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Die Schule der Janitscharen

Aus dem Polnischen übersetzt von Christoph Koch

Alojzy Twardecki

Alojzy Twardeckis Schule der Janitscharen ist das bislang einzige Buch, das aus dem Munde eines Betroffenen in der Rückschau des jungen Erwachsenen über das Schicksal Tausender von Kindern aus den von Deutschland im Zweiten Weltkrieg eroberten Ländern berichtet. Diese Kinder wurden, da blond und blauäugig, im Rahmen des nationalsozialistischen Programms der «Rettung deutschen Blutes» der «Eindeutschung» für würdig befunden, ihren Eltern gewaltsam fortgenommen, in Kinderheimen einer Umerziehung zur Auslöschung ihrer tatsächlichen Identität unterzogen und endlich mit deutschem Namen, deutschem Lebenslauf und nationalsozialistischem Bewußtsein im «Reich» in Pflege durch systemkonforme Familien gegeben. Der Hauptteil des Buches berichtet über die jahrelangen Auseinandersetzungen zwischen der leiblichen Mutter und der Adoptivfamilie, zwischen den polnischen und deutschen Behörden um den Besitz des glücklich wiedergefundenen Kindes, das sich endlich bei einem Besuch der polnischen Mutter für den Verbleib in Polen entschied. Das Buch zeichnet ein eindringliches Bild der im Schatten des Dritten Reiches entstehenden westdeutschen Nachkriegsrepublik und der deutsch-polnischen Beziehungen im Zeichen des fortschreitenden Kalten Krieges. Ebenso eindringlich ist das Bild des bleibenden Niederschlags dieser Verwerfungen in der Psyche des Kindes, das die Kluft zwischen seiner deutschen und seiner polnischen Identität im späteren Leben nie gänzlich zu schließen vermochte. Das Vorwort des Buches gibt einen Überblick über die Behandlung des Themas der nationalsozialistischen Eindeutschungspolitik in Wissenschaft und gesellschaftlichem Bewußtsein auf beiden Seiten der deutsch-polnischen Grenze. Dem Buch sind Dokumente zur nationalsozialistischen Rasse- und Siedlungspolitik und zur Repatriierung des Autors beigegeben.

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Dokumente deutscher Behörden 1939–1942

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3 Nr. 1107 Reichsführer SS Berlin, 28. Oktober 1939 und Chef der Deutschen Polizei im Reichsministerium des Inneren SS-Befehl für die gesamte SS und Polizei Jeder Krieg ist ein Aderlaß besten Blutes. Mancher Sieg der Waffen war für ein Volk zugleich eine vernichtende Niederlage seiner Lebenskraft und seines Blutes. Hierbei ist der leider noch notwendige Tod der besten Männer, so bedauernswert er ist, noch nicht das Schlimmste. Viel schlim- mer ist das Fehlen der während des Krieges von den Lebenden und der nach dem Krieg von den Toten nicht gezeugten Kinder. Die alte Weisheit, daß nur der ruhig sterben kann, der Söhne und Kinder hat, muß in diesem Kriege für die Schutzstaffel wieder zur Wahr- heit werden. Ruhig kann der sterben, der weiß, daß seine Sippe, daß all das, was seine Ahnen und er selbst gewollt und erstrebt haben, in den Kindern seine Fortsetzung findet. Das größte Geschenk für die Witwe eines Gefalle- nen ist immer das Kind des Mannes, den sie geliebt hat. Über d ie Grenzen v ie l le icht sons t notwendiger bürger- l icher Gese tze und Gewohnhei ten h inaus wird es auch außer- halb der Ehe für deutsche Frauen und Mädel guten Blutes e ine hohe Aufgabe sein können, nicht aus Leichtsinn, sondern in tiefstem sittlichen Ernst Mütter der Kinder ins Feld ziehender Soldaten zu werden, von denen das Schicksal allein das108 weiß, ob die heimkehren oder f...

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