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Von Tätern und Opfern

Zur medialen Darstellung politisch und ethnisch motivierter Gewalt im 20./21. Jahrhundert

Claudia Nickel and Silke Segler-Meßner

Im Zentrum dieses interdisziplinären Bandes steht die mediale Repräsentation von Täter- und Opfergemeinschaften. Die Auseinandersetzung mit den Folgen der Zerstörung menschlicher Gemeinschaft durch politisch und ethnisch motivierte Gewalt basiert dabei auf zwei Prämissen: Zum einen lassen sich in den unterschiedlichen Medien wiederkehrende Formen der Verletzung des Anderen und Darstellungsmuster erkennen, zum anderen befinden sich die medialen Inszenierungen des Täter-Opfer-Verhältnisses in einem Wechselverhältnis zu den nationalen und internationalen Reaktionen auf die evozierten Ereignisse. Auf innovative Weise greifen die Beiträge Impulse aus dem Bereich historischer Täterforschung in einer literatur- und medienwissenschaftlichen Betrachtungsweise auf. Die romanischen Kulturen bilden hier einen Schwerpunkt der Analysen.

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III. Ästhetische Figurationen von Täter- und Opferschaft im zeitgenössischen Roman

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„Jetzt sah ich mein Land wie einen dieser Wale, die am Strand verenden.“ Die Katastrophe des Bürgerkriegs in Terra sonâmbula von Mia Couto Joachim Michael 1. Die Katastrophe des mosambikanischen Bürgerkriegs Der Zweck unseres Kampfes ist nicht nur die Zerstörung. Zuallererst zielt er auf den Aufbau eines neuen Mozambique, in dem es keinen Hunger geben wird und in dem alle Menschen frei und gleich sein werden.1 Das neue Mosambik war die zentrale Botschaft, mit der sich das Zentralkomitee der Frente de Libertação de Moçambique (FRELIMO) an das mosambikanische Volk wandte. Um das neue Land aufzubauen, musste die alte Kolonialherrschaft der Portugiesen zerbrochen werden: Wir kämpfen mit der Waffe in der Hand, weil wir zunächst das portugiesische Kolonialsystem zerstören müssen, um das Mozambique aufzubauen, das wir wollen... erst danach werden wir unsere Arbeitskraft und die Reichtümer unseres Landes für uns selbst verwenden können...2 Das Kommuniqué stammt vom 25. September 1967, dem dritten Jahrestag des Ausbruchs des Befreiungskampfes gegen die Kolonialmacht. Eduardo Mondlane, der Gründungspräsident der FRELIMO, hat jedoch in seiner programmatischen Schrift The Struggle for Mozambique (1969) sehr deutlich gemacht, dass die Freiheit nicht schon mit der Vertreibung der Portugiesen er- reicht sein würde. Nicht nur müssten unmittelbar staatliche Strukturen ge- schaffen werden, die an die Stelle des Kolonialapparats treten, um ein Macht- vakuum zu verhindern. Der Freiheit stünden auch die traditionellen Herrschaftsstrukturen der Stammesführer, régulos, entgegen. Nicht nur wussten die...

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