert. Wenige Jahre nach dem Wiener Frieden stand das Deutsche Reich als der Machtfaktor Europas da, während die Niederlage für die Dänen zu einem bis heute nachwirkenden Trauma wurde. Und dennoch ist dem dänischen Historiker Uffe Østergaard zuzustimmen: Auf lange Sicht war der Ausgang positiv für Däne- mark, und Deutschland – und damit auch Schleswig-Holstein – bekam er schlecht. Der Gesamtstaat hatte bereits die letzten zwölf Jahre in Agonie gelegen. Das Sy- stem von 1851/52 war ihm im Grunde von außen übergestülpt worden.Zwar gab es auf beiden Seiten der Königsau immer noch welche, und nicht nur Konservative, die sich noch mit ihm identifizieren mochten, doch sie gehörten einer aussterbenden Rasse an. Mangelndes Fingerspitzengefühl im Verwaltungshandeln auf der einen Seite traf auf der anderen auf grundsätzliche Verweigerungshaltung, der Freiheitsaspekt innerhalb der beiderseitigen Liberalismen hatte dem nationalen Vorurteil weichen müssen, und der Mangel an konstruktiver Problemlösungsbereitschaft seitens des Deutschen Bun- des hatte schließlich am Sund zu einer fatalistischen Einstellung...

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