Show Less

Die Dialektik des Geheimnisses

Series:

Edited By Grazyna Kwiecinska

Was mag «Dialektik des Geheimnisses» heißen? Geheimnisse können enthüllt werden, wenn auch nicht immer mit Erfolg, und es gibt offene Geheimnisse, von denen nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen wird. Doch es gibt auch Geheimnisse, die es bleiben und über die man nur Vermutungen anstellen kann, zumal auf den Spuren der hermetischen Literatur. Es ist eine Hermetik, die sich nicht in gewöhnlicher Kommunikationsverweigerung erschöpft, sondern – mit Adorno gesprochen – dialektisch verfasst ist: Ihr Schweigen soll als ein Zeichen, als eine öffentliche Bekundung im weitesten Sinne verstanden werden. Der Betrachtungszeitraum dieses Bandes beginnt im 18. Jahrhundert mit Hamann, Goethe und Novalis. Von dort aus wird ein Bogen ins 21. Jahrhundert geschlagen, bis hin zu Yoko Tawadas Celan-Übersetzung und der Holocaustliteratur der dritten Generation. Das behandelte Textfeld umfasst über die klassische Sphäre hinaus auch politische Programme und kulturphilosophische Entwürfe. Dementsprechend reicht die Bandbreite der verwendeten Methodologien von Ideen- und Diskursgeschichte bis hin zur Textrhetorik, Intertextualität und Intermedialität.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Heinz Hillmann: Über Gott reden – in Mythos, Poesie und Religion

Extract

Über Gott reden – in Mythos, Poesie und Religion Heinz Hillmann Vorbemerkung. Diese ältere Arbeit über die menschliche Gottesrede habe ich auf Wunsch von Warschauer Kollegen hier einrücken sollen und nach langer Partnerschaft auch gern einbringen wollen. Nun freilich, etwas verändert, im Rahmen des Geheimnis-Begriffs. Das habe ich mit dafür vielleicht brauchbaren Theoremen von Georg Simmel und Niklas Luhmann versucht. Niklas Luhmann hat in seinem zweibändigen soziologischen Vermächtnis Die Gesellschaft der Gesellschaft (1997) auch ein Kapitel über „Die Geheimnis- se der Religion und die Moral“ geschrieben. Da Luhmann seinem system- und zeichentheoretischen Ansatz entsprechend jede Gesellschaft als ein sich ab- schließend organisierendes System und Ensemble seiner Teilsysteme, be- schreibt, das seine umgebende Welt und Wirklichkeit bezeichnen und dafür Un- terscheidungen brauchen muss, formuliert er auch Religion als Systemtranszen- denz. „Alles Beobachten muß unterscheiden, um etwas bezeichnen zu können, und sondert dabei einen ‚unmarked space’ ab, in den der Letzthorizont der Welt sich zurückzieht“, wodurch eine „alles Erfassbare begleitende Transzendenz“ entsteht, und zwar so, dass die „Rückbindung des Unbezeichenbaren an das Be- zeichenbare“ als ‚religio’ erscheint.1 Etwas einfacher heißt es dann: „In ihren Ursprüngen ist Religion am besten zu begreifen, wenn man sie als eine Seman- tik und Praktik versteht, die es mit der Unterscheidung von Vertrautem und Un- vertrautem zu tun hat“, wobei sie das Unvertraute dadurch bezeichenbar, ver- traut und kommunizierbar macht, dass es die „Götterwelt ... durch ein Hineinko- pieren gesellschaftlicher Strukturen diszipliniert..., vor allem in Form...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.