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Archetypen, Artefakte

Komparatistische Beiträge zur kulturellen und literarischen Repräsentation von Tieren

Edited By Alena Diedrich, Julia Hoffmann and Niels Penke

Wie werden Tiere in der Literatur dargestellt? Welche spezifischen Funktionen übernehmen sie in verschiedenen kulturellen Traditionen? Wie differieren ihre Darstellungen in unterschiedlichen Medien? Am Beispiel prominenter Tierfiguren sowie an bis dato eher unberücksichtigten Tiergattungen werden kultur- und literaturhistorische Prozesse untersucht und auf ihre Mechanismen befragt. Dabei wird besonders auch ein Blick auf die historische Entwicklung bestimmter Tiere und ihre spezifischen literarischen Repräsentationen geworfen. Der komparatistische Band sondiert zum einen Fragestellungen aus dem Bereich der Cultural and Literary Animal Studies und beleuchtet darüber hinaus einzelne Stationen der Forschung am Beispiel unterschiedlicher Textgattungen – von der Naturkunde bis zum Manga, von der populären Kinder- und Jugendliteratur bis hin zu kanonischen Texten der Weltliteratur.

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Blickende Tiere als Initiatoren naturhistorischer Beobachtung in Malerei und Grafik des 18. Jahrhunderts: Silke Förschler

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54 Matthias Teichert Interessanterweise schlagen die bildlichen Darstellungen, beginnend im Physiologus, einen anderen Weg ein: zumal die Krakendarstellungen des 19. Jahrhunderts rauben dem Kraken einen Teil seines Schreckens, indem sie ihn zur Gänze abbilden, ja ihm teilweise einen beseelten Blick zu verleihen schei- nen.33 Die literarische und ikonographische Rezeption des Kraken laufen auf getrennten Bahnen. Am Beginn des 21. Jahrhunderts ist der Kraken der Kryptozoologie ent- wachsen; er ist in kleinerer Gestalt als Riesenkalmar Architheutis dux zoologi- sche Realität geworden. Als mythologisches Ungeheuer gibt es ihn aber nach wie vor. Alle anderen ,Ungeheuer� haben mehr oder minder abgewirtschaftet: dass Melville den Pottwal zur Inkarnation des Satans machen konnte, erscheint im Zeitalter von Wal-Tourismus nahezu unverständlich; der Drachen ist durch Erzählungen wie Michael Endes Die unendliche Geschichte zum freundlichen bis hilfsbedürftigen Gefährten der Kinder geworden. Selbst der einst so gefürch- tete Weiße Hai ist mittlerweile eine gesuchte und für schützenswert erachtete Rarität der Weltmeere; die Seeschlange begegnet allenfalls noch als harmlose Nebenfigur im Zeichentrickfilm. Der Kraken allein hat seinen Schrecken be- wahrt und taucht als Ungeheuer aus der Tiefe etwa in Frank Schätzings Bestsel- ler Der Schwarm und in den Kino-Blockbustern Pirates of the Caribbean und Clash of the Titans auf. Der Kraken-Mythos lebt. � Abbildungsnachweise: � Abb. 1: The Icelandic Physiologus, ed. Halldór Hermansson. Facsimile Edition. Ithaca, NY 1938 (Islandica XXVII), unpaginiert. Abb. 2: Der Aspidochelone aus dem Physiologus-MS GkS 1633 4to: 59 verso. Königliche Dänische Bibliothek,...

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