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Personalisierung in TV-Nachrichtensendungen

Eine Zeitreihenuntersuchung der Hauptabendnachrichtensendungen von ARD und RTL von 1983 bis 2005

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Christian Anders

Die Studie beschäftigt sich mit der Frage nach Personalisierungstendenzen in den Hauptnachrichtensendungen privater und öffentlich-rechtlicher Sendeformate am Beispiel von ARD und RTL. Theoretisch sprechen parteipolitische Veränderungen, solche in der Wählerschaft und ein aus der Dualisierung des Rundfunksystems unterstellter Konvergenzprozess beider Sendekonzepte für eine zunehmende Personalisierung. Empirisch lässt sich eine Zunahme an Personalisierung nachweisen. Insbesondere häufen sich Nachrichtensendungen und Nachrichtenbeiträge, in denen die Spitzenkandidaten von CDU und SPD visualisiert werden. In dem Maße, in dem dies geschieht, schwindet ein Kanzlerbonus in der Berichterstattung und eine Bedeutungszunahme eines sogenannten horse-race-journalism wird nachweisbar.

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A. Einleitung

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SozialwiSSenSchaftliche MeSSungen verbinden drei verSchiedene ebenen Miteinander. Konzepte, indiKatoren und die eMpiriSche realiät (Schnell/hill/eSSer 1992: 141). Spätestens den Bundestagswahlskämpfen der 1990er Jahre wird attestiert, in besonderer Weise deutlich gemacht zu haben, dass sie vor allem „Medienwahl- kämpfe“ gewesen seien (holtz-bacha 1999: 1). Ein Professionalisierungsschub im Bereich der Politik wurde in der Bundesrepublik jedoch bereits in den 1980er Jahren festgestellt (Schweda/opherden 1995: 119). Verschiedene Aspekte, die eine Professionalisierung oder etwa einen Einzug kommerzieller Methoden in die Wahlwerbung beschreiben, werden häufig unter dem Oberbegriff „Amerikanisierung“ geführt. Dieser Begriff beschreibt die Übernahme von oder die Annäherung an US-amerikanische Wahlkampfmethoden (Schulz 1998: 378/pfetSch 2001: 27). In der wissenschaftlichen Literatur wird der Begriff „Amerikanisierung“ aufgrund seiner negativen Konnotation durchaus kritisch dis- kutiert (Ebd.) Darüber hinaus unterstelle er eine kulturell-soziale Entwicklung wo faktisch eher nach technisch-kulturellen Entwicklung zu fragen sei. Ganz unabhängig von dieser Diskussion über Ursachen herrscht in Bezug auf die grundlegenden Eigenschaften der genannten Entwicklungen weitestgehende Einigkeit (Keil 2003: 70). Dabei werden die veränderte Wahlkampfführung und die mithin auftretenden Phänomene der Professionalisierung, Entideologisierung und Personalisierung beschrieben. Es ist naheliegend, dass die vermuteten Ent- wicklungen von weitreichender Bedeutung für den Bereich der Politikvermittlung sind. Wie zu zeigen sein wird, kommen interdisziplinäre Zugänge zu politischer Personalisierung jedoch zu unterschiedlichen Bewertungen des Phänomens. In Bezug auf die mit Personalisierung einhergehende spezielle Ausprägung des Wahlkampfes herrscht hingegen Einigkeit. Festgestellt wird insbesondere eine professionelle Entsachlichung und Entpolitisierung von Politik. Diese wird mit...

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