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Die Dialektik des Geheimnisses

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Edited By Grazyna Kwiecinska

Was mag «Dialektik des Geheimnisses» heißen? Geheimnisse können enthüllt werden, wenn auch nicht immer mit Erfolg, und es gibt offene Geheimnisse, von denen nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen wird. Doch es gibt auch Geheimnisse, die es bleiben und über die man nur Vermutungen anstellen kann, zumal auf den Spuren der hermetischen Literatur. Es ist eine Hermetik, die sich nicht in gewöhnlicher Kommunikationsverweigerung erschöpft, sondern – mit Adorno gesprochen – dialektisch verfasst ist: Ihr Schweigen soll als ein Zeichen, als eine öffentliche Bekundung im weitesten Sinne verstanden werden. Der Betrachtungszeitraum dieses Bandes beginnt im 18. Jahrhundert mit Hamann, Goethe und Novalis. Von dort aus wird ein Bogen ins 21. Jahrhundert geschlagen, bis hin zu Yoko Tawadas Celan-Übersetzung und der Holocaustliteratur der dritten Generation. Das behandelte Textfeld umfasst über die klassische Sphäre hinaus auch politische Programme und kulturphilosophische Entwürfe. Dementsprechend reicht die Bandbreite der verwendeten Methodologien von Ideen- und Diskursgeschichte bis hin zur Textrhetorik, Intertextualität und Intermedialität.

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Krzysztof Tkaczyk: Verrätselung, Verwirrung, Verunsicherung. Erzählstrategien in Hugo Balls Tenderenda der Phantast

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Verrätselung, Verwirrung, Verunsicherung. Erzählstrategien in Hugo Balls Tenderenda der Phantast Krzysztof Tkaczyk Zwischen 1914 und 1920 arbeitete Hugo Ball, Dramaturg, Redakteur, Kabaret- tist, Dichter, Kunsttheoretiker der Moderne, Urheber des legendären Cabaret Voltaire und Biograf Hermann Hesses, ein Intellektueller, der sich, wie in seiner intellektuellen Biographie von Wiebke-Marie Stock heißt, „mit poetischen In- novationen, radikalen geschichtsphilosophisch-politischen Essays, weitschichti- gen Kommentaren zur zeitgenössischen Entwicklung der Kunst und hagiogra- phischen Utopien zur religiösen Krise der Moderne“1 an den wichtigen geistigen Auseinandersetzungen des ersten Drittels des 20. Jahrhunderts beteiligte, an dem Roman Tenderenda der Phantast, über den er am 17. Juli 1920 in sein Tagebuch Die Flucht aus der Zeit niederschrieb: Heute habe ich nun auch den „Phantastischen Roman“ beendet. Er soll „Tendrenda“ heißen, nach Laurentius Tenderenda dem Kirchenpoeten, von dem darin zuletzt die Rede ist. Ich kann das Büchlein nur mit jenem wohlgefügten magischen Schrein vergleichen, worin die alten Juden den Asmodai eingesperrt glaubten. Immer wieder in all den sieben Jahren habe ich mich zwischen Qualen und Zweifeln mit diesen Worten und Sätzen verspielt. Nun ist das Büchlein fertig geworden und ist mir eine liebe Befreiung.2 Die jahrelange Arbeit an dem „Schlüsselroman des literarischen Dadaismus“3, wie Claudia Rechner-Zimmermann den Ballschen Phantasten-Roman nennt, deutet auf die große Relevanz hin, die dieses Projekt für ihn hatte. „Wenn die Dinge erschöpft sind, kann ich nicht länger dabei verweilen, Das ist mir von Na- tur so gegeben.“4 notiert...

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