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Danziger Umgangssprache und ihre Spezifik

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Grazyna Lopuszanska-Kryszczuk

Die gemeinsame, viele Jahrhunderte alte Geschichte der Kaschuben, Deutschen und Polen in Danzig führte zur Herausbildung einer Kommunikationsgemeinschaft, in der unterschiedliche, alle drei Nationen integrierende Bindungen zwischen den Menschen bestehen. Die wesentlichen gesellschaftlichen Prozesse, Zusammenarbeit und Anpassung, haben zur sprachlichen Akkomodation und Assimilation im Bereich der städtischen, multiethnischen Sprachgemeinschaft beigetragen. Das aus Standardsprache, standardnaher und dialektaler Umgangssprache erwachsene sprachliche Kontinuum zeichnet sich einerseits durch beachtliche Kontraste und anderseits durch ziemlich fließende Übergänge zwischen einzelnen Varietäten aus. Diese Form der städtischen Umgangssprache, die sich in Danzig infolge der Wanderungsbewegungen und sozialer Umschichtungsprozesse herausgebildet hat, wurde mit der Zeit zur vorherrschenden Verkehrssprache, die unabhängig vom Bewusstsein der ethnischen Zugehörigkeit zu einem der wichtigsten identitätsstiftenden Elemente des Danziger Bürgers wurde.

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5. Quellenmaterial

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Die historische Rekonstruktion der einzelnen Entwicklungsperioden der Danzi- ger Stadtsprache ermöglichen die in Archiven befindlichen historischen Quel- lentexte. Zwar versuchen die noch in Deutschland lebenden Danziger die Dan- ziger Umgangssprache noch zu benutzen, doch spielt die Mundart in der Kom- munikation der Gegenwart eine untergeordnete Rolle. Die meisten Lebenssitua- tionen erfordern die Anwendung einer standardnahen Sprachschicht. Die weni- gen der Danziger Umgangssprache mächtigen Sprecher, die es noch gibt, bedie- nen sich heute nur selten des Missingschs, und zwar dann, wenn die situativen Bedingungen es erlauben. Fast jeder der damals existierenden Sprachgemein- schaft ist heute in vielfacher Hinsicht mit anderen sozialen Gruppen verbunden und somit ist er Mitglied verschiedener Kommunikationsgemeischaften, so dass es zwischen dem Sprachbewusstsein und der Sprachkompetenz des Sprechenden Widersprüche gibt. In dieser Situation muss die jetzt gesprochene Umgangs- und Standardsprache an die Stelle der entwurzelten, fern des ursprünglichen Sprachgebiets in der Kindheit erworbenen Sprache treten48. Darum bilden den sprachlichen Untersuchungskorpus die in der Danziger Mittelschichtssprache (Danziger Missingsch) von dem Journalisten Fritz Jaenicke verfassten Texte, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts geschrieben und vom 11. Januar 1908 bis zur Einstellung der Zeitung Mitte 1944 in der Form von humoristischen Feuilletons in den Danziger Neusten Nachrichten publiziert wurden. Das Danziger Missingsch, das im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert zu vorherrschenden lokalen Umgangssprache wurde, war Ergebnis der Wande- rungsbewegungen und sozialen Umschichtungsprozesse. In einer seit schon im- mer heterogeneren Sprachgemeinschaft49 löste das Missingsch das noch in nied- 48 Nur wenige Danziger schreiben nach dem Krieg literarische...

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