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Verbrennen wir unser Haus?

Wie Klimaschutz unsere Lebensgrundlagen zerstören kann

Markus Knoflacher

Maßnahmen zur Vermeidung von Klimaänderungen sind gesellschaftsfähig und werden deshalb kaum hinterfragt. Die genauere Analyse der Zusammenhänge zeigt jedoch, dass die Bemühungen zur Stabilisierung der Lebensbedingungen das Risiko von katastrophalen Veränderungen erhöhen. Ursachen dafür finden sich in den Eigenschaften der Ökosysteme und der menschlichen Gesellschaft selbst. Eigenschaften, die in den vorherrschenden wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Paradigmen nur wenig Beachtung finden. Viele Maßnahmen unter dem Titel des Klimaschutzes sind deshalb bestenfalls wirkungslos oder dienen der Befriedigung von Lobbyinteressen. Manche Maßnahmen verschärfen zusätzlich die Problematik, wie beispielsweise die Forcierung der allgemeinen Verwendung des sogenannten «Biosprits». Sinnvolle Schritte zur Bewältigung der kommenden Herausforderungen erfordern hingegen weitreichende Systemänderungen.

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6 Auf dem Weg in die systemische Sackgasse

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6.1 Vorindustrielle Ära Wer die voranstehenden Kapitel überblättert hat wird sich vielleicht über die Feststellung wundern, dass der Mensch immer seine Umwelt beeinflusst hat. Egal, ob dieser Satz einen Schock auslöst oder ob er als Freibrief verstanden wird, es wäre fahrlässig, ihn losgelöst von den nachfolgenden Differenzierungen zu verwenden. Für ein differenziertes Verständnis der Auswirkungen anthropogener Nutzun­ gen ist es notwendig, die Entwicklungen vor und nach der Verwendung fossiler Energieträger und dem großräumigen Rohstoffhandel, sowie in der Zeit nach der ersten Ölkrise getrennt zu betrachten. Vor der großräumigen Verbreitung fossiler Energieträger waren Ausmaß und Intensität anthropogener Nutzung durch die regional vorhandenen Energie- und Rohstoffressourcen begrenzt. Es wäre aller­ dings ein Fehlschluss, daraus vorausschauende Anpassungen der menschlichen Nutzungsansprüche an die bestehenden Rahmenbedingungen - im Sinne eines „Lebens im Einklang mit der Natur“ - abzuleiten. Wie alle Organismen haben Menschen ihre Fähigkeiten eingesetzt, um mög­ lichst hohe Anteile der Energieflüsse und Rohstoffressourcen für sich zu nutzen. Weltweit finden sich historische und prähistorische Spuren von Versuchen, die Rahmenbedingungen auszuweiten. Viele Versuche scheiterten kurz- oder mittel­ fristig - mit teilweise dramatischen und nachhaltigen Konsequenzen, wie dem Verlust von Nahrungsgrundlagen durch Ausrottung von Tierarten411 oder dem Zusammenbruch ganzer Kulturen412 - , und nur wenige waren langfristig erfolg­ reich. Ohne Zufuhr von Rohstoffen oder fossilen Energieträgern waren die Ver­ suche dort erfolgreich, wo die bestehenden Lebensbedingungen ausreichend Möglichkeiten und Zeit zur Anpassung des menschlichen...

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