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Vom Zorne Gottes und vom Zorn des Menschen

Plädoyer für eine nachbiblische Emotionalität

Dankwart Kirchner

Diese Arbeit untersucht die biblischen Beschreibungen und Bewertungen von Gefühlen. Der Zorn Gottes und der Zorn des Menschen stehen dabei zunächst im Zentrum, doch später wird der Blickwinkel auf das generelle christliche Problem der Leiblichkeit, des Umgangs mit dem Körper und seiner Gefühle erweitert. Die Arbeit sucht nach einer Lösung der Diskrepanz zwischen heutigem und biblischem Welt- und Gefühlsverständnis. Sie plädiert für eine Auslegung biblischer Texte im Sinne des heutigen Denkens, um mit einem nachbiblischen Verständnis von Emotionalität neu über das Christliche nachdenken zu können. Die Weichen hierzu wurden bereits im antiken Griechenland gestellt: Die Vorstellung, dass Gefühle außerhalb des Menschen entstehen und von Göttern oder Dämonen hervorgerufen werden, wurde abgelöst durch das Verständnis, dass Gefühle im Menschen selbst entstehen – und auch von ihm verantwortet werden.

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8. Fazit

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Die eingangs dem Zorne Gottes und dem Zorn des Menschen gewidmete Frage- stellung wurde im Laufe der Abhandlung erweitert. Die Emotionalität des Men- schen sollte grundsätzlich betrachtet werden. Dabei fiel auf, dass bereits Jesus in seiner Botschaft und für sein Anliegen bestimmte menschliche Gefühle zu Ge- setzesverstößen und somit zur Sünde erklärt hatte. Aufgefallen war auch, dass ein Choraltext mit gewissem Alter ausgewählt, gedruckt und gesungen werden kann, ohne seine Aussage, d.h. seine Ausführbarkeit, zu berücksichtigen. Die für den Pietismus von W. Temme festgestellte „Krise der Leiblichkeit“ wurde als schon vom Alten Testament über Jesus und Paulus bis zu uns heute reichend argumentativ behauptet. Das wesentliche Merkmal dieser Krise ist die Auffas- sung einer Verbindung, ja Verwurzelung menschlicher Gefühle in guten Sphä- ren und Mächten und in widergöttlichen Geistern und Sphären außerhalb des Menschen. Vom „Geist des Zorns“ konnte gesprochen werden, um auszudrü- cken, dass der Mensch in einen Bereiche außerhalb seiner Person gelangt ist. In noch stärkerem, grundlegendem Maße schließt die Ansicht des Paulus den Men- schen in die widergöttliche Sünde ein, wenn schon das Leben im Fleisch und das Wandeln nach dem Gesetz des Fleisches genügen, um von Feindschaft gegen Gott zu sprechen. Da Ironisierung und Vorwürfe, zu denen der Apostel Paulus in für ihn schwierigen Auseinandersetzungen greift, einen Konflikt nicht klären können, sollte eine andere Strategie zur Konfliktl...

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