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Die Entstehung der neuhochdeutschen Schriftsprache

2., erweiterte Auflage

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Klaus-Peter Wegera

Die Diskussion um die Entstehung der neuhochdeutschen Schriftsprache begleitet die Germanistik von ihren Anfängen bis in die unmittelbare Gegenwart. Die wesentlichen Fragen, um deren Beantwortung es in der Diskussion geht, sind die nach dem Entstehungsort – der «Wiege» – der neuhochdeutschen Schriftsprache und die nach ihrem möglichen Schöpfer. Eng mit der letzten Frage verbunden ist die nach der Richtung der Entwicklung: «von unten nach oben» also volkssprachlicher Ausgleich als Basis für die Schriftsprache oder schreibsprachlicher Ausgleich und Rückwirkung auf die Mundarten. Das zentrale Problem der Diskussion zeigt sich nach wie vor darin, dass keiner der wichtigeren theoretischen Ansätze a priori völlig absurd erscheint. Jede Theorie enthält wohl einen Teil der Wahrheit: Sowohl Siedlerbewegungen als auch die Bildung, sowohl Luther als auch die Kanzleien und Offizinen, sowohl die Grammatiktheoretiker als auch die Dichtung, sowohl Sprachwertsysteme als auch die sich herausbildende Polyfunktionalität und die allmähliche Herausbildung einer zentralen Zielvarietät spielen eine mehr oder weniger bedeutsame – aber in der Regel noch nicht zufriedenstellend ausgelotete – Rolle.

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Konrad Burdach: Die Einigung der neuhochdeutschen Schriftsprache

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Konrad Burdach Die Einigung der neuhochdeutschen Schriftsprache Einleitung: Das sechzehnte Jahrhundert Hallische Habilitationsschrift 1884 [aus: Konrad Burdach: Vorspiel. Gesammelte Schriften zur Geschichte des deutschen Geistes. I. Band, 2. Teil: Reformation und Renaissance. (Deutsche Vierteljahrsschrift. Buchreihe 2). Halle (Saale) 1925, 1-33] Wenn man von der Entwicklung der neuhochdeutschen Schriftsprache redet, pflegt Luthers Bibelübersetzung als die entscheidende Tat genannt zu werden. Und in gewissem Sinne ist sie das auch unbedingt. Aber schwieriger wird es zu antworten, falls die Frage sich erhebt, was denn eigentlich, in welchem Umfange und auf wie lange durch Luthers Werk entschieden wurde. Keine neue Sprache, das ist sicher, kam durch ihn auf: er bediente sich einer bereits geltenden Schriftsprache, die im mittleren und oberen Deutschland für den offiziellen Verkehr der fürstlichen und städtischen Kanzleien sich gebildet hatte. Dies war, wie wir jetzt durch M ü l l e n h o f f s Forschungen1 und die sie bestätigenden Untersuchungen E . W ü l c k e r s 2 wissen, die Sprache der kaiserlichen Kanzlei, die sich zu Ende des 14. Jahrhunderts in Böhmen unter und nach der Regierung der Luxemburger festgesetzt hatte und durch Aufnehmen mitteldeutscher Elemente zu einer Mittelstellung zwischen Norden und Süden geeignet war. Nach dieser Reichssprache der kaiserlichen Kanzlei hatten bald die mitteldeutschen Kanzleien3 - die östlichen zuerst - sich zu richten angefangen und gegen das Ende des 15. Jahrhunderts entstand so allmählich für ein ‘ gerne i­ 1 Denkmäler deutscher Poesie und Prosa2 S. XXVIIIff....

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