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Habsburg bewegt

Topografien der Österreichisch-Ungarischen Monarchie

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Edited By Miklós Fenyves, Amália Kerekes, Bálint Kovács and Magdolna Orosz

Die Aufsätze dieses Bandes befassen sich mit Raumvorstellungen, die sich in Österreich-Ungarn ausgeprägt und über die Zeit der Doppelmonarchie hinweg weitergewirkt haben. Trotz ihrer thematischen Vielfalt, die von der Belletristik über den Journalismus bis zur Musik und den visuellen Künsten reicht, berühren sich die Beiträge in Fragen des inneren Exotismus, der touristischen Projektionen und der sozialen bzw. infrastrukturellen Utopien sowie in der Anwendung methodologischer Ergebnisse der kulturwissenschaftlichen Raumforschung. Sie machen nicht nur die Mannigfaltigkeit an Registern sowie an Topoi der Raumdarstellung, sondern auch die zeitlichen Veränderungen der für die Raumaneignung ausschlaggebenden Orientierungspunkte anschaulich.

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FILMTOURISMUS

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Siegfried Mattl Der Kilometerfresser Ein kakanischer road movie aus 1925 Am 3. Juni 1925 stellte die W iener Urania ihren neuesten Film vor: Der Kilo­ meterfresser. Die Presse betrachtete den Film, der eine rasante Motorradexpe­ dition durch halb Europa zum Thema hatte, implizit als neuen Höhepunkt des nicht-fiktionalen Filmes in Österreich. Er versammelte den Besprechungen nach alle denkbaren Attribute der frühen Kinoprogrammierung auf sich: Bildungsfilm, Natur- und Städtebilder, Reisefilm, Sportfilm, Kulturfilm.1 Kurzum, Der Kilometerfresser stellte die an Genre-Kategorien orientierten Rezensenten vor das Problem der Uneindeutigkeit. Er zeigte Bekanntes, wie Kirchen, Häfen und Wasserfälle, die dem Inventar der Kunstgeschichte und der popularen Reisebücher entsprachen — aber er zeigte es nicht rein, nicht als Bekräftigungs­ akt konventionellen Bildungsgutes durch »lebende Bilder«. Er zeigte alte Volksbräuche und regionale Physiognomien, aber nicht in der Art und Weise der systematisierenden visuellen Anthropologie.2 Er rekurrierte auf die Geschichte kultureller Räume, und dennoch zeigte er mehr den Zerfall der Zeit als die vertraute Meta-Erzählung über die Fügung disparater Vergangen­ heiten unter die vereinheitlichende Moderne. Er folgte einem Itinerar, aber dessen Logik hatte nichts m ehr mit dem dramaturgisch vermittelten Erfahrungsgewinn der Lektüre von Reiseberichten auf sich.3 Doch lassen wir den Film und seine Premiere zunächst aus den Beobach­ tungen eines Redakteurs der W iener Bilder, einer illustrierten Wochenzeitung, wieder erstehen: 1 Vgl. Reichspost v. 11.06.1925; V erlautbarungen des V olksbildungshauses W iener Urania, Nr. 22/1925, S. 2. 2 In sbesondere bei d e r R...

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