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Intonation

Akustische Realität und perzeptiver Eindruck

Claudia K. Ohl

Die Arbeit untersucht anhand akustischer und perzeptiver Daten, ob es im Deutschen tatsächlich, wie allgemein angenommen, einheitliche und satztypspezifische Anpassungsstrategien für Intonationsverläufe in bestimmten segmentellen Kontexten gibt – Trunkierung und Kompression. Anhand eines umfangreichen Lesesprachekorpus mit 26.000 Äußerungen von 30 Sprechern konnte gezeigt werden, dass Sprecher keine universellen, sondern individuelle Strategien verwenden. Durch die Analyse des Spontansprachekorpus und eines Perzeptionsexperiments wird zudem deutlich, dass Hörer und Sprecher gleichermaßen eine Vielzahl an Merkmalen neben der Intonation zur Kodierung, bzw. Dekodierung, von Satztypen verwenden (u.a. Semantik).

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EXPERIMENTELLER TEIL

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8Experiment 1: Aufnahmen und Analyse von Lesesprache 8.1 Einleitung In diesem Teil der Arbeit werden das Material, die Durchführung und die Ergebnisse der Aufnahmen der gelesenen Sprache vorgestellt. Dieses Experiment ist, wie bereits zuvor angedeutet, eine Weiterführung der Untersuchungen meiner Magisterarbeit (Ohl 2008; S. 75f.). Diese zeigte im Wesentlichen, dass es wortgruppenspezifische und sprecherindi- viduelle Anpassungsstrategien und -effekte gab, die verwendet wurden, ummit fehlendem oder nur knappem stimmhaftem Material auszukommen. Die Verwendung gelesener Sprache bietet einen sehr kontrollierten Rahmen, der es ermöglicht, Zielwörter in ganz bestimmten Kontexten produzieren zu lassen. Zum einen ist das Textmaterial vorgegeben, also eine semantische Beschränkung, und zum anderen ist es bereits mit Satzzeichen versehen, hat also auch eine syntaktische Beschränkung und legt dem Sprecher so bereits eine klare Gliederung vor. Dies ist wichtig, um eine spre- cherabhängige Gliederung einer Äußerung in Intonationsphrasen weitestgehend zu unter- binden. In der vorliegenden Untersuchung wurde besonders darauf geachtet, dass die ein- zelnen zu produzierenden Sätze kurz sind und dem Sprecher damit nicht viel Spielraum bieten, eine eigene Gliederung vorzunehmen. Natürlich bleiben dem Sprecher dennoch gewisse Freiheiten bei der Produktion der Intonationskontur, selbst wenn Akzentposi- tion und Kontext vorgegeben sind, wie unter anderem die Gipfelposition (Gartenberg & Panzlaff-Reuter 1991:70), der Grad der Steigung oder die Dauer. Dieses erste Experiment kann zudem als Voruntersuchung für die in Kapitel 10 (S. 127ff.) vorgestellte Untersuchung spontansprachlicher Daten betrachtet werden. Mit- 87 tels der hier sehr kontrolliert durchgeführten Aufnahmen konnte problemlos ermittelt...

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