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Aberglaube und Unverstand in der Lehre von Versuch und Rücktritt

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Martina Oberhofer

Die Autorin analysiert Unterschiede und Parallelen zwischen grob unverständigen und irrealen Versuchs- bzw. Rücktrittshandlungen. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass die gegenwärtige Ungleichbehandlung solcher Irrtümer sachwidrig ist und das geltende Recht keine befriedigende Lösung bietet. Deshalb unterbreitet die Autorin einen eigenen Vorschlag einer Gesetzesänderung, in dem sie sich für eine Entkriminalisierung beim Versuch ausspricht. In der gegenteiligen Rücktrittssituation führt die Gesetzesauslegung zur Versagung einer Strafbefreiung bei beiden Irrtumsarten. Auf diese Weise entwickelt sie ein stimmiges Konzept bei der Strafbegründung und Strafaufhebung, welches zudem mit Blick auf eine künftige Europäisierung des Strafrechts mit einem europäischen Gesamtkonzept kompatibel ist.

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2. Teil: Der abergläubische oder irreale Versuch

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143 2. Teil: Der abergläubische oder irreale Versuch Anders als der grob unverständig handelnde Versuchstäter macht sich der Täter beim „abergläubischen“ bzw. „irrealen“ Versuch nach fast einhelliger Ansicht in der Rechtswissenschaft nicht strafbar. In diesem Hauptteil geht es darum aufzu- zeigen, welche Konstellationen mit dem Begriff „abergläubischer“ Versuch ge- meint sind (A.) sowie mit welchen Argumenten die Wissenschaft und Praxis ihre Straflosigkeit begründet (B.). A. Begriff Im ersten Kapitel wird geklärt, welche Sachverhalte unter dem Begriff „aber- gläubischer“ bzw. „irrealer“ Versuch zu verstehen sind (I. und II.) und wie diese Fallgruppe von den strafbaren untauglichen Versuchen abzugrenzen ist (III.). I. Begriffsanalyse und Verwendung im Schrifttum Die Bezeichnung „abergläubischer Versuch“ geht, wie der Name schon erkennen lässt, auf „Aberglauben“ zurück. Was ist darunter zu verstehen? Der Begriff „Aberglaube“ wurde zunächst religiös geprägt und hatte die Be- deutung eines von der offiziellen theologischen Lehre abweichenden, falschen Glaubens bzw. Irrglaubens.476 Laut Handwörterbuch des Deutschen Aberglaubens ist das „der Glaube an die Wirkung und Wahrnehmung naturgesetzlich uner- klärter Kräfte, soweit diese nicht in der Religionslehre selbst begründet sind.“477 Da „Aberglaube“ also als irriger Glaube aufgefasst wird, hängt sein konkreter Bedeutungsgehalt vom religiösen und weltanschaulichen Standpunkt der je- weiligen Kultur ab. Eine allgemeingültige, präzise Definition ist deshalb nicht möglich. Dennoch ist der Begriffskern eindeutig. Es geht um das Vertrauen auf wissen- schaftlich nicht erklärbare Vorgänge. Diese Bedeutung liegt...

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