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Falsche Könige zwischen Thron und Galgen

Politische Hochstapelei von der Antike zur Moderne

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Gerhard Menzel

Das Phänomen politisch relevanter Hochstapelei, das heißt falscher Thronbewerber, die zeitweilig Herrschaft ausübten, Aufstände entfesselten, diplomatische Wirrungen verursachten, zumindest aber harte Sanktionen provozierten, begleitet die Geschichte der Monarchien von der Antike bis ins 19. Jahrhundert. Zwar sind die prominenteren Fälle vielfach untersucht worden, aber nur selten wurde das Thema in größeren Zusammenhängen fachhistorisch aufgegriffen. Eine Gesamtschau wurde vor allem populären Sammelbiographien überlassen. Ohne die darstellende Tradition dieser Sammelwerke gänzlich aufzugeben, orientiert sich diese Arbeit streng an den Quellen und der wissenschaftlichen Literatur. Sie bezieht bisher oft vernachlässigte Epochen und Räume ein, greift die Diskussion um Identitätsfragen und politische Hintergründe der Prätendenten auf, setzt die Einzelfälle in historische Zusammenhänge und öffnet den Blick auf die Rezeption des Themas in der schönen Literatur.

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XXI. Eine Nachlese im 19. Jahrhundert. Ludwig XVII. und Kaspar Hauser

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361 XXI. Eine (achlese im 19. Jahrhundert. Ludwig XVII. und Kaspar Hauser Vorbemerkung: Friedrich Bülau, der seit 1850 sein Serienwerk „Geheime Ge- schichten und rätselhafte Menschen“ herausgab, bemerkte über das Auftreten falscher Prätendenten in modernen Zeiten: „Fälle, wo jemand sich für eine für totgehaltene oder sonst auf eine mit manchem Rätselhaften umringte Weise ver- schwundene Person ausgibt, sind unter dem Einfluss unserer Öffentlichkeit und unserer Rechtsformen, aus nahe liegenden Gründen, in den gebildeten Staaten äußerst selten geworden“.1 Zwar vertut sich Bülau hier, wenn man die zahlreichen Fälle krimineller Hochstapelei oder psychopathischer Identitätsbehauptungen bis in die neueste Zeit hinein berücksichtigen wollte. Recht aber hat er, sobald es um politisch auch nur ansatzweise relevante falsche Identitäts-Prätentionen geht. Das mo- derne staatliche Personenstandswesen und neuerdings die wissenschaftliche Genanalyse lassen falsche Identitätsansprüche von politischer Relevanz kaum noch zu. Hinzu kommt natürlich auch, dass der monarchische Geblütsanspruch auf Herrschaft, die breiteste Grundlage politischer Hochstapelei, im Zeitalter zu- nehmender Demokratisierung kaum noch eine Rolle spielt. Selbst die echten Romanows, Kapetinger, Bonapartes, Hohenzollern, Habsburger usw. sind weit davon entfernt, aufgrund ihrer Herkunft politische Ambitionen zu hegen. Kein Machtbewerber hat es heute nötig, sich als Abkömmling einer Dynastie oder als Revenant zu legitimieren. Selbst in den bestehenden Diktaturen, und seien es zeitweilige Erbdiktaturen wie in >ordkorea, Haiti, in anderen südamerikani- schen und einigen arabischen Staaten, ist das angebliche persönliche Charisma propagandistisch wichtiger als die...

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