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Im Wirrwarr der Meinungen

Zwei deutsche Antifaschisten und ihre Stimmen

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Kurt Nelhiebel

Im Wirrwarr der Meinungen, die um ihn herum herrschten, habe er keinen leichten Stand, schrieb Eugen Nelhiebel am 25. März 1945 seinem zur Wehrmacht eingezogenen Sohn Kurt. Auch in der nordböhmischen Heimat der beiden war die Kluft zwischen der Goebbelsschen Propaganda und den realen Erfahrungen des Einzelnen unübersehbar geworden und das Überleben für Antifaschisten gefährdeter denn je. Die hier zum ersten Mal veröffentlichte Korrespondenz zwischen dem Vater und seinem knapp 18-jährigen Sohn bezeugt das auf bemerkenswerte Weise. Kurts Tagebuch dokumentiert die Situation nach Kriegsende und die unvermeidliche Übersiedlung nach Westdeutschland. Die einmaligen Texte beleuchten ein historisches Geschehen, das immer noch von NS-Propaganda und völkischem Denken umschattet ist. Weitere Dokumente und Essays Kurt Nelhiebels behandeln das schwierige Weiterleben antifaschistischer Traditionen. Durch ihre ungewöhnliche Klarsicht heben sie sich deutlich ab vom gängigen Wirrwarr der Meinungen.

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14. Vertanes Erbe

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Von der Deformation und der notwendigen Renaissance des Antifa- schismus 1. „Wie wir der Luft bedürfen, um zu atmen, des Lichts, um zu sehen, so bedürfen wir edler Menschen, um zu leben. Sie reißen uns aus dem Sumpf des Alltäglichen; sie entzünden uns zum Kampf gegen das Schlechte.” So äußerte sich die Schrift stellerin Ricarda Huch 1946 über die ermordeten deutschen Widerstandskämpfer, deren Grä- ber heute nicht mehr sicher sind vor der Zerstörungswut verblendeten Pöbels. Win- ston Churchill, der sein Land zum Sieg über Hitlerdeutschland führte, rief der Welt ein Jahr darauf ins Bewußtsein: „ In Deutschland lebte eine Opposition, die zu dem Edelsten gehört, was in der Geschichte der Völker je hervorgebracht worden ist. Diese Männer und Frauen kämpften ohne Hilfe von innen oder außen, einzig getrieben von der Unruhe ihres Gewissens. Ihre Taten sind das unzerstörbare Fundament eines neuen Aufbaus.” Was ist aus dem Vermächtnis derer geworden, die mit ihren – wie es Willy Brandt ein Jahr vor seinem Tod noch in der Berliner Gethsemane-Kirche formu lierte – „mo- ralischen Grundentscheidungen” vielen anderen voraus waren, und deren Beispiel in einer Zeit der Entrümpelung und zu vermutender neuer Ver wirrung nicht gering zu schätzen sei? (Frankfurter Rundschau, 16.11.1991) Wie sind die politisch Verant- wortlichen in Deutschland umgegangen mit dem Wider stand gegen Hitler, und wie haben die Opfer der Gewaltherrschaft ihre Erfahrun gen aus den leidvollen Jahren selbst umgesetzt? Als das...

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