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Sozio-ökonomische Aspekte der Regulierung der Rechnungslegung

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Tim-Frederik Oehr

In den meisten OECD-Ländern ist ein substantieller Wandel der Rechnungslegung feststellbar: Privatisierung und Internationalisierung der Regulierung. Letztendlich hat der Prozess zu einer global wachsenden Bedeutung des IASB und der IFRS geführt. Erklärungsansätze, die bisher eher auf funktionalistischen, ökonomischen Denkmustern beruhen, greifen jedoch zu kurz, insbesondere bei einer Begründung der veränderten Interventionsstaatlichkeit. Wohlfahrtsstaatlichkeit als Ausdruck eines gesellschaftlichen Interesses an Regulierung sowie soziale Netzwerke werden in dieser Arbeit herangezogen, um offene Fragen der Persistenz und Konvergenz unterschiedlicher nationaler Rechnungslegungsregulierungen zu thematisieren. Damit wird ein ergänzender Beitrag zur Erklärung der Dualisierung der Rechnungslegung in kontinentaleuropäischen Ländern sowie der zeitlichen Verzögerung der IFRS-Diffusion geleistet.

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2 Theoretische und empirische Aspekte der Veränderungen in der Rechnungslegungsregulierung

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2.1 Institutionenverständnis in den Gesellschaftswissenschaften 2.1.1 Historische Einordnung Seit der Wiederentdeckung der Bedeutung von Institutionen im gesellschaftli- chen Miteinander in den 1980er Jahren spielt die Einbeziehung institutioneller Aspekte eine einflussreiche Rolle für die Erklärung und Interpretation politi- scher, ökonomischer und gesellschaftlicher Phänomene (z. B. North, 1986; Hall/ Taylor, 1996; Thelen, 1999; Peters, 2005). Neoinstitutionalismus, Neuer Institu- tionalismus oder Neue Institutionenökonomik stehen seitdem stellvertretend für die verschiedenen neuen Theorieströmungen bzw. -ansätze, die sich in verschie- denen Forschungsdisziplinen der Gesellschaftswissenschaften, insbesondere den Politik- und Wirtschaftswissenschaft sowie der Soziologie, herausgebildet ha- ben. Geformt wurden die Begrifflichkeiten durch Titel wie beispielsweise Rediscovering Institutions von March/Olsen (1989) oder The New Institutional Economics von North (1986). Es sollte zum einen das sich neu entwickelnde Interesse an der Entstehung und Wirkung institutioneller Faktoren zum Aus- druck bringen, und zum anderen handelte es sich um eine Wiederentdeckung bzw. ̻belebung alter Forschungszweige in den jeweiligen Disziplinen handelte. Auf Basis ihrer disziplinären Herkunft können drei wesentliche Hauptströ- mungen unterschieden werden: (1) der neue ökonomische Institutionalismus, (2) der politikwissenschaftliche Institutionalismus und (3) der soziologische Institu- tionalismus (stellvertretend Jansen, 2000: 3-4.; Grande/Kaiser, 2004: 220). Es bestehen zwar auch feinere Taxonomien wie etwa von Peters (2005: 19-21), der sieben institutionalistische Strömungen unterscheidet. Im Folgenden wird jedoch die gebräuchliche Troika der Institutionalismen beibehalten, da in dieser Arbeit lediglich die grundlegenden Unterschiede im Verständnis von Institutionen rele- vant sind. Die neuen institutionalistischen Sichtweisen traten in Konkurrenz zu den tradierten Forschungsparadigmen innerhalb...

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