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Wissenschaftskommunikation im Vergleich: Fallstudien zum Sprachenpaar Deutsch-Italienisch

Fallstudien zum Sprachenpaar Deutsch-Italienisch

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Dorothee Heller

Die in diesem Band zusammengeführten Studien zum Sprachgebrauch deutsch- und italienischsprachiger Autoren sowie Übersetzer wissenschaftlicher Texte gehen den folgenden Fragen nach: Wie wird forschendes und sprachliches Handeln einzelsprachlich umgesetzt? Welche Ressourcen der beiden Sprachen werden in diesem Zusammenhang in besonderer Weise genutzt? Behandelt werden zum einen signifikante Ausschnitte aus der deutschen und italienischen Sprach- und Wissenschaftsgeschichte. Zum anderen wird anhand von Daten aus einem Paralleltextkorpus aufgezeigt, wie italienische und deutschsprachige Autoren heute verfahren, wenn sie ihre Leser im Text- und Wissensraum orientieren sowie Forschungstätigkeiten und damit verbundene sprachliche Handlungen verbalisieren. Besondere Aufmerksamkeit wird der Verwendung deiktischer und verbaler Ausdrucksmittel zuteil, die auf den ersten Blick unauffällig sind, für die Übersetzung aber nicht unerhebliche Herausforderungen mit sich bringen.

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1 Einleitung

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1.1 Forschungszusammenhang Die Förderung der Mehrsprachigkeit ist ein Anliegen der Europäischen Union. Nach den Grundlinien, die in der ersten Mitteilung der für diese Thematik ins Amt gesetzten Kommission dargelegt werden, will die EU "alle Bürgerinnen und Bürger ermutigen, mehr Sprachen zu lernen und zu sprechen"2. Diesem Leitgedanken wird von den (Bildungs-)Institutionen in vielen Fällen nicht mit entsprechender Konsequenz Rechnung getragen (vgl. die Beiträge in Red- der/Ehlich 2008). Die Förderung der Mehrsprachigkeit weicht einer Politik der Selektion und Reduktion, die einem vereinfachenden Verständnis von Interna- tionalisierung geschuldet ist (s. Hornung 2011a). Entwicklungen, die mit diesem Paradoxon einhergehen, sind von Calaresu (2011) mit Blick auf internationale und regionale Szenarien beispielhaft aufgezeigt worden. Die Wissenschaftskommunikation ist von dem Trend zur sprachlichen Ver- einheitlichung in besonderer Weise betroffen. Bereits Mitte der achtziger Jahre fasst Harald Weinrich – unter Berücksichtigung fachgebundener Entwicklungen – die fortschreitende sprachliche Vereinheitlichung damit zusammen, dass die englische Sprache in "nicht wenigen Wissenschaften (…) heute als die Wissen- schaftssprache schlechthin gelten [kann] und (…) also eine ähnliche Stellung [hat] wie das Wissenschaftslatein im Mittelalter" (Weinrich 1985: 215). Ange- sichts der sprachlichen Gebundenheit wissenschaftlicher Erkenntnisgewinnung, der unterschiedlichen Wissenschaftskulturen und disziplinenspezifischen Tradi- tionen bekommt der sukzessive Rückgang der deutschen Wissenschaftssprache besonderes Gewicht (vgl. z.B. Ehlich 2006, Mocikat 2008). Welche Perspektiven dem Deutschen, das Anfang des 20. Jahrhunderts noch zu den vorherrschenden Wissenschaftssprachen der Welt gehörte, im internatio- nalen wissenschaftlichen Austausch verbleiben, ist in den letzten beiden Jahr- zehnten wiederholt diskutiert worden.3 Auch in...

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